Nicht mal ganz ein Jahr nach ihrem sensationellen Debüt, legen die Italiener Moonlight Haze bereits den Nachfolger vor. Das Meisterwerk wurde auf den klangvollen Namen „Lunaris“ getauft und begeistert von der ersten bis zur letzten Minute.

In der Tat, gibt es im Hause Moonlight Haze, ein scheinbar unerschöpfliches Potenzial an Kreativität. Anders ist es kaum zu erklären, dass nach so kurzer Zeit, das nächste Hammer-Album der Norditaliener in den Regalen steht. Die beiden früheren Temperance-Musiker Chiara Tricarico (Gesang) und Giulio Capone (Keys; Drums) haben sich kompositorisch, auf ihrem neuesten Epos, nochmal eine ganze Ecke gesteigert. Die Stücke wirken noch kraftvoller, bombastischer und hitverdächtiger, als die Songs vom Debüt („De Rerum Natura“). Insgesamt würde ich sagen, dass „Lunaris“ ein lupenreines Symphonic-Metal-Album geworden ist, mit deutlich erkennbaren Einflüssen von Bands wie Nightwish oder Within Temptation, aus deren, leider offenbar vergangenen, besten Zeiten. Die filigran und pompös komponierten und arrangierten Stücke, liefern einen sehr hohen Wiedererkennungswert, weil Giulio und Chiara ein noch größeres Augenmerk darauf gelegt haben, die Songs mit sehr eingängigen Gesangslinien, speziell Refrains, zu schreiben. Dies liefert im Besonderen, der hübschen Moonlight Haze-Frontlady, noch mehr Möglichkeiten, sich stimmlich voll zu entfalten. Sein Übriges dazu beitragen, tut freilich die Tatsache, dass sich die, erst vor 2 Jahren gegründete Band, in unveränderter Besetzung agierend, weiter zusammen finden konnte. Marco Falanga und Alberto Melinato, bilden also weiterhin die großartige Gitarrenfraktion, während der Bass, nebst einem Gesangsbeitrag, von Alessandro Jacobi, in gewohnter Stärke, beigesteuert wird. Hier ist wirklich eine ganz fantastische Truppe beieinander, denen in den nächsten Jahren, auch ein großes Publikum zu wünschen und definitiv, auch zuzutrauen ist. Das erneut tolle Artwork des Albums, wurde in die bewährten Hände von Beatrice Demori gelegt, die auch ihren Beitrag bei den Chören leistet. Hierfür ist übrigens, u.a. auch wieder die wundervolle Nicoletta Rosellini (Kalidia; Walk In Darkness), mit an Bord. Auch Album Nr. 2 wurde über Scarlet Records veröffentlicht. Eine der besten Adressen in Italien aber auch für hoch talentierte und ambitionierte Metal-Bands im Allgemeinen, ein tolles Label.

„Till The End“ ist der Opener. Ein stimmungsvoller Song, der bereits jetzt das Zeug zu einer echten Bandhymne hat. Toller Einstieg! „The Rabbit Of The Moon“ kommt deutlich sinfonischer daher und war auch das erste veröffentlichte Video zum neuen Album. Ein getragenes Stück im mittleren Tempo, mit knackigen Gitarren und druckvollem Schlagzeug. Tja, liebe Jungs und Mädel von Nightwish, so muss Symphonic-Metal klingen… . Der Titel-Song „Lunaris“ beginnt mit kurzer, akustischer Einleitung, um sich dann zu einem Melodic-Metal-Hit mit tollem Refrain zu entwickeln. Chiara mit spielerisch leichtem Wechsel zwischen rockiger, normal klarer und klassischer Stimmlage. Spitze! „Under Your Spell“ ist mein persönliches Lieblingslied. Ruhiger, emotionaler Beginn aber dann wird daraus eine Breitwand-Hymne im Stadionformat. Spitzenmäßig intoniert und dazu gibt es noch eine fantastische Gitarrenmelodie. Der Song hätte auch hervorragend auf „The Silent Force“ von Within Temptation seinen Platz finden können. Überragend! „Enigma“ gibt es, zumindest in der Digi-Pack-Version des Albums, gleich zweimal. Hier zunächst mit italienischen Lyrics. Ein sehr abwechslungsreiches Stück, das ein wenig die Einflüsse des früheren Betätigungsfeldes (Temperance) von Giulio und Chiara offenbart. In der zweiten Hälfte, sehr klassisch akzentuiert. Alles in allem ein recht flottes Lied, mit viel Doublebass und knackigen Riffs aber dennoch auch Platz für Piano-Passagen. Dass der Song in der Muttersprache des Quintetts dargeboten wird, macht ihn für mich noch authentischer und v.a. ausdrucksstärker. Ein absolutes Top-Highlight auf „Lunaris“! „Wish Upon A Scar“ ist ein weiterer Seitenhieb nach Finnland, wie man es richtig oder zumindest besser macht. Aber gut, das ist natürlich auch Geschmacksache. Das Stück liefert viele Tempowechsel, flotte Gitarrensoli, opulente orchestrale Arrangements (Giulio Capone in Bestform!), einen Mega-Refrain und natürlich, eine sensationelle Chiara Tricarico am Mikro. „The Dangerous Art Of Overthinking“ beginnt mit tollem Chor und schließt sich dann lückenlos an den Vorgänger an. Giulio Capone mit wuchtigen Drums und tollen Keys. Chiara mit rockiger Stimme zu Beginn und wandlungsfähig wie gewohnt, im Weiteren. Marco Falanga und Alberto Melinato mit knackiger Gitarrenarbeit und Alessandro Jacobi mit wuchtigem Bass. Ein paar gut dosierte Growls liefern dann hier noch das Salz in der Suppe, um auch dieses Stück, zu einem echten Monstertrack zu machen. Hammermäßig! „Without You“ eingangs mit cineastischen Attributen, dann bombastisch und orchestral. Mit teils wieder klassischem Gesang und maximaler Schlagzeug-Power, wird der Song zu einer gewaltigen Highspeed-Hymne. Ein perfekter Live-Track. „Of Birth And Death“ ist die Ballade auf dem Zweitwerk von Moonlight Haze. Mit akustischen Gitarren und leicht folkigem Touch, dazu feine Streicher-Arrangements. Sehr schön und stimmungsvoll. Das folgende „Nameless City“ ist wieder ein toller Symphonic-Metal-Song, bei dem v.a. Chiara Tricarico wieder die volle Bandbreite ihrer unfassbar starken Stimme ausnutzen kann. Insgesamt sehr rhythmisch und teils sogar ein bisschen groovig. In der zweiten Hälfte darf dann Bassist Alessandro Jacobi sein Talent am Mikro unter Beweis stellen und macht damit an Chiara’s Seite, eine sehr gute Figur. Zum Ende dann noch die englische Version, des bereits besprochenen Songs „Enigma“. Im Besonderen beim internationalen Publikum, vielleicht sogar die bevorzugte Variante. Ich für meinen Teil, mag das „Original“ auf Italienisch lieber, was aber natürlich nichts an der musikalischen Qualität des Stückes ändert. Die ist so oder so, unantastbar überragend.

In meiner Review zum Debüt-Album „De Rerum Natura“ hatte ich geschrieben, dass ich gerne mehr von der tollen Musik von Moonlight Haze hätte. Danke, dass ihr mich so schnell erhört habt. Das zweite Meisterwerk „Lunaris“ ist tatsächlich noch mal ein Stückchen größer und gigantischer geworden. Ich sehne mich sehr danach, das Ganze dann auch irgendwann mal live erleben zu dürfen. Hoffen wir das Beste, dass das Corona-Theater, bald ein Ende nimmt.

Also, meinen herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Album. Ich freue mich jetzt schon aufs nächste.

In diesem Sinne: „Let’s get rocked, not infected!“

 

Band 

Chiara Tricarico (Gesang)
Marco Falanga (Gitarre)
Alberto Melinato (Gitarre)
Alessandro Jacobi (Bass,Gesang)
Giulio Capone (Schlagzeug, Keyboard)

 

Titel

  1. Till The End
  2. The Rabbit Of The Moon
  3. Lunaris
  4. Under Your Spell
  5. Enigma
  6. Wish Upon A Scar
  7. The Dangerous Art Of Overthinking
  8. Without You
  9. Of Birth And Death
  10. Nameless City
  11. Enigma (English Version)
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