Xeneris ist eine neu gegründete, italienische Band, die sich dem Melodic/Symphonic/Power Metal verschrieben hat. Das Debüt-Album „Eternal Rising“ überzeugt auf ganzer Linie, mit starken Songideen, eingängigen Melodien und kraftvollen Riffs. Ein toller Auftakt! 8,5/10

Xeneris wurden Ende 2022 gegründet, nach der Auflösung von Kalidia, einer der wohl ambitioniertesten Metal Bands die Italien je hatte. Gründer von Xeneris sind somit die ehemaligen Kalidia-Musiker Federico Paolini (Gitarre, Hauptsongwriter) und Roberto Donati (Bass), die den eingeschlagenen, musikalischen Weg weiter fortführen wollten. Auch Xeneris stehen für melodischen Power Metal, gewürzt mit gut integrierten sinfonischen Elementen aber auch ein paar progressiven Parts. Eine musikalische Weiterentwicklung ist aber durchaus auch erkennbar und auch eine leichte, stilistische Kurskorrektur, die zugunsten des Power Metal ausgefallen ist. Mit Sängerin Maryan, die auch an den Lyrics teils mit beteiligt war und Schlagzeuger Stefano Livieri, waren dann schnell zwei weitere Mitstreiter gefunden, die das Quartett komplettieren. Ein paar der Songs klingen durchaus so, als wären die Grundideen bereits zu Kalidia Zeiten entstanden aber vielleicht ist es auch einfach der typische Stil, wie Federico Paolini komponiert. Für den Produktionsablauf haben Xeneris auf alt bewährte Kräfte vertraut. Wie früher schon, hat Freedom Call Gitarrist Lars Rettkowitz die Albumproduktion und den Mix übernommen und auch ein bisschen beim Songwriting mitgewirkt. Gemastert wurde „Eternal Rising“ von Achim Köhler, ebenfalls wie gewohnt. Interessanterweise ist das das gleiche Team, das auch das Alterium Debüt produziert hat, bekanntermaßen ja die andere Nachfolge Band von Kalidia, rundum deren ex-Sängerin Nicoletta Rosellini. Besonders hervorzuheben ist das eindrucksvolle Cover-Artwork, das „Eternal Rising“ zu einem echten Hingucker macht. Eine brillante Arbeit des bekannten Künstlers Stan W Decker. Der Phönix, der das Cover ziert, ist freilich keine wirklich neue Idee aber immer wieder ein gut geeignetes Motiv. In diesem Fall symbolisiert es den Neuanfang für die Band, es steht aber auch Pate für den Titel-Song, der den 500-jährigen Zyklus beschreibt, nachdem der Legende nach, der Phönix stirbt und wieder aufersteht. Mythen und Legenden sind generell das Thema für alle Songs auf dem Album, die durch tolle Arrangements, auch akustisch gut und authentisch präsentiert werden, wie beispielsweise bei „Shahrazad“, mit einem deutlich orientalischen Klangbild. Wie ein schwermetallisches Märchen aus 1001 Nacht. Die einzelnen Stücke zeigen viel Ideenreichtum beim Komponieren aber auch bei der praktischen Umsetzung im Studio. Man kann gut erkennen, dass da eine ganze Menge Erfahrung vorhanden ist aber eben auch eine große Portion Talent. Die Italiener haben es sehr gut verstanden, den einzelnen Songs eingängige Melodiebögen zu verpassen, die sich meist gut im Ohr halten. Speziell die Arbeit mit dem Tempo ist ausgezeichnet gelungen. Das sorgt für viel Abwechslung und starke Spannungsbögen. Mit Härte und Geschwindigkeit haben Xeneris nicht gespart, durchaus aber mit der Orchestrierung. Diese ist immer wieder ein gutes Element für Stimmung und Klangvolumen aber sie ist zu keiner Zeit so opulent, dass sie dem Power Metal den Vorrang nimmt. Geschickt gemacht! Manchmal kann eben weniger auch mehr sein, wie man so schön sagt. „Eternal Rising“ wird über Frontiers Records veröffentlicht und hat 11 Songs im Angebot, die sich über eine Gesamtspielzeit von 47 Minuten verteilen. Das starke Debüt bewegt sich durchwegs auf sehr hohem Niveau und macht großen Spaß. Einige der Stücke möchte ich euch gerne noch hervorheben.

Da wäre mal der Opener „Barbarossa“, der auch die jüngste Single/Video Veröffentlichung war. Eine energetische Hymne, mit sehr starker Instrumentierung, dezenter aber guter Orchestrierung, eingängiger Vocalline inklusive einem erhabenen Refrain und starkem Gitarren-Solo on top. Das Titel-Stück „Eternal Rising“ war vor ein paar Monaten der erste musikalische Beleg, für die Stärken von Xeneris. Die Nummer geht kompromisslos voran, meist sehr flott im Tempo. Der Song geht ziemlich gut ins Ohr und zeigt neben der instrumentalen Vielseitigkeit auch die Brillanz von Maryan’s Stimme in besonderer Weise. Das Lied ist super arrangiert mit großartigen, punktuell eingesetzten klassischen Parts. Absolut überragend finde ich „Pandora’s Box“, ein schweres, wuchtiges Stück, das mit gutem Klangvolumen und fantastischer Tempo-Gestaltung überzeugt. Sowohl die filigrane Gitarren-Arbeit von Federico Paolini, als auch die druckvolle Rhythmus-Power von Basser Roberto Donati und Drummer Stefano Livieri, sind hier ganz speziell hervorzuheben. Eine mega Hymne! „To The Endless Sea“ bringt uns thematisch und auch musikalisch ein bisschen hin zum Pirate Metal. Mit folkigen Elementen und ein wenig sinfonischer Opulenz, bewegen wir uns hier im Fahrwasser von Visions Of Atlantis und Pirate Queen. Die Nummer macht viel Spaß und sorgt für beste Laune. Starke Riffs und ein sehr eingängiger Refrain heben das Energielevel ans Limit. Ganz klar, ein Pflicht-Stück für die Bühne! „Scilla And Cariddi“ ist eine überragende Melodic/Power Metal Granate, die mit toller Melodieführung und etlichen Tempowechseln begeistert. Eine abwechslungsreiche, sehr ideenreich arrangierte Nummer, die mit etwas Dramatik und auch ein paar dezenten, progressiven Nuancen zu gefallen weiß. Ganz speziell der rasante Chorus-Part macht diese Nummer zu meinem persönlichen Top-Favoriten auf dem Album. „The Glorious Fight“ bringt ein teilweise cineastisch anmutendes Klangbild mit. Auch dieses Stück geht ziemlich flott voran und reißt den Zuhörer sehr gut mit. Schöne Steigerungen halten den Spannungsbogen immer wieder straff, wirklich sehr geschickt gemacht. Im Mittelteil ist viel Platz, damit sich die Instrumental-Abteilung ein bisschen austoben kann. Ein wunderbarer, ruhiger Moment gibt einem die Gelegenheit kurz zu verschnaufen, ehe es dann zum rasanten Finale geht. A propos Finale. Dieses ist „Equinox“, der Ballade des Albums vorbehalten. Ein wunderbares Lied, bei dem Maryan von Gastsänger Michele Luppi stimmlich begleitet wird, ansonsten, instrumental, vorwiegend von Piano/Keys und ein bisschen Percussion. Im Verlauf gewinnt das Stück noch ein wenig an Energie und bekommt sogar fast einen hymnischen Charakter. Ein intensives Lied, das trotz verhaltener Instrumentierung, die große musikalische und kompositorische Klasse zeigt!

Mit Xeneris ist die italienische Metal Szene um eine weitere hochklassige Band reicher geworden. „Eternal Rising“ bildet eine eindrucksvolle Basis für einen hoffentlich langen und erfolgreichen Weg. Der Melodic/Symphonic/Power Metal hat in Italien ja bekanntlich eine lange und große Tradition. Umso schöner, dass es immer wieder neue Bands gibt, die diese Erfolgsgeschichte weiter fortführen. Herzlichen Glückwunsch an Xeneris zu einem rundum gelungenen Debüt! „Eternal Rising“ wird sich am 14.06.2024 wie ein Phönix aus der Asche erheben und Genre Fans in große Begeisterung versetzen!

Band

Maryan (Gesang)
Federico Paolini (Gitarre)
Roberto Donati (Bass)
Stefano Livieri (Schlagzeug)

Titel

  1. Barbarossa
  2. Before The River Of Fire
  3. Eternal Rising
  4. Pandora’s Box
  5. A New Beginning
  6. To The Endless Sea
  7. Shahrazad
  8. Scilla And Cariddi
  9. Burning Within
  10. The Glorious Fight
  11. Equinox
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