Es ist mal wieder Zeit für ein entspanntes Hard-Rock und Metal Festival im hohen Norden. Und so entscheide ich mich, meine sehr guten Erinnerungen aus 2015 im Gepäck, dieses Jahr erneut nach Tampere zu fliegen.

Finnland erwartet mich mit früh-sommerlichem Wetter, frischem Birkengrün und jeder Menge Blüten auf den Wiesen und in den Wäldern. Das Festival-Gelände liegt malerisch am Pyhäjärvi, knapp südlich des Stadtzentrums. Wie schon 2015 bin ich begeistert von der Organisation: bequeme Sitzgelegenheiten mit Blick auf den See, blitzsaubere Toiletten samt Desinfektionsmittel, Trinkwasserzapfanlage, gute Essensauswahl … Vielen Dank an alle Beteiligen für diese super Organisation. Zwei kleine Mankos gibt es diesmal: leider kaum Merchandise-Stände und die beiden Bühnen liegen verdammt weit auseinander, so dass man je nach Andrang schon einmal eine gute Viertelstunde läuft. Die Anordnung hat natürlich Vorteile für die Bands, so dass auch mal überzogen werden kann bzw. der Soundcheck läuft, ohne die anderen zu stören.

Genug der Vorrede – so liefen die beiden Tage ab: Am Freitag, den 8. Juni eröffnen die Lokalmatadoren von One Desire um Frontmann André Linman auf der kleinen Bühne. Von Beginn an ist der Sound hervorragend. One Desire freuen sich sichtlich über die zahlreichen Fans und begeistern mit annähernd allen Songs aus ihrem ersten Studioalbum. Gute News gibt es obendrein: die Band arbeitet kräftig am neuen Silberling. Auf der großen Bühne folgen Thor aus Kanada die bereits 1973 ihr Erstlingswerk veröffentlichten. Thor spielen recht klassischen Heavy Metal im Stile von Motörhead. Trotz der beeindruckenden Diskographie bleiben mir primär die ständig wechselnden Gesichtsmasken von Sänger Jon Mikl Thor im Gedächtnis. Und so mache ich mich etwas vor Ende der Show auf den Weg zurück zur kleinen Bühne, vor der bereits eine große Menge auf Brother Firetribe wartet. Das Quintett um Nightwish-Gitarrist Emppu Vuorinen spielt eine ihrer letzten Shows der Sunbound-Tour voller Leidenschaft und zur Freude der Fans, die auch in den hinteren Reihen noch textsicher mitsingen, sogar etwas länger als die angesetzte Stunde. Die Fliegerstaffel über dem Gelände wird nur am Rande beachtet. Zu Stam1na auf der Hauptbühne schaffe ich es nur mit Verspätung, somit müsst ihr mit einem Bild aus der Entfernung leben. Die lokale Melodic Death Metal Band erfreut sich hier großer Beliebtheit, so dass die Mähnen vieler Fans im Einklang mit den flinken Gitarren- und Drum-Klängen kreisen.

Am anderen Ende des Geländes sind jetzt Diablo Blvd aus Belgien an der Reihe. Dies ist die erste Band, von der ich bis dato rein gar nichts gehört habe. Die Neugier auf die Hard Rocker aus Antwerpen teilen offensichtlich nur wenige. Schade, denn die Herren machen ihre Sache eigentlich gut und sind zu einigen Scherzen aufgelegt. Auf der Hauptbühne warten Sonata Arctica auf ihren Auftritt. Lang ist es her, dass ich die fünf aus Kemi zuletzt in ihrem Heimatland sah und so ist dieser Gig einer meiner Höhepunkte hier in Tampere. Die Setlist ist ein guter Mix aus dem aktuellen Album „The Ninth Hour“ und einem Streifzug durch die älteren mittlerweile acht Longplayer. Überraschender Weise fehlt erstmalig „Don’t Say a Word“ vor dem obligatorischen Loblied an das Nationalgetränk Wodka. Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es zurück zur kleinen Bühne, auf der Michael Monroe in den Startlöchern steht. Der Ex-Hanoi Rocks Sänger ist sicher eines der Highlights für die Finnen hier. Die Fläche vor der Bühne ist bereits zu den ersten Klängen gerammelt voll und bis in die letzten Reihen wird Matti Fagerholm, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, euphorisch gefeiert. Der Tag neigt sich in großen Schritten dem Ende – nur Ghost spielen heute noch. Kurz vor Beginn der Show ist die Spannung förmlich zu greifen. Als die schwedischen Ghouls mit ihrem Frontmann Tobias Forge alias „Papa Emeritus“ um halb elf die wie eine Kirche geschmückte Bühne betreten, bebt die Menge. Einige Fans sind sogar mit Ghost-Masken ausgestattet. Alle die jetzt noch Lust haben, können im Jack The Rooster bei lokalen Live-Bands weiterfeiern.

One Desire - South Park Festival, Tampere, 2018

Thor - South Park Festival, Tampere, 2018

Brother Firetribe - South Park Festival, Tampere, 2018

Stam1na - South Park Festival, Tampere, 2018

Diablo Blvd - South Park Festival, Tampere, 2018

Sonata Arctica - South Park Festival, Tampere, 2018

Michael Monroe - South Park Festival, Tampere, 2018

Ghost - South Park Festival, Tampere, 2018

Setlist Ghost:

  1. Ashes
  2. Rats
  3. Absolution
  4. Ritual
  5. From the Pinnacle to the Pit
  6. Faith
  7. Devil Church
  8. Cirice
  9. Miasma
  10. Year Zero
  11. Spöksonat
  12. He Is
  13. Mummy Dust
  14. If You Have Ghosts (Roky Erickson cover)
  15. Dance Macabre
  16. Square Hammer
  17. Encore: Monstrance Clock

 

Tag zwei beginnt bereits um halb drei mit Beast In Black um Ex-Battle Beast Gitarrist und Songwriter Anton Kabanen. Erst 2017 erschien ihr Debüt-Album „Berserker“. Mit Songs aus selbigem können die vier Finnen und ihr griechischer Sänger Yannis Papadopoulos die zahlreichen Fans begeistern. Offen gestanden sind Beast In Black mein persönliches Highlight des Tages, wenngleich natürlich auch die nachfolgenden Bands tolle Shows erneut bei super Sound und sommerlichem Wetter bieten. Ebenfalls mit Finnen geht es auf der kleinen Bühne weiter: Night Nurse, nicht zu verwechseln mit der britischen Indie-Band Nightnurse. Ich scheine mit meinem Unwissen um die jazzig angehauchte Band nicht allein zu sein, denn kaum jemand verweilt vor der Bühne. Ganz anders sieht es da bei Amorphis aus. Auch ohne sein so markantes Mikro kann Sänger Tomi Joutsen die große Menge vor der Hauptbühne mitreißen. Außerdem fällt mir auf, dass Bassist Olli-Pekka Laine nach 17 Jahren Pause wieder dabei ist, den ich erstmals live erlebe. Auf der Nebenbühne sind nun Lost Society mit ihrer ausgesprochen wilden Show dran. Ich frage mich, wie man beim quasi Dauer-Headbangen überhaupt noch Töne oder Saiten treffen kann. Den jungen Finnen gelingt es.

Nach einer Essenspause am See bin ich zurück an der Hauptbühne und lese einen mir sehr gut bekannten Namen auf den Base-Drums: Robban Bäck, Ex-Sabaton / Eclipse / Ammunition Drummer. Heute drischt er für seine schwedischen Landsleute von Mustasch auf die Felle. Das Quartett um Ralf Gyllenhammar erlebe ich hier zum ersten Mal live und bin sehr angetan von der Show und den Songs, einem Mix aus Eigenständigkeit, Metallica und Black Sabbath. Bei S-Tool auf der kleinen Bühne herrscht eine gewisse Aufregung. Als die Herren loslegen, ist dann auch mir klar warum – der Bassist ist ihnen abhandengekommen. Die Metaller aus Lahti machen das Beste aus der Situation und haben sichtlich Spielfreude vor recht großem Publikum und bei herrlichem Sonnenschein. Kein anderer Gitarrist hat so schön posiert wie Sami Leppikangas. Auf der Hauptbühne macht sich der erste Headliner des Tages bereit für eine große Show: Accept. Die Band um Gitarrist Wolf Hoffmann und Bassist Peter Baltes stecken mit ihrer Spielfreude die dicht gedrängte Menge an. Mark Tornillo, der vor knapp zehn Jahren Bandgründer Udo Dirkschneider am Mikro ablöste, macht einen hervorragenden Job und kann mich persönlich deutlich mehr begeistern als sein schriller Vorgänger.

Die letzte Band auf der kleinen Bühne sind Mokoma. Ich frage mich jedoch, warum die alteingesessene Trash / Death Band um Sänger Marko Annala auf dieser Bühne spielt. In der Pause zwischen Accept und Helloween sind gefühlt fast alle der knapp 13.000 Besucher zur kleinen Bühne gepilgert und wollen sich den Auftritt ihrer lokalen Helden nicht entgehen lassen. Pünktlich um halb elf fällte der schwarze Vorhand für die Kürbisköpfe. Helloween ziehen weiter als Pumpkins United in großer Besetzung inklusive Michael Kiske und Kai Hansen durch die Lande. Über weite Teile der Show liefern sich Michael Kiske und Andi Deris einen Schlagabtausch am Mikro, doch auch Kai Hansen bekommt bezugnehmend auf die „Walls Of Jericho“ seinen Gesangspart. Entgegen der Headliner-Tour dauert die Show hier nicht drei Stunden, sondern nur zirka 90 Minuten, dennoch wird ein guter Abriss über die mittlerweile fast 35-jährige Bandgeschichte geboten.

Für mich endet hiermit ein wieder einmal sehr gelungenes Festival und mein Sommerurlaub an der finnischen Ostseeküste beginnt. Je nach Billing komme ich im nächsten Jahr gerne zurück.

Beast in Black - South Park Festival, Tampere, 2018

Night Nurse - South Park Festival, Tampere, 2018

Amorphis - South Park Festival, Tampere, 2018

Lost Society - South Park Festival, Tampere, 2018

Mustasch - South Park Festival, Tampere, 2018

S-Tool - South Park Festival, Tampere, 2018

Accept - South Park Festival, Tampere, 2018

Mokoma - South Park Festival, Tampere, 2018

Helloween - South Park Festival, Tampere, 2018

Setlist Helloween:

  1. Let Me Entertain You
  2. Halloween (partial)
  3. Stein
  4. I’m Alive
  5. Are You Metal?
  6. Starlight / Ride the Sky / Judas / Heavy Metal (Is the Law)
  7. A Little Time
  8. If I Could Fly
  9. Power
  10. How Many Tears
  11. Invitation
  12. Eagle Fly Free
  13. Keeper of the Seven Keys (partial)
  14. Future World
  15. I Want Out

 

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