Die Kanadier Solarus haben vor wenigen Wochen ihr 3. Album vorgestellt. „A Dance With Tragedy“ begeistert durch kraftvollen und filigran komponierten Melodic-/Power-Metal, gewürzt mit sinfonischen und progressiven Elementen, verpackt in knapp 50 Minuten Hörgenuss! 9,5/10

In Europa sind Solarus bislang ein wenig unter dem Radar unterwegs gewesen. Man darf aber davon ausgehen, dass sich das mit ihrem neuen Meisterwerk „A Dance With Tragedy“ ändern wird. Die Band ist seit 2015 aktiv, hat in den Jahren 2017 („Reunion“) und 2019 („Darkest Days“) bereits zwei hochklassige Alben auf den Markt gebracht. „A Dance With Tragedy“ kam nun kurz vor Ende des abgelaufenen Jahres daher und entfacht wahre Begeisterungsstürme. Leider kam die Scheibe für mich ein paar Tage zu spät, um sie noch in die Heavy Metal Album Charts 2021 zu integrieren, ansonsten hätte das zweifelsohne, einen Platz in den Top 10 gegeben. Umso mehr freue ich mich heute, ein paar Zeilen über diese wunderbare Liederkollektion schreiben zu können. Solarus sind als Quintett unterwegs. Am Mikro, die wundervolle und vielseitige Sarah Dee, die auch einen Großteil der Lyrics geschrieben hat. Dazu gibt es für einen richtig fetten Gitarren-Sound, zwei tolle Saitenhexer, mit Troy Longe und Lucas McArthur, die auch für den wesentlichen Teil des Songwritings verantwortlich waren. Der Bass wird von Mark Feeney bedient und für die gewaltige Schlagzeug-Power, sorgt Nich Longe. Musikalisch ist das Ganze recht leicht erklärt. Solarus spielen eine sehr opulente und kraftvolle Mischung aus Melodic- und Power-Metal, der aber auch viele progressive Elemente enthält, wie das im nordamerikanischen Raum, ja sehr gerne gemacht wird. Komplettiert wird das Klangerlebnis durch einige großartige, sinfonische Arrangements, die dem Sound Tiefe und gleichzeitig noch mehr Volumen verschaffen. Natürlich sind Solarus mit dieser Kombination nicht die ersten und freilich auch nicht die einzigen aber sie haben es geschafft, ihrem Stil eine individuelle Note zu geben und vor allem, spricht natürlich die Qualität der Kompositionen eine klare und eindeutige Sprache. Wir haben hier 9 herausragende Top-Hits, die allesamt mitreißend sind und durch die grandiosen Vocals von Sarah Dee, eine außergewöhnliche und sehr emotionale Färbung bekommen haben.

Ohne Vorspiel, ohne Einleitung geht der Spaß gleich richtig los. „Waking Mind“ ist perfekt als Opener geeignet und zeigt dem Hörer wo die Reise hin geht. Modernes Gitarre-Spiel und donnernde Drums bilden die Basis, eine wundervolle, getragene Vocalline und ein starker Chorus, sorgen für die Highlights. „Shades Of Truth“ steht dem in nichts nach. Ein wenig progressiver, dazu fette Arrangements und knackige Riffs. Als Sahnehäubchen oben drauf, gibt es ein grandioses Solo. Stimmungsvoll und mit überragender Lead-Gitarre, begeistert „The Keeper“ schon von der ersten Sekunde an. Sarah Dee liefert stimmgewaltig, eine tolle Show, sogar mit gelegentlichen Ausflügen in den klassischen Gesang, der ihr, wie ich finde, auch sehr gut zu Gesicht steht. Einer meiner absoluten Top-Faves auf dem Album! „The Wandering“ bietet wuchtigen Power Metal. Troy Longe und Lucas McArthur mit herausragender Gitarren-Arbeit und auch die Rhythmus-Abteilung um Nich Longe und Mark Feeney, kann sich bei dieser kraftvollen Nummer austoben. Das Titel-Stück „A Dance With Tragedy“ kommt deutlich opulenter ums Eck. Bombastische Arrangements, sinfonisch, mit tollen Streicher-Parts. Dazu gesellt sich hier eine großartige Gast-Sängerin. Vicky Psarakis von The Agonist, die dort ja bekanntlich, die Nachfolgerin, von niemand geringerem, als Alissa White-Gluz (Arch Enemy) ist. Die beiden Stimmen harmonieren blenden und Vicky gibt dem Stück durch ihre starken Growls, das ganz besondere „Etwas“. Vielleicht der Top-Hit ist „Guiding Light“. Tolle Keys, wunderbare Gitarren-Melodie, Power-Drums und eine herausragende Sarah Dee. Eine Melodic-Metal-Hymne der Extra-Klasse. Im Fußball würde man sagen, Champions League. Die facettenreiche Instrumentierung und der mega gute Refrain komplettieren den Gesamteindruck und der leicht melancholische Unterton in Sarah’s Stimme, sorgt für ein außergewöhnliches Charisma bei dieser Nummer. Und schon geht es weiter mit den Highlights. Es folgt mit „Promise Me“ die Ballade des Albums… und was für eine! Halbakustische Gitarren und dezente Arrangements, immer wieder ergänzt durch wunderschöne Streicher und obendrauf der kraftvolle, weiche und emotionale Gesang von Sarah Dee, die hier ein weiteres Mal, gelegentlich ihre klassische Stimmausbildung einsetzt. Eine epische Ballade, wie man sie nicht jeden Tag zu hören bekommt. Augen zu und genießen! „Everbound“ ist dann aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Rasantes Double-Bass-Gewitter, satte Riffs, alles im progressiven Stil, dazu eine großartige Lead-Gitarre, auch mit einem sehr feinen Solo. Ein sehr abwechslungsreicher Song, mit einer, mal getragenen, mal sehr energischen Vocalline. Das große Finale kommt dann im XL-Format daher. „This Journey That Yet Remains“ ist nicht nur die facettenreichste Komposition das Albums, sondern mit 9 Minuten auch die längste. Solarus zeigen hier mit Bravour, was man in so eine Spielzeit alles reinpacken kann. Ruhiger, sinfonischer Start, mit feinen Piano-Klängen und einsetzenden Streichern, was dann aber schnell übergeht, in die geballte Kraft einer Melodic-Metal-Hymne. Viele Tempo-Wechsel bestimmen die Dramaturgie und die Stimmung des Songs, satte Riffs geben die Power und die wundervollen Vocals von Sarah Dee wirken fast schon ein bisschen majestätisch. Ein tolles Solo und nach einem finale furioso, lassen die 5 Musiker von Solarus, dieses Meisterstück dann sanft, akustisch und instrumental ausklingen.

OK, Leute. Das war eine atemberaubende Reise nach Kanada, die einem noch lange in Erinnerung bleibt. Ich danke Solarus für dieses tolle Klangerlebnis und sage herzlichen Glückwunsch zu einem wirklich großen Album. „A Dance With Tragedy“ hat auf jeden Fall das Potenzial die Band ein ganzes Stück voran zu bringen. Wäre cool, wenn wir das auch hier in Europa, irgendwann mal live erleben dürfen. In diesem Sinn, „Let’s get rocked, not infected!“

Band

Sarah Dee (Gesang)
Troy Longe (Gitarre)
Lucas McArthur (Gitarre)
Mark Feeney (Bass)
Nich Longe (Schlagzeug)

Titel

  1. Waking Mind
  2. Shades Of Truth
  3. The Keeper
  4. The Wandering
  5. A Dance With Tragedy
  6. Guiding Light
  7. Promise Me
  8. Everbound
  9. This Journey That Yet Remains
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