Bereits 1 ½ Jahre nach ihrem Sensationsdebüt, legen die Schweden Rexoria nach und veröffentlichen mit „Ice Breaker“ ihr neues Album, das nun sicher auch beim letzten Melodic-/Power-Metal-Fan, das „Eis brechen“ dürfte.

Der eine oder andere von euch mag sich erinnern, wie begeistert ich von „Queen Of Light“, dem letztjährigen Debüt, gewesen bin. Nicht nur eine top Bewertung, nein, auch Platz 1 im Jahrescheck, haben Rexoria dafür, von mir erhalten. Umso mehr war ich schon seit ein paar Monaten gespannt, wie die Schweden nun an den Nachfolger heran gehen würden und was mich für ein tolles neues Werk erwarten würde. Also, eines ist sicher, spätestens jetzt, nach dem zwanzigsten Genuss von „Ice Breaker“ würde ich sagen, Rexoria sind die amtliche, schwedische Antwort auf Battle Beast. So einfach mache ich es mir aber natürlich nicht, denn das neue Werk, der aus Jönköping stammenden Newcomer, hat weit mehr zu bieten, als den einfachen Vergleich zu den finnischen Mega-Sellern.

Bei „Queen Of Light“ haben Gesangsgöttin Frida Ohlin und ihre Jungs, ein klares Statement in Richtung Melodic-Metal abgegeben, bei dem auch viele Einflüsse aus dem 80er Hardrock und sogar dem AOR deutlich erkennbar waren. Auf „Ice Breaker“ haben die, in unveränderter Besetzung agierenden Rexoria, mindestens 2 Gänge hochgeschaltet und ein sehr melodisches aber dennoch fast reinrassiges Power-Metal-Album komponiert. Mit Einflüssen aus dem typischen 80er-Metal á la Judas Priest oder Accept wird jongliert aber auch eine gewisse Vorliebe für die Musik ihrer Landsleute von Hammer Fall, kommt immer wieder mal durch. Dazu gelingt es ihnen aber hervorragend, wie auch schon auf den beiden EP’s und dem 2018er-Debüt-Album, einen sehr authentischen und erfrischenden Stil zu kreieren, der einen extrem hohen Wiedererkennungswert aufweist, mit dem man sich von der breiten Masse gut abhebt. Die kreativen Köpfe bei Rexoria sind Sängerin Frida Ohlin und Gitarrist/Bassist Jonas Gustavsson. Dennoch ist das Album eine Gemeinschaftsproduktion der gesamten Band, an der auch der zweite Gitarrist Cristofer Svensson und Schlagzeuger Martin Gustavsson ihren kompositorischen Anteil haben. Musikalische Gäste haben auch mit gewirkt. U.a. Jan Ekberg (Air Raid), der auf dem Album den Bass eingespielt hat und Niklas Isfeldt (Dream Evil) mit einem Gesangsbeitrag. Hervorheben möchte ich auch gerne noch das sehr coole Coverartwork, das von dem Künstler Jobert Mello gezeichnet wurde. Sehr ansprechend.

Dann widmen wir uns mal der Musik im Einzelnen und schauen uns an, was für großartige 12 Songs, es aufs „Ice Breaker“-Album geschafft haben.

„Velvet Heroes“ macht den Anfang und es wird von der ersten Sekunde an klar, dass Rexoria auf Album Nummer 2, eine ordentliche Portion mehr Geschwindigkeit unterbringen wollten. Ein toller Power-Metal-Track zum Einstieg. „Fight The Demons“ schlägt da in die gleiche Kerbe und Frida besingt nicht nur die inneren Dämonen, sondern vertont sie auch in Perfektion. Ganz starker Song, im Stile früher Battle Beast. „Endless Nights“ kommt als Halbballade daher und liefert bereits früh, den emotionalen Höhepunkt von „Ice Breaker“, der hat es aber auch in sich. Ein ganz starkes Lied, mit fantastischer Gesangsleistung von Multitalent Frida Ohlin, die auf dem neuen Werk nochmal ein ganzes Stück an Ausdruck und stimmlicher Variabilität zugelegt hat. „In The Wild“ ist dann wieder ein sehr flotter Power-Song der mit wuchtigen Drums von Martin Gustavsson richtig Tempo aufnimmt und mit Schlachtruf-Refrain ein prädestinierter Live-Track ist. Das folgende „Reach For The Heavens In Time“ wurde schon vor einigen Wochen mit einem sehr feinen Video veröffentlicht und hat mir die Wartezeit verkürzt aber auch die Erwartungen hochgeschraubt. Denn das Stück ist eines der stärksten, in der Bandhistorie, mit einem ohrwurmartigen Refrain, den man nur schwer wieder los wird. Aber das muss man nicht, denn der Song besticht durch so viele tolle Ideen, fantastische Melodien, coole Breaks und natürlich einer Frida Ohlin in Höchstform. Ein echter Hammer im typischen Rexoria-Gewand! „Ice Breaker“ behandelt inhaltlich den Klimawandel, inklusive möglicher Katastrophen-Szenarien, und das mit maximaler, musikalischer Ausdruckskraft. Dazu Einleitung und Zwischenpart, in Form von gesprochenen Nachrichten-Schlagzeilen (von Thomas Feltner und Rob Kukla). Sehr stark komponiert, arrangiert und lyrisch nachhaltig hinterlegt. Ein großartiger aber auch nachdenklich stimmender Titel-Track. Friedlich und versöhnlich, wie die Erlösung nachdem Weltuntergang, wenn alles vorbei ist, klingt die rein instrumentale Ballade „Wind And Rain“. Am Piano gespielt von Drummer Martin Gustavsson. Sehr berührend. Dann folgt mein persönlicher Favorit des Albums, „The Rise Of The Phoenix“. Jonas Gustavsson und Cristofer Svensson, hier erneut mit phänomenaler Arbeit an den Gitarren, feiner Melodie-Führung, hammermäßige Tempo-Steigerung im Refrain und Frida mit all ihrer stimmlichen Bandbreite. Könnte der bisher größte Hit der jungen Bandgeschichte werden, übrigens mit leicht sinfonisch anmutendem Songaufbau. „Brothers Of Asgaard“ ist eine typisch skandinavische Helden-Hymne. Perfekt zum Mitsingen und –bangen. Macht absolut gute Laune. „The Raging Thunder“ liefert bestes Kino für Freunde guter Riffs und ausdruckstarker Vocals. Flott aber dennoch in etwas getragenem Stil. „Roaring“ ist die zweite Video-Veröffentlichung von „Ice Breaker“. Ein großartiger Power-Metal-Song, sehr flott, mit starken Gitarren-Soli und klasse Schlagzeug-Power. Damit muss man sich hinter keiner Genre-Größe verstecken. Zum Abschluss gibt es noch einen Leckerbissen. „Var Verklighet“ ist ein stimmungsvolles Lied im mittleren Tempo, vorgetragen in Landessprache, mit Gastsänger Niklas Isfeldt (Dream Evil). Auch wenn ich nun dem Schwedisch leider nicht mächtig bin, finde ich, dass es sich sehr gut für Metal-Hymnen eignet. Klingt unheimlich harmonisch und ausdrucksstark. Wenn das Ganze dann noch in einer so perfekten, musikalischen Hülle verpackt ist, kann man nur den Hut ziehen.

Tja, was soll ich sagen. Rexoria haben es erneut geschafft, ein echtes Hammer-Album zu komponieren, mit 12x Dynamit! Auch in 2019 winkt ein Platz, ganz weit vorne in der Jahreswertung, für die sympathischen Schweden. „Ice Breaker“ weist zwar zum Vorgänger eine deutliche, musikalische Kurskorrektur auf aber Frida Ohlin und ihre Jungs sind sich und ihren Stärken treu geblieben. Man darf sich berechtigte Hoffnung machen, mit dem neuen Werk weiter an Bekanntheit zu gewinnen und mit einer umfangreichen Live-Präsenz, den endgültigen Durchbruch zu schaffen. Das Talent, die Qualität und Charisma, ist auf jeden Fall in hohem Maße vorhanden.

Herzlichen Glückwunsch zu einem neuerlichen Meisterwerk!

Band

Frida Ohlin (Gesang, Keyboard)
Jonas Gustavsson (Gitarre, Bass)
Cristofer Svensson (Gitarre)
Martin Gustavsson (Schlagzeug, Piano)

 

Titel

  1. Velvet Heroes
  2. Fight The Demons
  3. Endless Nights
  4. In The Wind
  5. Reach For The Heavens In Time
  6. Ice Breaker
  7. Wind And Rain
  8. The Rise Of The Phoenix
  9. Brothers Of Asgaard
  10. The Raging Thunder
  11. Roaring
  12. Var Verklighet
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