Juni 2015 – schon bald ist Mittsommer. Heute ist der zweite Tag des großartigen Southpark Festivals in Tampere. Die Sonne scheint, die Tore wurden schon um eins geöffnet und ich sitze im Medienzelt zusammen mit Free Spirit Sänger Sami Alho.

Die Band hat April 2014 ihr zweites Studioalbum veröffentlicht. Anfang und Mitte 2015 gibt es ein paar wenige Gelegenheiten, die Jungs auch live zu erleben, allerdings nur in ihrer Heimat. Eine davon: in zirka zwei Stunden hier beim Southpark Festival.

Free Spirit Southpark Tampere 2015

Danke Sami, dass Du Dir Zeit nimmst, ein wenig über Euer neues Album zu reden. Letztes Jahr kam ”All The Shades Of Darkened Light” auf den Markt. Wie lief der Kreativprozess zum Album?

Sami: Ganz ehrlich war es ein ziemlich langer Weg. Wir begannen schon 2010 damit, erste Ideen für das neue Album zu sammeln. In diesem Sommer starteten wir auch schon mit den Aufnahmen von Songs. Hauptsächlich fanden die Aufnahmen aber im Frühjahr 2011 statt. Während des Prozesses kamen uns so viele neue Ideen für die Songs, dass wir entschieden, denen eine Chance zu geben und probierten aus, ob wir die Songs mit den neuen Ideen verbessern können. Wir brauchten mehr als ein Jahr für all die Optimierung, doch wurden die Songs besser und besser. Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich darüber, dass wir diesen Weg gegangen sind. Natürlich wollten wir das Album schon früher veröffentlichen, doch bin ich der Meinung, dass am Ende das Ergebnis die wichtigste Sache ist und genau damit sind wir jetzt sehr zufrieden.

Was inspirierte Dich für die Songs? Gibt es vielleicht auch autobiographische Dinge, die Du verarbeitet hast?

Sami: Währen wir unser Debüt-Album ”Pale Sister Of Light” schrieben, haben wir unseren Sound quasi neu erfunden. Und unser Ziel für das neue Album war, nochmals besser zu klingen. Wir wollten uns all die Dinge zu Nutze machen, die wir während des Kreativprozesses zu ”Pale Sister Of Light” gelernt haben. Bereits das Debüt hat sehr guten Zuspruch erhalten. Und wir wussten basierend darauf, dass unsere Art von Musik Beachtung von vielen Fans bekommt. Wir wollen uns stetig verbessern, uns mehr und mehr auf Sound und Songwriting konzentrieren, alles einfach noch besser machen als beim letzten Mal. Das war letztendlich die Inspiration für das zweite Album. Die Ideen flossen dann während der Arbeit.

Ihr nennt Eure Alben “Pale Sister Of Light” … dann ist “Darkened Light” enthalten … Was verbirgt sich hinter diesem Metapher für Euch? Warum ist das Symbol so wichtig für Free Spirit?

Sami: Gute Frage. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. ”Pale Sister Of Light” meint den Mond, oder den Spirit des Mondes. Und zu ”All The Shades Of Darkened Light” – ok, es gibt eine Story hinter den Songs der beiden Alben. ”All The Shades Of Darkened Light” spiegelt die Idee von Vampiren. Wie Du sicher weißt, mögen Vampire die Sonne nicht gerade besonders, sie müssen sich abschotten. Sie schauen auf eine abgedunkelte Welt. Darum geht es bei den Alben. Ursprünglich wollten wir das Album nach einem der Songs benennen, doch aus irgendeinem Grund klang der Titel ”All The Shades Of Darkened Light” immer besser, so dass wir entschieden, diesen Titel zu wählen.

Wie muss ich mir das Songwriting im Allgemeinen bei Free Spirit vorstellen? Ich habe gelesen, dass Ihr alles, komplett ohne externe Unterstützung macht. Wie fühlt es sich an, für das gesamte Paket verantwortlich zu sein?

Sami: Ja stimmt. Zunächst einmal ist die Freiheit, alles genau so zu machen, wie wir es wollen, etwas enorm Kostbares für uns und diese Freiheit wollen wir nicht verlieren. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich sehr zeitintensiv. Meine Rolle in der Band ist es, Songs zu schreiben, ich schreibe auch die meisten Texte, bin mitverantwortlich für Aufnahme und Mix der Songs und habe zusammen mit einem Grafik-Designer das Cover entwickelt. Und diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Du kannst einfach nicht alles allein machen, wenn man bedenkt, dass der Tag nur 24 Stunden hat und man auch ab und an schlafen sollte.

… und hin und wieder auch noch arbeiten …

Sami: Absolut. Aber es macht jede Menge Spaß und wenn man das fertige Produkt in den Händen hält, weiß man, dass man es etwas ist, dass man selbst erschaffen hat. Wir als Band wissen, dass dieses Album das Beste ist, was wir aktuell erreichen können. Außerdem ist da kein Label oder Executive Producer, der einen Song vom Album streicht, welchen wir lieben oder der uns drängt, einen Song zu spielen, den wir nicht mögen. Die Freiheit, genau so zu arbeiten, wie wir es wollen, ist das wertvollste überhaupt für us und das ist der Grund, warum wir an weiteren Alben genau auf diese Art und Weise arbeiten wollen.

Komplett unabhängig zu sein ist die Basis für Euren musikalischen Output – aber gibt es Leute im Musikbusiness, mit denen Du Dir eine Zusammenarbeit vorstellen kannst?

Sami: Ja sicher gibt es jede Menge Künstler und auch Produzenten, mit denen wir gern arbeiten würden. Bevor die Japan-Edition von ”Pale Sister Of Light” Ende 2009 rauskam, hat der amerikanische Produzent Beau Hill eine Radio-Version von ”Far Away From Heaven” gemixt, welche dann als Japan-Bonustrack veröffentlicht wurde. Die Zusammenarbeit mit Beau Hill bedeutete jede Menge Spaß für uns und wir führten einige Gespräche mit ihm über eine mögliche Fortsetzung der Zusammenarbeit, schon bevor wir die Arbeiten für das neue Album ”All The Shades Of Darkened Light” begannen. Aber Du kannst Dir seine Zeitplanung vorstellen und das hätte alles etwas schwieriger gestaltet. Falls wir mit einem Produzenten gearbeitet hätten, wäre dieser schlicht nicht in der Lage gewesen, sich über volle drei Jahre hinweg auf nur das eine Projekt zu konzentrieren, die es brauchte, um alles zu schreiben, aufzunehmen und zu mixen. Im Moment ist es einfach das Beste für uns, so zu arbeiten, wie wir es derzeit machen. Aber wir sind gespannt darauf, Musiker und Produzenten für eine Zusammenarbeit zu finden. Es ist natürlich immer erfrischend, neue Ideen zu hören und wie verschiedene Leute unsere Songs aufnehmen.

Free Spirit Southpark Tampere 2015

Das neue Album, oder besser gesagt beide Alben sind geprägt von zahlreichen AOR Einflüssen, auf der anderen Seite klingt ihr aber deutlich moderner als der klassische AOR der 80er, daneben verarbeitet ihr Progressive Elemente und es gibt Instrumentalpassagen, die auch in Songs der härteren Gangart passen würden. Wie würdest Du Eure Musik beschreiben?

Sami: Das stimmt, ja, es gibt AOR Einflüsse in unserer Musik, sogar recht viele. In der Band hören die Leute recht unterschiedliche Musik und wenn Du beginnst, einen Song zu schreiben, der in die AOR Schiene gehen könnte, so kann sich während der Proben mit der Band einiges ändern. Teilweise geht es soweit, dass man den ursprünglichen Song kaum mehr erkennt. Normalerweise werden die Songs besser und besser, wenn man gemeinsam mit den Bandkollegen daran tüftelt, weil jeder einen Teil seiner Persönlichkeit einbringt, die Art, wie er den Song wahrnimmt und fühlt, die Art und Weise, wie derjenige sein Instrument spielt. All das beeinflusst den Song. Ich denke, dieser Prozess lässt sich schwer kontrollieren und genau das ist gut so. Zumindest möchte ich das glauben. *lacht*

Es ist dieser Tage wirklich schwer, sich im Musik-Business Lorbeeren zu verdienen. Viele junge und talentierte Bands entern den Markt. Was macht Euch einzigartig in Eurem Sektor?

Sami: Ich denke, was uns einzigartig macht ist, dass wir nicht immer nur vorgegebenen Regeln folgen. Wenn wir einen Song schreiben, dann mag der vom AOR beeinflusst sein, allerdings nicht von Anfang bis Ende, so dass Du vorhersagen könntest, wie er weitergeht. Manchmal hörst Du einen Song nur wenige Sekunden und weißt genau, was Du davon erwarten kannst und wie er sich entwickeln wird. Wir versuchen zumindest, für den Hörer Überraschungen bereit zu halten, die er eben nicht vorhersehen kann. Ich denke, wir vermischen recht gut verschiedenste Einflüsse. Zum Beispiel kann ein Refrain ähnlich wie Whitesnake klingen und ein anderer Teil des gleichen Songs erinnert an Def Leppard. Irgendwie unerwartet zu klingen, ich denke, genau das macht unsere Musik einzigartig.

Friedrich Nietzsche “Der Antichrist” … in Kapitel 13 dieses bekannten Werkes beschreibt der deutsche Philosoph den Freigeist, oder auf Englisch Free Spirit. Warum habt ihr genau diesen Bandnamen gewählt?

Sami: Zu der Zeit, als wir über den Bandnamen nachdachten, interessierte sich unser damaliger Gitarrist Pepe sehr für Philosophie und solche Dinge. Er liebte einfach Nietzsche’s Idee des unabhängig seins, ungebunden an irgendwelche Religionen oder Politik. Andererseits ist es natürlich für alle Rock-Bands mehr oder weniger das Gleiche, da sie quasi ihre eigene Welt erschaffen, unabhängig Musik schreiben und auf ihre eigene Weise mit ihrem Publikum kommunizieren. Somit ist ein Freigeist für uns jemand, der voll all dem unabhängig ist, wovon er unabhängig sein will.

Und damit schließt sich der Kreis zu dem Punkt, wie Ihr Eure Songs schreibt, komplett frei und unabhängig von irgendwelchen Beschränkungen …

Sami: Genau, ja.

Februar in diesem Jahr habt ihr schon einmal in Tampere gespielt, damals beim Midwinter Firefest zusammen mit Brother Firetribe und H.E.A.T. Das war Euer erster Gig nach einer recht langen Pause. Jetzt erneut in Tampere … Was bedeutet es für Euch, live zu spielen?

Sami: Natürlich bedeutet es in erster Linie Spaß und es sind die Situationen, in denen man die Songs testen kann. Du kannst Dir sicher vorstellen, dass mancher Song sehr attraktiv wirkt, wenn Du ihn aufnimmst, doch seine wahre Natur kommt erst zum Vorschein, wenn man ihn live aufführt. Man bekommt sofort das Feedback vom Publikum. Du weißt sofort, ob Du das Richtige tust oder nicht. Ja es ist Klischee aber doch so wahr, dass man während dieser Interaktion mit dem Publikum eine Menge Energie bekommt und, so hoffe ich, auch Energie zurückgeben kann. Es ist wie ein Kreislauf, der sich selbst speist. Diese Erfahrungen kannst Du auf keine andere Weise sammeln. Kurzum live performen ist sehr wichtig für uns.

Keep It Metal schrieb “If you’re not already a fan, YOU WILL BE!” Was plant ihr für die nächsten Monate, um Eure Musik zu den Leuten zu bringen, zu langjährigen Fans aber auch zu neuen?

Sami: In der Tat haben wir eine Menge Arbeit investiert um Leute für eine Zusammenarbeit zu gewinnen, solche, die uns im Business helfen können. Wir stehen in Kontakt mit Leuten aus der Musikszene. Jetzt hoffen wir einfach auf positive Resonanz und darauf, bald ein Album mit professioneller Unterstützung veröffentlichen zu können. Ich glaube, dass die Musikindustrie bereits gemerkt hat, dass so viele Leute unsere Songs mögen. Ich denke, unsere Zukunft sieht recht vielversprechend aus, aber letzten Endes braucht man auch etwas Glück. Doch solange wir unsere Musik mit Herzblut erschaffen, wird sich das hoffentlich langfristig auszahlen. Dieser Tage bieten sich so viele Gelegenheiten.

Vielen Dank für das Interview und viel Glück und Erfolg für all Eure Pläne.

Free Spirit Southpark Tampere 2015

Info:
http://freespiritrock.com/
https://www.facebook.com/freespiritrock?fref=ts
https://www.youtube.com/user/fssta

Tagged with →  
Share →

Schreibe einen Kommentar