Das Warten hat ein Ende. Mit „Enigma Fire“ stellt die Nürnberger Symphonic-Metal-Band Visionatica, ihr schon lange ersehntes, zweites Album vor und auch die Fortsetzung überzeugt voll und ganz, bis zur allerletzten Note.

Ich kann es eigentlich kaum glauben, dass „Force Of Luna“, das sensationelle Debüt-Album von Visionatica, bereits 3 Jahre alt ist. Dennoch hat es mit dem Nachfolger „Enigma Fire“ nun etwas länger gedauert, als geplant. Ein Grund dafür, war der dringende Wunsch, dem zukunftsorientierten Vorhaben Visionatica, einen noch professionelleren Weg zu ebnen. Für dieses Unterfangen haben sich Sängerin Tamara Amedov (Künstlername Amara Avodem) und ihre Mannen, auf die Suche nach einer passenden Platten-Firma gemacht und sind schließlich bei Frontiers Records untergekommen. Für eine Symphonic-Metal-Band ist das italienische Label sicher auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich, liegt deren ursprüngliche Kernkompetenz doch eher im AOR und Hardrock-Genre. Allerdings haben sich Frontiers in den letzten Jahren, auch in anderen Bereichen des Rock und Metal, schon einen guten Namen gemacht und man verfügt über ein großartiges Netzwerk und starke Partner in allen Bereichen der Vermarktung. Somit ist die Entscheidung für eine aufstrebende Band wie Visionatica, sicher goldrichtig gewesen und die Weichen für eine rosige Zukunft, sind somit gestellt.

Was hat sich in den 3 Jahren seit dem ersten Album getan, bzw. was gibt es zur Entstehung von „Enigma Fire“ zu berichten? Bereits frühzeitig waren die neuen Songs im bewährten Team komponiert. Hauptverantwortlich dafür, wie schon beim Debüt, Gitarrist Manuel Buhl und Goldkehlchen Tamara Amedov, mit Unterstützung von Produzent Timon Seidl. Das erneut tolle Coverartwork, stammt wieder aus der talentierten Hand von Michael Liewald (Winterstorm), der auch wieder ein paar starke Vocals beigesteuert hat. Den finalen Schliff hat „Enigma Fire“ traditionell in den berühmten Gate-Studios von Olaf Reitmeier erhalten. Seit „Force Of Luna“ hat es nur einen Besetzungswechsel gegeben. Neu am Bass heißen wir Tim Zahn willkommen, der zusammen mit Gerhard Spanner am Schlagzeug, für die Power und den richtigen Rhythmus sorgt. Alle Keyboards und Orchesterarrangements, hat wieder Armin Haas übernommen und damit einen grandiosen Job gemacht.

Freilich erfinden auch Visionatica mit „Enigma Fire“, das sinfonische Metal-Rad nicht neu, dennoch gelingt es der jungen Truppe aus Franken, wie schon auf dem Debüt, eine ganz besondere Atmosphäre und einen doch recht einzigartigen Ausdruck, in ihre Songs zu bringen, womit man sich deutlich hörbar, von anderen Bands aus dem Genre, abheben kann. Im Besonderen gelingt dies über den leicht orientalischen Einschlag in einigen Melodiebögen und der teils fast schon betörenden, wunderschönen Stimme von Tamara Amedov. Sie integriert einige Einflüsse aus der traditionellen Musik ihrer mazedonischen Heimat, die große Ähnlichkeit mit den Klängen des vorderen Orients aufweist. Insgesamt knüpfen Visionatica bei ihrem zweiten Werk nahtlos an ihr Debüt an. Der Sound ist vielleicht einen Tick wuchtiger, als bei „Force Of Luna“ und es sind ein paar mehr progressive Elemente hinzugekommen. In der Folge möchte ich noch ein paar Worte zu den einzelnen Stücken sagen.

Nach dem schönen Intro „Amari Sudbina Kali“, geht es gleich mit den drei Songs los, zu denen vorab schon tolle Videos veröffentlicht wurden. Übrigens bei allen dreien, ist Tobias Heindl von Fiddler’s Green, an der Violine zu hören. „The Pharaoh“ beginnt mit flotter Gitarre und wuchtigem Schlagzeug. Ein sinfonisches Feuerwerk schon zu Beginn, möchte man sagen. Tamara’s ausdrucksstarke Stimme, führt gekonnt, mit wunderbaren Melodien, durch den Opener. Ähnlich wuchtig, mit progressiven Klangmustern folgt „Fear“. Mit fast schon verträumtem, melancholischem Refrain, großartig intoniert. Unheilschwanger und mit cineastischem Heldenintro, startet „Roxana The Great“. Ein schöner Rhythmus, flotte Tempo-Wechsel, ein paar orientalische Elemente, dazu eine feine Gesangsmelodie. Einer meiner Top-Favoriten auf „Enigma Fire“. Bravo! Dann kommt Metallica. Nein, nicht ganz. Das Gitarrenriff von Manuel Buhl geht aber schon in die Richtung und mit den knackigen Drums von Gerhard Spanner, wird „Dance Of Fire“, auf jeden Fall zum flottesten und härtesten Visionatica-Stück, der bisherigen Band-Geschichte. Übrigens auch mit großartigen Orchesterparts. „To The Fallen Roma“ liefert, neben erneut starkem klassischen Hintergrund, einige traditionelle, mazedonische Klänge, die für die richtige Atmosphäre bei diesem tollen Song sorgen. Folkloresänger Naser Ahmedovski, ist hier als Gast, mit einem ausdrucksstarken Gesangsbeitrag, an der Seite von Tamara zu hören. Hoch emotional, traurig und schwermütig aber genauso wunderschön, ist „Incomplete“. Unnötig zu erwähnen, dass es sich hierbei um die Ballade des Albums handelt. Spartanisch, vorwiegend orchestral instrumentiert, lebt dieser wunderbare Song vordergründig von der gefühlvollen Stimme von Tamara Amedov, die die Emotionen dieses Stückes, mit all ihrer Ausdrucksstärke, lebendig werden lässt. Unbeschreiblich schön und gut! Danach geht es mit einem echten Symphonic-Knaller weiter. „Secrets Of The Ancestors“ verlangt von den jungen Musikern all ihr Können ab. Schöner Groove, tolle Arrangements, bombastisch aber auch wieder hervorragend integrierte, traditionelle Melodiebögen, dazu ein ganz feiner Refrain. Sehr stark! Gerne verwende ich die folgende Floskel, weil sie auch immer mal wieder stimmt. Auch bei „Enigma Fire“ heißt es für mich: „save the best for last“. Das abschließende „Rise From The Ashes“ ist mein persönlicher Favorit, vom zweiten Visionatica-Meisterwerk. Hymnisch, rhythmisch, orchestral, großartige Melodien, Tamara teilweise mit fast schon verletzlicher Stimme, dazu noch der Gastbeitrag am Mikro, von Michael Liewald (Winterstorm). Ein sehr intensives, emotionales und gleichermaßen mitreißendes Stück, das ich unbedingt mal live hören möchte. Perfekt!

Damit wären wir auch schon am Ende angelangt und bei meiner Kategorie „Wünsch dir was“. Zunächst, um das fortzuführen, hoffe ich sehr, dass es gelingt mit dem neuen Label im Hintergrund und in Zusammenarbeit mit dem Management, bald mal eine Tour zu verwirklichen. Ich würde mich riesig über ein Live-Erlebnis freuen und Visionatica sicherlich auch. Desweiteren kann ich nur meinen erneuten Glückwunsch, auch zu Album Nr. 2 aussprechen. Tolle Musiker, großartige Band, fantastisches Album.

Das einzige was ich mir für Meisterwerk Nr. 3 wünsche, sind ein oder zwei Songs mehr.

Band

Tamara Amedov (Gesang)
Manuel Buhl (Gitarre)
Tim Zahn (Bass)
Gerhard Spanner (Schlagzeug)

 

Titel

  1. Amari Sudbina Kali (Intro)
  2. The Pharaoh
  3. Fear
  4. Roxana The Great
  5. Dance Of Fire
  6. To The Fallen Roma
  7. Incomplete
  8. Secrets Of The Ancestors
  9. Rise From The Ashes
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