Tampere. Wir schreiben Anfang Juni 2015, die Festival-Saison in Finnland hat bereits begonnen. Gestern konnten die Fans ein sehr gelungenes Konzert auf der Hauptbühne des Southpark Festivals erleben.

Masterplan, Southpark Festival Tampere 2015

Glücklicherweise findet Sänger Rick Altzi die Zeit für ein Interview. Rick ist einer der meistbeschäftigten Sänger in der Hard Rock und Heavy Metal Szene. Neben seinen Bands Masterplan und At Vance arbeitet Rick Altzi für zahlreiche weitere Bands und Projekte, um nur einige zu nennen: Thunderstone, Sandalinas, Herman Frank, Magnus Karlsson’s Free Fall, Wolfpakk, Epysode.

Rick, es ist schön, Dich mal wieder zu treffen. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst. Wie geht’s Dir?

Rick: Ach, mir geht es gut, danke. Nur ein wenig Kopfweh von gestern.

Tolle Show gestern. “Novum Initium” – ein Neuanfang für Masterplan. Nach der zweiten Trennung von Jorn Lande wurdest Du Ende 2012 Lead-Sänger der Band, doch nicht der einzige Besetzungswechsel. Wie ist das neue Line-Up zusammen gekommen?

Rick: So genau weiß ich das gar nicht. Als mich Roland Grapow 2012 kontaktierte und bat, die Vocals zu übernehmen, stand das Line-Up bereits fest. Jari am Bass und Martin an den Drums waren zu der Zeit schon gesetzt. Ich denke, Roland hatte die Idee, mich anzurufen, weil Masterplan und meine andere Band At Vance beim gleichen Plattenlabel unter Vertrag sind.

Masterplan – das ist Heavy Rock, dargeboten von einem recht internationalen Line-Up. Wie arbeitet es sich mit Roland Grapow und den anderen Jungs, die aus mehr oder weniger ganz Europa zusammen gewürfelt wurden.

Rick: Ja das ist wirklich super. Wir haben eine gute Chemie in der Band. Pro Jahr spielen wir zirka fünfzig bis sechzig Shows, was schon eine Menge ist. Es gibt nichts zu beklagen. Wir sind fünf Leute aus vier verschiedenen Ländern, doch es ist wirklich ok so.

Merkst Du kulturelle Unterschiede?

Rick: Nein. Also, Roland und Axel kommen aus Deutschland, Jari aus Finnland, Martin aus der Tschechischen Republik und ich bin Schwede, doch ist das alles innerhalb Europas. Und wenn wir gutes Bier trinken wollen, gehen wir zu Martin.

Wie lief das Songwriting für das erste Album mit den neuen Jungs?

Rick: Es war recht hektisch. Als sie mich anriefen, blieben uns nur zwei Monate für all die Arbeiten, heißt wir mussten das Album sehr schnell fertigstellen. Ich wurde gefragt, die Lyrics zu schreiben, also schrieb ich sie und wir gingen in Roland’s Studio, um alles aufzunehmen. Das war in der Tat sehr stressig. Diesmal fühlt es sich besser an, da wir bereits jetzt an Songs fürs nächste Album arbeiten. In drei Wochen werden wir in Spanien sein, um an Songs zu arbeiten. Wir werden dort ein Konzert spielen und dann noch eine Woche dranhängen, nur fürs Songwriting. Ich denke, es wird diesmal besser laufen als beim letzten Mal, vor allem weniger stressig. Alles musste in so kurzer Zeit fertigwerden … aber diesmal nehmen wir uns die Zeit, die wir brauchen. Wir planen, das Album bis Anfang nächsten Jahres fertig zu haben.

Spürst Du Einflüsse aufgrund von Jari’s Stratovarius-Ära oder Martin’s Zeit bei seiner letzten Band Cradle Of Filth?

Rick: Natürlich beeinflusst uns ihre Vergangenheit. Wenn sie Sachen für das Album einspielen, dann haben sie ihren ganz eigenen Sound. Jari schreibt auch die komplette Bass-Linie für das Album und Martin, unser Drummer, schreibt Songs für die Band. Für das letzte Album hat er einen Song geschrieben, für das neue sind es schon zwei Titel. Es gibt in der Tat einige Einflüsse. Die Jungs bringen einfach ihren eigenen Stil mit. Es ist wirklich toll, bei Masterplan auf diesen Mix zugreifen zu können.

Macht insbesondere Martin’s Stil den Sound von Masterplan härter?

Rick: Nun, das ist etwas schwer zu sagen. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Natürlich beeinflusst die Zeit bei Cradle Of Filth seinen Stil und er bringt auch eine etwas neue Richtung in die Band. Du kannst Dich nicht immer an den alten Dingen festbeißen, wenn Du neue Leute in der Band hast. Die Jungs steuern ihre Ideen bei, sagen lass uns dies probieren oder macht das mal so … und das finde ich sehr gut. Ich hoffe, dass dieser frische Wind den Sound einfach noch besser macht.

Masterplan, Southpark Festival Tampere 2015

Masterplan, Southpark Festival Tampere 2015

Euer Konzert gestern hier beim Southpark Festival hat mir richtig gut gefallen. Doch ihr habt jede Menge alte Songs gespielt, insbesondere aus den ersten beiden Alben “Masterplan” und “Aeronautics”, die ja ursprünglich Jorn Lande gesungen hat. Wie ist es für dich, diese Songs wie zum Beispiel „Crimson Rider“ oder „Kind Hearted Light“ zu singen?

Rick: Ich singe diese alten Songs gern so nah wie möglich an der Originalversion. Wenn ich als Zuschauer zu dem Konzert gehen würde, dann würde ich die Songs auch gern möglichst vergleichbar mit dem Original hören wollen. Und das versuche ich so gut wie möglich zu erreichen. Und natürlich müssen wir all diese alten Songs einfach spielen, insbesondere wenn wir nur Zeit für eine eher kurze Set-Liste haben, so wie gestern etwa, wo wir eine Stunde hatten. Das heißt dann, dass wir fast ausschließlich alte Songs spielen. Wenn wir weniger als anderthalb Stunden Zeit haben, ist es ein großes Problem, gewisse alte Songs einfach zu streichen. Es gibt so viele gute Songs, speziell von den ersten drei Scheiben. Es ist wirklich schwer, diese Titel nicht auf der Set-Liste zu haben. Gestern beispielsweise haben wir keinen einzigen Titel vom vierten Album „Time To Be King“ gespielt, weil wir einfach denken, dass die besseren Songs von den älteren CDs stammen und so haben wir die auf der Set-Liste gelassen. Und auch vom neuen Album „Novum Initium“ haben wir nur einen Song gespielt, unsere Single „Keep Your Dream Alive“.

Im Herbst wirst Du mit Masterplan auf Tour gehen und man kann die Band mittlerweile ja schon als “Supergroup” bezeichnen. Für die deutschen Konzerte werdet Ihr Support für Beyond The Black sein. Masterplan, das heißt bekannte und gestandene Musiker. Ihr als Support für einen Newcomer?

Rick: Das Ganze ist getrieben von unserem Keyboarder Axel, der auch in Hamburg lebt. Er arbeitet mit vielen Leuten im Musik-Business. Ihr Management kontaktierte uns und fragte an, ob wir als Support für Beyond The Black spielen würden. Das wurde zirka vor einem Monat dann entschieden. Letztendlich ist das Ganze getrieben von unseren Kontakten im Musikgeschäft. Die haben diese Support-Tour eingefädelt. Ich habe ein paar Songs von denen gehört und mir gefallen sie sehr gut. Ich hoffe, dass viele Leute zu den Konzerten kommen, was uns ja schließlich auch hilft.

Sie wurden wirklich sehr schnell bekannt in Deutschland, hatten einige Werbesports im Fernsehen und liefen oft im Radio. Und ich gehe davon aus, dass auch die intensive Arbeit von Sasha Paeth ihren Teil geleistet hat …

Rick: Ja, sie haben sehr intensive Promotion in Deutschland erfahren.

Anderes Thema. Du singst schon länger für eine weitere Band: At Vance. Die Band hatte mit einigen Line-Up-Wechseln zu kämpfen. Doch Du hast schon auf drei Studioalben gesungen. Erzähl uns doch bitte ein paar Worte über Deine Zeit bei At Vance.

Rick: Mit At Vance hatte ich immer eine tolle Zeit. At Vance war die erste Band, für die ich gesungen habe. Vor meiner Zeit bei At Vance war ich in ein paar Bands als Bassist aktiv. 2006 kam ich in die Band und 2007 wurde „VII“ veröffentlicht, das erste Album, in dem ich als Sänger mitgewirkt habe. At Vance liegt mir nach wie vor sehr am Herzen, wie auch Konzerte mit den Jungs. Aber es hängt primär an Olaf, dem Gitarristen von At Vance, wie viele Shows wir spielen. Er mag Live-Konzerte nicht so wahnsinnig gern, so dass wir vielleicht fünf oder sechs Gigs im Jahr haben. Dieses Jahr waren wir beispielsweise in Mexiko und es sind noch ein paar weitere Gigs geplant, allerdings nicht viele. Es liegt an ihm. Wenn er mehr Konzerte will, dann machen wir mehr Konzerte. Olaf schreibt sehr gern Songs und arbeitet an vielen anderen Dingen, so zum Beispiel an seinem Solo-Projekt. Von mir aus könnten wir auch gern zwanzig Gigs spielen. Die Zeit wird zeigen, was passiert. Jetzt im Moment stehen ein paar Konzerte auf der Agenda.

“Facing Your Enemy” – das bis dato letzte Album, das At Vance veröffentlicht hat. Was steckt hinter dem Titelsong?

Rick: Bei “Facing Your Enemy” geht es darum, sich selbst wahrzunehmen. Jeder hat seine eigenen Gedanken im Kopf, so auch die, mit denen man sich nicht gern konfrontiert. Der Song handelt davon, sich seinen negativen Gedanken und Ängsten zu stellen und diese zu kontrollieren. Es ist besser, sich mit seinen Ängsten zu konfrontieren und somit Herr darüber zu sein zu können. “Facing Your Enemy” handelt von dem Versuch, seine Ängste und negative Gefühle zu kontrollieren und nicht Sklave ihrer zu werden. Das waren unsere Gedanken, als wir den Song schrieben. Aber natürlich kann jeder den Song so interpretieren, wie er möchte. Als ich den Song schrieb, hatte ich die Idee, den eigenen Geist zu kontrollieren und nicht zu viel über andere Leute nachzudenken, sondern einfach mal über sich selbst.

Zirka drei Jahre gingen nunmehr ins Land, seit “Facing Your Enemy” auf den Markt kam. Was gibt es Neues bei At Vance seither?

Rick: Wir schreiben an neuen Songs für At Vance, allerdings geht es wirklich langsam voran. Wie schon gesagt arbeitet Olaf Lenk an einigen Solo-Sachen, er singt und spielt Gitarre dazu. Und damit ist er aktuell nicht so stark auf At Vance fokussiert. Wir alle wollen neue Songs schreiben und neue Alben herausbringen. Ich hoffe ganz einfach, dass wir dies auch schaffen. Heute kann ich aber nicht viel dazu sagen. Jetzt im Moment liegt es auf Eis. Es ist final Olaf’s Entscheidung. Wenn er meint, dass wir wieder an neuen Songs arbeiten sollen, dann machen wir das. Wir warten darauf, dass er ein neues Album anstößt. Es gibt schon einige Ideen für neue Songs, die Olaf mir auch geschickt hat. Wir müssen einfach die Sachen zusammenbringen und ins Studio gehen für ein neues Album. Bis dahin wird aber wohl noch ein Jahr vergehen.

Um noch ein wenig mehr ausgelastet zu sein, singst Du neben Deinen Bands noch in zahlreichen Projekten, wie Epysode, Emires Of Eden oder Wolfpakk. Wie bist Du mit den Leuten in Kontakt gekommen?

Rick: Jedes Jahr fragen mich eine Menge Leute, um auf ihren Alben zu singen. Normalerweise versuche ich, das Ganze auf Sparflamme zu betreiben, oder sagen wir auf vier bis fünf Projekte pro Jahr zu begrenzen, neben meinen Bands Masterplan und At Vance. Aber Ende letzen Jahres und Anfang dieses Jahres habe ich schon auf sechs Alben mitgewirkt. All diese Songs waren einfach so gut und ich mag diese Songs so gern, dass ich nicht ablehnen konnte. Im Normalfall bekomme ich zirka fünfzig Anfragen, Vocals beizusteuern, so dass ich viele ablehnen muss. Ich versuche, diejenigen herauszupicken, an denen ich wirklich Spaß habe, weil die Songs sehr gut sind und die Qualität stimmt. In diesem Jahr habe ich erneut mit Magnus Karlsson gearbeitet, für sein neues Album „Free Fall II“. Und wie Du schon sagtest, singe ich auch einen Song auf dem neuen Wolfpakk Album. Und auch das Projekt „Boguslaw Balcerak’s Crylord” konnte ich nicht ablehnen. Das Problem ist einfach, dass so viele Leute Songs schreiben und mich bitten, einen Song für ihr Album zu singen und all diese Nebenprojekte fressen einen Haufen Zeit. Kurzgesagt ich muss mich auf ein paar wenige Projekte außerhalb meiner Bands fokussieren und die müssen sich richtig für mich anfühlen. Ich könnte locker zwanzig machen, aber das schaffe ich zeitlich nicht. Vier bis fünf sind ok.

Du hast Magnus Karlsson’s zweite Veröffentlichung von “Free Fall” angesprochen. Es scheint ja fast, dass sich daraus so etwas wie eine Band entwickelt. Gibt es vielleicht sogar Pläne, irgendwann live aufzutreten?

Rick: Bisher habe ich noch nicht mit ihm darüber gesprochen, aber soweit ich weiß, nein. Ich denke nicht, dass aktuell Konzerte geplant sind. Aber wer weiß, wir werden sehen. Es wäre prinzipiell schon möglich. Um eine Band zusammenzustellen, braucht man nur wenige Leute. Aber in der Tat sind die Sänger das größte Problem. Wir sind immerhin zehn Sänger auf dem neuen Album und die alle unter einen Hut zu bekommen, wird schwer werden.

… eine Möglichkeit wäre vielleicht, es so zu machen wie bei Avantasia: Man hat ein paar der Sänger für die Live-Shows dabei?

Rick: Natürlich wäre es sehr hart, alle im Boot zu haben. Aber vielleicht klappt es eines Tages. Ich muss nächstes Mal mit Magnus reden.

Du hast schon einige Musiker und Leute aus dem Business angesprochen, die Dich als Sänger für ihre Bands oder Projekte gewinnen wollten. Gibt es Leute, mit denen Du Dir eine Kooperation wünschst oder gibt es vielleicht sogar schon Pläne in dieser Richtung?

Rick: Ehrlich gesagt denke ich nicht so viel darüber nach. Zur Zeit konzentriere ich mich auf das neue Masterplan-Album. Wenn ich Anfragen für Songs oder Alben bekomme, die mir gefallen, die ich mag, dann werde ich mit den Leuten arbeiten. Aber es ist derzeit nichts geplant. Es ist mir wichtig, dass es sich richtig anfühlt, andernfalls lehne ich ab.

Möchtest Du noch irgend etwas ergänzen?

Rick: Danke, nein. Es war schön, Dich wieder zu treffen und danke für unser Gespräch. Ich hoffe, wir sehen uns auf der Tour. Wir haben dieses Jahr noch recht viele Masterplan-Konzerte anstehen, beispielsweise durch Südamerika und wie schon gesagt, im November in Deutschland.

Ich hoffe auch, es klappt bald wieder. Vielen Dank Dir.

Masterplan, Southpark Festival Tampere 2015

Info:

Masterplan:
http://www.masterplan-theband.com/
https://www.facebook.com/pages/MasterPlan/23206109822?fref=ts

At Vance:
http://www.at-vance.com/

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One Response to Rick Altzi – Interview

  1. […] etwas Anderes und so vertreibe ich mir die Stunde mit einem Interview mit Rick Altzi (siehe Dialoge). Pünktlich zu Eclipse sind wir fertig und widmen uns den Schweden aus der ersten Reihe. Das […]

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