Es ist mal wieder an der Zeit die Segel zu setzen. Visions Of Atlantis gehen mit ihrem neuen Epos „Wanderers“, erneut auf eine spannende und aufregende Abenteuerseefahrt, durch den Symphonic-Metal-Ozean.

Knapp eineinhalb Jahre nach ihrem fantastischen Comeback-Album „The Deep & The Dark“ und dem dazu in diesem Frühjahr erschienen Livealbum, gibt es von Austria’s Finest, schon das nächste Meisterwerk zu bewundern. Schlagzeuger und Mastermind Thomas Caser, ist es gelungen, gemeinsam mit seiner Band Visions Of Atlantis, ein weiteres Highlight in der Bandgeschichte, auf den Markt zu bringen. „Wanderers“ knüpft nahtlos an den 2018er-Vorgänger an und setzt viele tolle Akzente. Nach den erfolgreichen beiden Symphonic-Metal-Nights-Tourneen und den Support-Shows für Kamelot im letzten Jahr, segeln die in der Nähe von Wien (Bruck an der Mur) beheimateten Visions Of Atlantis, auf der Erfolgswelle durch die Weltmeere und konnten unlängst auch bei einigen Album-Release-Shows wieder sehr begeistern.

Das Erfolgskonzept wird auf „Wanderers“ konsequent fortgeführt. Mit dem neuen Sänger Michele Guaitoli (auch bei Temperance aktiv) konnte im letzten Herbst, ein perfekter Ersatz für den ausgestiegenen Siegfried Samer (Dragony) gefunden werden. Dieser Wechsel ist auf sehr freundschaftliche und sympathische Art und Weise, beim zweiten Teil der Symphonic-Nights-Tour, quasi fließend, vollzogen worden. Der Italiener ist bereits voll integriert, hat sogar ein paar Kompositionen mit eingebracht und macht einen herausragenden Job, an der Seite von Front-Schönheit Clémentine Delauney. Ansonsten hat man auf das gleiche Team gesetzt, wie beim Vorgänger. Erneut wurde Band-Intimus, Keyboarder und Produzent Frank Pitters ins Songwriting mit eingebunden. Gemeinsam mit Clémentine wurden hier einige ganz große Stücke aus dem Hut gezaubert. Endveredelt wurde „Wanderers“ dann bei Mika Jussila in den legendären Finnvox-Studios in Helsinki.

Los geht die Abenteuerseefahrt mit „Release My Symphony“. Eingerahmt von einem unheilschwangeren Intro und Outro, wäre dieser Song perfekt für den Soundtrack eines „Pirates Of The Carribean“ – Films geeignet. Bombastische, cineastische und sehr unterhaltsame erste sieben Minuten. Klasse! Die folgenden drei Stücke wurden allesamt bereits im Vorfeld, in Form von ganz tollen Videos veröffentlicht, für die man keine Kosten und Mühen gescheut hat. „Heroes Of The Dawn“ ist der Gute-Laune-Rocker des Albums schlecht hin. Mit folkiger Grundmelodie und einem sehr mitreißenden Refrain, kann das Stück überzeugen und spätestens nach dem zweiten Durchlauf wird man diesen Ohrwurm nicht mehr los. Garantiert, also Vorsicht, Suchtgefahr! Das folgende „Nothing Lasts Forever“ ist der, kommerziell gesehen, vielleicht ambitionierteste Song der Band-Geschichte. Die musikalische Grundlage für diesen Hit, stammt aus der Feder von dem Songwriter-Team von Beyond The Black und Exit Eden, namentlich Hardy Krech, Mark Nissen und Kissin‘ Dynamite-Frontmann Hannes Braun. Ein Mega-Stück, als Halbballade komponiert, mit wunderbaren Lyrics, verfasst von Clémentine und genauso stark von ihr und Michele gesungen. Man kann nicht genug davon bekommen. „A Journey To Remember“ liefert die Antwort schon im Titel. Eine denkwürdige Reise, ein tolles Lied. Wieder deutlich flotter und mit sehr schwungvollem Refrain. Das macht richtig Spaß. „A Life Of Our Own“ ist fast schon ein Power-Metal-Track. Mit ordentlicher Wucht, sorgen Drummer Thomas Caser und Basser Herbert Glos dafür, dass der Song richtig gut in die Füße (und in den Nacken) geht und Christian Douscha liefert an der Gitarre, die knackigen Riffs dazu. Mit rasantem Double-Bass-Einsatz geht es bei „To The Universe“ weiter. Trotz des Tempos gibt es hier im Refrain, eine eher verträumte Gesangsmelodie dazu. Ein perfekter Live-Track. „Into The Light“ ist die erste von zwei wunderschönen Piano-Balladen. Das Stück zeigt eine sehr verletzliche und sehnsüchtig wirkende Clémentine Delauney. Unfassbar gut gesungen, mit eingebauter Gänsehaut-Garantie. Christian „Dushi“ Douscha liefert dazu ein sehr feines Gitarren-Solo. „The Silent Scream“ geht in Nightwish-Manier los. Das Stück ist ein sehr stimmungsvoller, teils sogar etwas grooviger Symphonic-Rocker, der beide Vokalisten in Bestform zeigt. Mit „The Siren & The Sailor“ sind Visions Of Atlantis auf ihrer Seefahrt, in der arabischen Welt angekommen. Ein paar orientalische Klangfolgen, liefern hier die Akzente. Clémi teils in klassischer Gesangstechnik und ein sehr emotionaler Michele Guaitoli runden die Sache ab. Auch ein tolles Stück für die Bühne. „Wanderers“, das Titelstück, hat bei mir nicht nur bei der Release-Show im Münchener Backstage für Gänsehaut gesorgt, das schafft das Lied auch vom Album, jedes Mal aufs Neue. Die zweite Piano-Ballade ist noch melancholischer und noch spartanischer instrumentiert und stammt komplett aus der Feder der zauberhaften Clémentine Delauney. Das sind Emotionen pur. Da kommen auch hartgesottene Metal-Fans nicht dran vorbei. Der reguläre Teil dieses Meisterwerks, endet mit dem Symphonic-Kracher „At The End Of The World“. Hier gibt es wieder alles zu genießen, was diese Musik so besonders macht. Druckvolles Schlagzeug, tolles Riffing, flotte Melodien, viele Tempowechsel und ein extrem stimmungsvoller Refrain. Super! Dazu gibt es dann bei der entsprechenden Album-Variante, noch zwei Top-Bonus-Tracks. „Bring The Storm“ ist ein wuchtiges Riffmonster. Sehr sinfonisch und naja, was soll ich sagen, die meisten Bands wären froh einen Song wie diesen, überhaupt zu haben, bei Visions Of Atlantis läuft er „nur“ als Bonus. Das sagt eigentlich schon alles aus. Nummer zwei ist ein fantastisches Cover. Das Lied stammt ursprünglich aus der Feder von Sharon den Adel, der großartigen Frontlady von Within Temptation, dass sie gemeinsam mit ihrem niederländischen Musiker-Kollegen Armin van Buuren, vor gut zehn Jahren, als Pop-/Dance-Song veröffentlicht hat. Gefallen hat mir das Stück schon immer, trotz des wenig metallischen Klangbilds im Original aber was Visions Of Atlantis hier nun draus gemacht haben, toppt die Sache noch deutlich. Im druckvollen Melodic-Metal-Gewand, überzeugt mich dieser fantastische Track, nochmal eine ganze Ecke mehr. Hört euch nur mal an, wie großartig Clémi das singt. Spitzenmäßig!

Abschließend kann man hier nur Glückwünsche verteilen. Thomas Caser und seine tolle Band, haben auch auf „Wanderers“ eine formidable Leistung vollbracht. Gut, lieber Thomas, dass du dich vor ein paar Jahren entschieden hast, mit Visions Of Atlantis einen Neuanfang zu starten. Wer das neue Meisterwerk noch nicht hat, dem empfehle ich, ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen und sich das Earbook zu leisten. Ein wahres Kunstwerk in sich, mit handgeschriebenen Lyrics von Clémentine Delauney, vielen tollen Bildern und insgesamt 48 Seiten Booklet. Dazu gibt es auch noch eine Neufassung des Band-Klassikers „Memento“, als LP-Single. Versprochen, das Teil ist jeden Cent wert. Wer die österreichischen Symphonic-Metal-Künstler, um ihr herausragendes, französisch/italienisches Gesangs-Duo, bei den Album-Release-Shows verpasst hat oder einfach ein weiteres Mal, in den Genuss einer ihrer phänomenalen Live-Shows kommen möchte, dem sei die im Oktober bevorstehende Tour, im Vorprogamm von Freedom Call, wärmstens ans Herz gelegt.

Band

Clémentine Delauney (Gesang; Piano)
Michele Guaitoli (Gesang)
Christian „Dushi“ Douscha (Gitarre)
Herbert Glos (Bass)
Thomas Caser (Schlagzeug)

 

Titel

  1. Release My Symphony
  2. Heroes Of The Dawn
  3. Nothing Lasts Forever
  4. A Journey To Remember
  5. A Life Of Our Own
  6. To The Universe
  7. Into The Light
  8. The Silent Scream
  9. The Siren & The Sailor
  10. Wanderers
  11. At The End Of The World

Bonus:

  1. Bring The Storm
  2. In And Out Of Love
  3. (Memento)
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