Für alle Fairytale-Metal Fans hat das Warten nun ein Ende. Die deutschen Newcomer Snow White Blood veröffentlichen ihr lange erwartetes Debüt „Hope Springs Eternal“. Eine großartige Sammlung bildgewaltiger Märchenerzählungen, dargeboten in einem prachtvollen, sinfonischen Metal-Gewand.

 

Ganze vier Jahre ist es nun schon her, dass Snow White Blood ihre 5-Track-EP „Once Upon A Fearytale“ veröffentlicht haben. Eine der stärksten Erstveröffentlichungen die das Symphonic-Metal-Genre bisher gesehen hat. Seitdem hat nicht nur der Schreiber dieser Zeilen, sondern eine, inzwischen recht beachtliche Zahl an Fans des sinfonischen Fairytale-Metal, sehnlichst auf das Album-Debüt gewartet. Voilà, „Hope Springs Eternal“ hat das Licht der Welt erblickt und es hat nicht nur die großen Erwartungen erfüllt, nein, sie wurden noch um so vieles übertroffen. Sängerin Ulli Perhonen und ihre Märchenprinzen, namentlich Christian Weber (Gitarre), Thomas Schmitt (Bass) und Max Rudolph hinter der Schießbude, haben kurz vor Weihnachten, eine wundervolle, verzaubernde und musikalisch absolut hochklassige, Märchensammlung vertont. Ob nun Rapunzel, die Sterntaler oder viele andere große Märchen, bekommen uneingeschränkt, die Aufmerksamkeit die sie verdienen und werden von Snow White Blood in ihrer ganz eigenen Weise erzählt. Ich gebe gerne zu, dass ich sicher nicht der größte Märchen-Kenner auf unserem Planeten bin, was ich aber sicher weiß, ist, dass ich einen sehr großen Faible für fantastisch gespielten Symphonic-Metal habe, mit so einer wundervoll mystischen, teils düsteren aber auch gleichermaßen hoffnungsvollen und unbeschwerten Ausstrahlung. Gerade jetzt, in diesen außergewöhnlichen und schwierigen Zeiten, in der viele Menschen bedrückt und verängstigt sind, Sorgen um die Zukunft haben und vielleicht auch ein eher einsames Weihnachten vor der Tür stehen haben, ist Hoffnung das aller wichtigste. Snow White Blood hätten mit dem inhaltlichen Konzept und dem Titel „Hope Springs Eternal“, kaum eine bessere Wahl treffen können. Alleine dafür habt ihr euch schon Bestnoten verdient.

Natürlich geht es bei einer Album-Besprechung vordergründig um die Musik. Also wollen wir dem hier auch Genüge tun und einige Worte über die 8 Sahneschnitten verlieren, die uns „Hope Springs Eternal“ offeriert. Snow White Blood ist es mit Bravour gelungen, das Märchen-Thema mit dem melodischen Heavy Metal so stimmig in Einklang zu bringen, dass kein einziger der Songs überladen wirkt oder gar kitschig, was bei dieser Art der Musik, leider vielen Bands immer wieder mal passiert. Aber nicht den vier Newcomern aus Hessen, die ihr Debüt übrigens in Gemeinschaftsarbeit komponiert haben. Wie schon auf der 2016er-EP setzt man auch auf „Hope Springs Eternal“ auf mitreißende Metal-Songs die von starken, von Ulli Perhonen arrangierten Orchesterparts, begleitet werden. Ulli’s Gesang ist indes noch kraftvoller, umfangreicher und charismatischer geworden, als auf der EP und ich würde sie schon heute, zu den besten Sopran-Stimmen im Metal-Zirkus zählen. Auch das Wechselspiel zur „normalen“ Singstimme ist beeindruckend und verleiht somit den Stücken die Vielseitigkeit und einen ganz individuellen Ausdruck. Wer auf dieser Hammer-Scheibe übrigens nach irgendwelchen Schwachstellen sucht, der kann gleich wieder damit aufhören, es gibt schlicht und ergreifend keine! Punkt!

Der Opener „Shared Hearts“ ist bei den Top-Hits des Jahres 2020 ganz weit vorne mit dabei. Ein schwungvoller und gleichermaßen stimmungsvoller Song, der das Album perfekt einleitet. Ulli Perhonen steht hier Aeranea-Sängerin Lilly Seth zur Seite. Die beiden hübschen Ladies harmonieren großartig und versprühen durchaus ein wenig Magie. „Longing For The Sea“ hat einen folkigen Anstrich bekommen. Ein mitreißendes Lied, das mit vielen Tempowechseln begeistert und der flotte instrumentale Zwischenpart, wäre vielleicht sogar für Irish Folk- und Step-Legende Michael Flatley (Lord Of The Dance) eine Herausforderung. Top! Bei „Drop A Stitch“ stehen Tempo und die modernen Gitarrenriffs von Christian Weber im Vordergrund. Üppige Orchester-Arrangements und eine, mitunter sogar groovig agierende Ulli Perhonen, runden diesen Symphonic-Kracher sehr gekonnt ab. „Never-Ending Waltz“ startet melancholisch, ist auch im Weiteren, zum größten Teil eher balladesk aber mit großem Finale. Für „You Belong To Me“ haben sich Snow White Blood wieder Gäste mit an Bord geholt. Danny Meyer von Oversense übernimmt hier gekonnt den männlichen Gegenpart zu Ulli Perhonen. Für die gewaltigen Background-Chöre sind Stimmgewalt eingeladen worden. Insgesamt ein sehr energetisches Stück, das ich mir schon jetzt, als eines der großen Highlights bei Konzerten vorstellen kann. Bei „The Court Jester“ darf Ulli es am Mikro wieder alleine richten. Im Besonderen die Rhythmus-Abteilung mit Thomas Schmitt und Max Rudolph stehen bei diesem wuchtigen Stück im Fokus. „Rising Of The Sun“ ist vielleicht der schnellste Song auf „Hope Springs Eternal“. Irgendwie eine wundervolle Verschmelzung aus Nightwish und Within Temptation. Wie man sieht oder besser gesagt, hört, stehen Snow White Blood diesen beiden Klassenbesten, definitiv in nichts nach. Daumen hoch für diesen Hammer-Song! „Falling Stars“ ist der wunderschöne, teils träumerische Abschluss, dieses monumentalen, gut 50 Minuten Spielzeit umfassenden, Mega-Albums. Ulli Perhonen brilliert hier noch mal in ganz besonderer Weise, sowohl am Mikro, als auch mit den Orchester-Arrangements. Stimmgewalt sind beim großen Finale auch nochmal für die Chöre im Einsatz und geben dem Ganzen Volumen und Raumklang. Ganz großes (Märchen-) Kino!

Snow White Blood können auf ihr Erstlingswerk „Hope Springs Eternal“ wirklich stolz sein. Dieses Meisterwerk gehört definitiv zu den besten Symphonic-Metal-Alben des Jahres und ist auch ganz sicher, eines der stärksten und ambitioniertesten Debüts in 2020. Meinen herzlichsten Glückwünsch zu diesem wunderbaren Stück Musikgeschichte. Man möchte sagen, manche Märchen werden wahr!

In diesem Sinne „Let’s get rocked, not infected!“

 

Band

Ulli Perhonen (Gesang, Orchester-Arrangements)
Christian Weber (Gitarre)
Thomas Schmitt (Bass)
Max Rudolph (Schlagzeug)

 

Titel

  1. Shared Hearts (feat. Lilly Seth)
  2. Longing For The Sea
  3. Drop A Stitch
  4. Never-Ending Waltz
  5. You Belong To Me (feat. Danny Meyer; Stimmgewalt)
  6. The Court Jester
  7. Rising Of The Sun
  8. Falling Stars (feat. Stimmgewalt)
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