Brother Firetribe Vantaa 2015

Mitte Februar 2015. Wir sind in Vantaa / Finnland. Ich sitze zusammen mit Pekka Ansio Heino, Lead Sänder von Brother Firetribe und Leverage.

Später am Abend spielen Brother Firetribe ein Konzert ihrer Fabulous February Tour im Club Tulisuudelma.

Hyvää iltaa Pekka

Pekka: Hyvää iltaa, hyvää iltaa.

Onpa mukava nähdä sinua jälleen. Tänään on perjantai kolmastoista. Kuinka voit?

Pekka: Kiitos hyvin. Mir geht’s gut, alles bestens.

(… viel Spaß beim Übersetzen)

Schön Dich wieder live erleben zu dürfen mit Deiner Band Brother Firetribe. Ihr seid gerade auf Headliner-Tour durch Eure Heimat. Wie ist es, endlich einmal wieder die eigenen Songs zu spielen?

Pekka: Das ist wirklich das Beste. Auf Tour sein, gemeinsam mit diesen Jungs ist immer wie ein Traum für mich. Du weißt, dass ich hauptberuflich als Sänger arbeite. Ich bin jedes Wochenende auf der Bühne und singe die Songs anderer Bands und Musiker. Es ist ein ganz besonderes Vergnügen, mit unseren eigenen Songs rauszugehen und zu sehen, dass die Leute Spaß daran haben. So weit, so gut, es ist toll, dass so viele Fans zu unseren Gigs kommen. Ich wünschte, der Februar würde ewig dauern.

Vor ein paar Monaten hattet Ihr ein Konzert beim Firefest. Leider war es das letzte Firefest. Es war Euer erstes Konzert in England überhaupt.

Pekka: Bezogen auf die Stimmung und wie die Fans auf unsere Show reagierten, war es eines der besten Konzerte überhaupt in meinem Leben. Knapp 2000 Menschen waren dort. Wir hatten keine Ahnung, was wir zu erwarten haben und waren echt nervös vor der Show. Die Organisatoren vom Firefest hatten uns angesprochen, seit unser erstes Album auf den Markt kam. Das war im Jahr 2006. Leider mussten wir aufgrund unserer Terminprobleme jedes Mal absagen. Als es nun endlich klappte, waren wir alle aufgeregt. Was in dieser Nacht passierte, als wir die Bühne betraten, all diese Menschen zu sehen, die gemeinsam mit uns unsere Songs sangen und uns anfeuerten, das war etwas ganz Besonderes. Diese Nacht war so wie meine fünfzehn Minuten Rock-Star-Sein. *lacht* So kann ich es am besten beschreiben. Es war einfach gut.

Für Dich persönlich war es aber nicht das erste Mal auf der Bühne des Firefests. Ich denke da an ein paar Songs mit H.e.a.t …

Pekka: Ja stimmt. Das war ein Spaß. Ich meine, es war 2008 oder 2009. Ich war dort, gemeinsam mit ein paar Freunden, um die Bands dort zu genießen. Durch Zufall bin ich mit den Jungs von H.e.a.t zusammengerempelt. Sie waren in der Situation, dass ihr ursprünglicher Sänger (Kenny Leckremo) wegen einem Herzinfarkt oder so aussteigen musste, gerade zwei Tage vor der Abreise von Schweden nach Nottingham. Kurzfristig hat Erik von Eclipse zugesagt, ein paar von den H.e.a.t Songs zusammen mit ihnen zu spielen. Aber die Setlist war immer noch sehr kurz. Also riefen sie mich nachts um zwei Uhr an. Ich war recht angetrunken als sich die Jungs zu mir schlichen und fragten, ob ich der Sänger von Brother Firetribe sei. Ja das bin ich, sagte ich. Sie fragten mich, ob ich einspringen würde. Und ich dachte, wow cool und fragte sie, wann der Gig sei. Nun, in zwölf Stunden. Ich dachte mir, oh Mist, stellte mein Bier weg und wir gingen zusammen ins Hotel. Sie wollten eigentlich ein paar Ihrer eigenen Songs mit mir spielen. Nur waren das Songs, die ich zuvor nie gehört hatte. Sie haben dann versucht, mir ihre Songs auf dem Handy vorzuspielen. Ich dachte mir nur, das wird klasse, ja das wird klappen. *lacht* Schließlich haben wir die Idee verworfen und uns darauf geeinigt, ein paar Cover-Songs zu spielen. Ich hatte zwar einen Kater, aber es lief echt gut.

Brother Firetribe Vantaa 2015

2009 warst Du mit Brother Firetribe gemeinsam mit Pain auf Tour durch Deutschland. Wenn ich mich richtig erinnere, waren das Eure einzigen Gigs in Deutschland bis jetzt.

Pekka: Nun, wir hatten eine Tour quer durch Europa und haben in diesem Monat in einigen Ländern gespielt. Insgesamt dauerte die Tour zirka dreißig Tage. Es war eine großartige Erfahrung. Pain ist eine tolle Band, auch wenn sie natürlich einen ganz anderen Musikstil haben als wir. Die Jungs waren super und wir hatten eine gute Zeit auf der Tour. Es war eine unserer besten Touren überhaupt.

Ein recht interessantes Paket für die Fans …

Pekka: Das war es, ja. Du kannst Dir vorstellen, dass es immer ein bis zwei Songs gedauert hatte, bis wir die Fans packen konnten. Am Anfang starrten sie uns an und dachten wahrscheinlich, wer zur Hölle ist diese Band und was machen die hier? Aber am Ende lief es immer gut.

Wenn Du Dir eine Band für eine Tour wünschen könntest, welche wäre das zum Beispiel?

Pekka: Eigentlich ist das ziemlich egal. Natürlich bevorzuge ich eine Band, die viele Fans zieht. Aber ich würde mit jedem spielen.

Du meinst, Dir ist es wichtiger, dass die Jungs gut drauf sind und die Atmosphäre stimmt?

Pekka: Ja genau.

Lass uns ein wenig in die Vergangenheit blicken. 2009 wurde Euer zweites Album „Heart Full Of Fire“ veröffentlicht. Das war für mich der Moment, als ich auf Brother Firetribe aufmerksam wurde. Ich erinnere mich gern an den Opener „Who Will You Run To Now?“ Der klingt ja doch etwas anders als der Rest des Albums. Kannst Du ein paar Worte zu dem Song sagen?

Pekka: Ehrlich gesagt fällt es mir gerade recht schwer, mich an den Song zu erinnern. Es ist einige Zeit her, dass ich mich intensiv mit dem Titel beschäftigt habe. Als wir die Live-DVD aufgenommen haben und die Tour beendeten, müsste das letzte Mal gewesen sein, als wir den Song gespielt haben.

Du sprichst die DVD an. Sie wurde im Apollo in Helsinki, also recht nahe von hier aufgenommen. Was ist Dir im Gedächtnis geblieben vom DVD Shooting?

Pekka: Das war so eine Nacht der Nächte. Wir hatten erneut keine Idee, wie viele Leute kommen würden. Und aus verschiedenen Gründen waren wir ziemlich nervös. Es ist ja klar, dass es nicht gerade die beste Idee ist, eine DVD aufzunehmen, wenn keine Leute im Publikum sind.

Wie habt Ihr das DVD Shooting für diese Location geplant?

Pekka: Nun wir hatten das Kamerateam und das ganze Equipment dort. Und wir haben die Leute darauf hingewiesen, dass sie auf der DVD zu sehen sein werden. Also kommt alle zum Brother Firetribe Gig – wir nehmen eine DVD auf. Die Halle war gut gefüllt, wie du auf der DVD siehst. Es war eine großartige Nacht.

Anette Olzon war auch dabei …

Pekka: Ja. Sie ist extra für das Konzert aus Stockholm eingeflogen. Das war klasse von ihr.

Vor nicht allzu langer Zeit, im Frühjahr letzten Jahres kam Euer neues Album “Diamond In The Firepit” auf den Markt. Man gibt einen Diamanten in diese spezielle Feuergrube, um ihn strahlender zu machen. Was ist der Hintergrund des Albumtitels? Geht es genau darum?

Pekka: Ja, so ist es. Wir hatten das Album weitgehend fertig und es war an der Zeit, über den Titel nachzudenken. Ein guter Freund und ich, wir saßen in meiner Küche und warfen mit Ideen um uns. Die meisten davon waren Müll, aber wir hatten jede Menge Spaß. Dann plötzlich kam ihm genau dieser Albumtitel in den Sinn. Er fragte, was ich von “Diamond In The Firepit” hielt? Ich dachte, langsam, warte mal … das ist eine coole Idee. Was verbirgt sich dahinter? Er fing an, es mir zu erklären. Er hat etwas über den Prozess gelesen, laut dem man Diamanten in einen Feuertiegel gibt, damit sie mehr leuchten. Und wenn der Diamant fertig ist, leuchtet er wie die Sonne. Er hat mit der Idee genau ins Schwarze getroffen. Wir waren so lange aus dem Rampenlicht verschwunden und hatten all diese tollen Songs. Die Songs waren sehr lange im Feuer.

… heißt also, es gibt einen starken Bezug zu Eurer Musik. Die Songs erstrahlen heller und heller.

Pekka: Genau. Dazu beinhaltet der Titel die Wörter Diamant und Feuer. Das ist immer eine gute Sache.

Der Titel passt also perfekt zu Eurer Musik. Ein Song auf dem Album ist „Tired Of Dreaming.“ Wenn ich richtig liege, hast Du den Song zusammen mit Tomppa Nikulainen geschrieben. 2011 wurde er von The Magnificent veröffentlicht, bei denen auch Bandmitglieder von Leverage dabei waren.

Pekka: The Magnificent war ein Projekt. Du kennst sicher Frontiers Recrods. Die rufen liebend gern alle möglichen Projekte ins Leben. Serafino sucht ein paar Musiker aus und die Jungs nehmen gemeinsam ein Album auf. Das ist es dann. Dieses Mal hatte er Torsti Spoof und Michael Eriksen (Circus Maximus) für ein gemeinsames Projekt auserkoren. Gleichzeitig hat Serafino uns, also Tomppa und mich gefragt, einen Song beizusteuern. Also haben wir „Tired Of Dreaming“ speziell für dieses Projekt geschrieben. Wir haben den Titel quasi weggegeben. Wir haben die Sachen, die Torsti machte, immer geliebt. Er ist einfach einer der Besten. Andererseits haben wir unsere Demo-Version sehr gemocht, uns irgendwie in sie verliebt. Wir hatten immer im Hinterkopf, dass wir vielleicht auch irgendwann eine Version von dem Song für uns machen werden. Und so kam es dann auch.

Welches sind Deine persönlichen Highlights vom neuen Album?

Pekka: Mein Lieblingssong ist wohl „Hanging By A Thread.” Er hat diese AOR-typische Stimmung, die ich so mag. Es ist einer der seltenen Momente für uns, in denen wir erfolgreich genau diese Atmosphäre einfangen konnten. Ich liebe das Lied einfach. Ich liebe die Tatsache, dass er diese pulsierende Synthesizer-Basis hat. Wir haben uns viel Zeit genommen, den Sound herauszuarbeiten. Torsti hat hier ganze Arbeit geleistet. Er hat einen vollen Tag nur an dem Song gearbeitet, ihn immer weiter verbessert, bis er schließlich perfekt klang.

Torsti arbeitet in recht unterschiedlichen Musik-Stilen. Ich habe gelesen, dass er derzeit an einem Film-Soundtrack namens „Epic Kingdom Vol. 2“ werkelt. Dazu die Aktivitäten für Leverage …

Pekka: Ja, darin liegt seine Leidenschaft. Soweit ich es verstanden habe, arbeitet er an sogenanntem Katalog-Material, das dann für Filme verwendet wird. Das sind großartige, symphonische Songs.

Brother Firetribe Vantaa 2015

Brother Firetribe Vantaa 2015

Brother Firetribe Vantaa 2015

Ein paar Worte über Deine andere Band Leverage?

Pekka: Ok, na klar.

Mir kommt wieder mein erster Urlaub in Helsinki, 2007 in den Sinn. Ich lief durch einen Plattenladen, gleich neben dem berühmten Tavastia … auf der Suche nach neuer Musik. Dann fiel mir ein dunkelgrünes Cover auf, nur eine Türklinke und ein Schloss abgebildet. „Tides“ – das Album, das mich süchtig gemacht hat wie kein Zweites. Ein paar Worte von Dir dazu?

Pekka: Wow, ich bekomme Gänsehaut. Schau! „Tides“ ist das, was passiert, wenn sich die Sterne neu ausrichten wollen. Ich traf Tuoppi, Tuomas Heikkinen unter recht dubiosen Umständen über einen gemeinsamen Freund von uns. Wir waren gleich beieinander. Er hatte ein paar Songs dabei, die er geschrieben und mit verschiedenen Leuten als Demo eingespielt hatte. Die Songs hat er mir vorgespielt und ich wusste gleich, dass das der Mann ist, der die Art von Musik schreibt, die zu mir passt und die ich sehr zu schätzen weiß. Wir fingen an, weiter an den Songs zu arbeiten. Als dann die anderen Jungs dazu stießen, begannen wir, gemeinsam Musik zu machen und auch live zu spielen. Wir hatten ein paar Gigs mit Coversongs, zirka zwei Stunden mit klassischen Heavy Rock Songs, um als Band zueinander zu finden.

Wer war zu der Zeit mit im Boot? Schon alle Bandmitglieder?

Pekka: Alle von Anfang an, ja. Wir haben dann recht schnell einen Plattenvertrag bekommen, basierend auf diesem kurzen Demo. „Tides“ wurde 2006 aufgenommen. Ich habe dieses Album einfach geliebt. Wir haben nicht so schrecklich viel darüber gegrübelt, während wir das Album geschrieben haben und das ist vielleicht der Grund, warum es so gut klingt. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Tides ein großartiges Album ist, von einer Band, die leider nie die Aufmerksamkeit bekommen hat, die sie verdient hätte.

Absolut.

Pekka: Nun, so spielt das Leben. Aber Gott sei Dank haben wir drei klasse Alben herausbringen können. Wir waren immer stolz auf diese Werke.

2008 habt Ihr „Blind Fire” und 2009 „Circus Colossus” veröffentlicht. Es gibt Japan-Versionen mit wirklich tollen Bonustracks. Warum macht Ihr es den Fans in Europa so schwer, an die zu kommen? Klar, Ihr habt ein großes Publikum dort.

Pekka: Nein, das denke ich nicht.

Nun, immerhin habt Ihr schon live dort gespielt.

Pekka: Ich habe keine Ahnung, warum Japan immer Bonussongs will. Wenn man darüber nachdenkt, werden heutzutage nicht mehr Scheiben verkauft, nur weil Bonussongs darauf sind. Es erhöht die Verkaufszahlen nicht wirklich. Aber so war es schon immer in Japan. Sie wollen einfach die Bonussongs. Übrigens haben wir für die Japan-Version von „Diamond In The Firepit“ ein paar Akustik-Songs aufgenommen. Ich kann mich nur gerade nicht erinnern, welche das waren. Die Aufnahmen gingen so schnell.

Danke für den Tipp. Ich muss wohl mal stöbern.

Pekka: Emppu war bei den Songs nicht dabei. Es ging so schnell und es sagt eine Menge, dass ich stattdessen das Gitarrensolo eingespielt habe.

Dezember letzten Jahres hattest Du ein kurzes Konzert zusammen mit Tuomas Heikkinen im On The Rocks. Und im April 2015 werdet Ihr einen weiteren Akustik-Gig in Jyväskylä im Redneck spielen. Nun, wie ist der Status von Leverage im Moment? Können wir auf eine Reunion hoffen?

Pekka: Wer weiß? Tuoppi hat mich heute geweckt. Er rief mich an und wir haben uns über die guten alten Sachen unterhalten, die wir spielen werden. Ich habe keine Idee, was passieren wird, wie es genau mit Leverage weitergehen wird, ob mit der gesamten Band oder nicht. Torsti ist im Moment nicht im Boot. Er ist einfach zu beschäftigt. Sowas kann die Dinge ändern. Aber ich fände es richtig, richtig cool, wieder Musik mit diesen Jungs zu machen. Irgendwann neue Sachen vor allem. Kürzlich habe ich die Jungs getroffen. Als wir letzte Woche die Brother Firetribe Tour in Jyväskylä eröffnet haben, waren die Jungs auch dabei, abgesehen von Torsti. Es war sehr schön, sie zu sehen. Ich mag diese Jungs und ich liebe die Musik, die wir erschaffen haben. Nun, wer weiß. Warten wir ab, was passieren wird.

Hoffentlich wird es irgendwann neue Songs geben. Möchtest Du noch etwas hinzufügen?

Pekka: Das Einzige, das ich ergänzen möchte ist, dass es echt cool ist, dass Ihr für die Show hier seid. Das ist unglaublich.

Es ist mir eine Freude. Kiitos paljon. Vielen Dank Dir.

Pekka: Kiitos itsellesi. Jederzeit.

Brother Firetribe Vantaa 2015

Info Pekka Ansio Heino:
Facebook: https://www.facebook.com/pekka.a.heino?pnref=story
Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Pekka_Heino_(singer)

Info Brother Firetribe:
Official homepage: http://www.brotherfiretribe.com/
Facebook: https://www.facebook.com/brotherfiretribeofficial?fref=ts
Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Brother_Firetribe

Info Leverage:
Facebook: https://www.facebook.com/pages/Leverage/8241479620?fref=ts

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