Es ist mir eine große Ehre und Freude, euch heute einiges über die sensationelle, neue Scheibe der Symphonic Metal Band Moonlight Haze zu erzählen. Nach den herausragenden ersten beiden Werken, hätte ich so eine gewaltige Steigerung, kaum für möglich gehalten. Aber mit „Animus“, ist den Italienern tatsächlich, nochmal ein echter Quantensprung gelungen und sie liefern ein perfektes Album ab! 10/10

Eigentlich ist es kaum zu glauben. Es ist gerade mal 4 Jahre her, als Stimmwunder Chiara Tricarico und Drummer/Keyboarder Giulio Capone die wunderbare Band Moonlight Haze aus der Taufe gehoben haben und nun sprechen wir bereits über das dritte Album! Nur ein Jahr nach der Gründung, hatten die Norditaliener, mit „De Rerum Natura“ in 2019, das erste Meisterstück am Start und wieder nur ein Jahr später, mit „Lunaris“, schon den nächsten Genie-Streich. Wer mich kennt und mein Metal-Webzine regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich diese beiden Alben bereits mit sehr ausführlichen und euphorischen Reviews gefeiert habe. Umso mehr, bin ich nun über die Maßen begeistert, was das neue, epochale Meisterstück „Animus“ so alles zu bieten hat. Dazu aber später mehr. Ein großes Plus bei Moonlight Haze ist die personelle Beständigkeit. So sind von Beginn an, immer die gleichen Musiker am Werk und das fördert natürlich die Harmonie und auch das Gemeinschaftsgefühl. Man ist perfekt auf einander eingestellt und so entsteht ein homogenes, rundum schlüssiges Album. Neben der wunderbaren Sängerin Chiara Tricarico und dem kreativen Keyboarder/Drummer Giulio Capone, glänzen weiterhin Marco Falanga und Alberto Melinato an den Gitarren und Alessandro Jacobi (Elvenking) am Bass, der auch einen Gesangsbeitrag leisten darf. Mix und Master für „Animus“ wurden, wie auch für die ersten beiden Alben, von Simone Mularoni durchgeführt und auch die Gestaltung des wundervollen Cover-Artworks, wurde wieder in die bewährten Hände von Beatrice Demori gelegt. Veröffentlicht wurde die Scheibe, wen wundert es, natürlich erneut, über das italienische Label Scarlet Records. Das Songwriting haben sich, wie üblich, Chiara Tricarico und Giulio Capone geteilt, die im Team ein unfassbar gutes, abwechslungsreiches und spannendes Album erschaffen haben, das mit noch viel mehr Kraft und Ausdrucksstärke überzeugt, wie die ersten beiden Scheiben. Selbstverständlich haben auch Moonlight Haze den Symphonic Metal hier nicht neu erfunden aber die Qualität der Songs und die Darbietung, lassen keinen Zweifel zu, dass diese Band auf dem Weg ganz nach oben sein könnte. Die musikalischen Einflüsse sind natürlich durchaus weiterhin erkennbar. So gibt es hier ein bisschen Nightwish, da eine Portion Temperance oder dort einen Hauch von Sonata Arctica zu entdecken. Sicher nicht die schlechtesten Vorbilder. In erster Linie gibt es aber ganz viel Moonlight Haze zu bestaunen, die über die letzten Jahre ihren Style gefunden haben. So gibt es durchaus auch in der einen oder anderen Vocalline, mal einen rockig, groovigen Ansatz zu erkennen, was den jeweiligen Liedern Ausdruck verleiht und ein gutes Stilmittel ist. Die Orchester-Arrangements wirken sehr harmonisch, niemals überladen oder zu dominant. Sie fördern stets die Dynamik der Stücke und geben den Kompositionen natürlich auch ein tolles Volumen. Ich sprach oben schon von einem „perfekten“ Album. Nun, genau so empfinde ich „Animus“. Es gibt keinerlei Schwächen zu erkennen, alle 11 Stücke treffen punktgenau ins Schwarze und es folgt ein mega Highlight auf das nächste. Super Riffs am Fließband, gewaltige Power vom Schlagzeug und die stimmliche Bandbreite von Chiara Tricarico ist inzwischen so riesig, dass man sie ohne Einschränkungen, zu den besten Stimmen im Metal-Zirkus zählen darf! Egal ob normal klar, rau/rockig, mit klassischem Sopran oder neuerdings sogar mit ein paar Growls. Ihr seht, die sympathische Italienerin hat jede Facette im Repertoire. Auf der jüngsten Serenity – Tour, konnte sie das einmal mehr, auch live, toll unter Beweis stellen, wo sie als Gastsängerin bei Sascha Paeth’s Masters Of Ceremony, deren Frontlady Adrienne Cowan (u.a. Seven Spires, Heart HealerAvantasia live) überragend vertreten hat. Eine großartige Performance, wie ich mit eigenen Augen und Ohren erleben durfte. Das zeigt auch wie anpassungsfähig und vielseitig Chiara ist, mal eben in kurzer Zeit, ein ganzes Set einer anderen Band einzusingen. OK, zurück zu „Animus“. Das neue Moonlight Haze Album wirkt sehr intensiv und emotional, mit tiefgründigen Texten. Genau das transportieren die Stücke auch in Perfektion, zum Zuhörer. Man kann sich sehr gut fallen lassen, die Songs tragen einen schön und der Genuss hört erst mit der aller letzten Note wieder auf, versprochen!

Also, dann legen wir mal los. Mit „The Nothing“ hat man gleich einen absoluten Monster-Hit zum Einstieg. Schöner, dramatisch anmutender Beginn, mit opulenten Chören. Die Instrumentierung wirkt sehr druckvoll, die zunächst sanftere Vocalline steigert sich über eine tolle Bridge, hin zum mega Refrain, der einen gleich mal richtig von den Socken reißt. Es gibt auch erste Ausflüge von Chiara Tricarico in die klassische Stimmlage, als sehr feine Akzentuierung. Ein energiegeladenes Finale rundet dann super ab. Wow! Mit einem spaßigen Video untermalt, kommt „It’s Insane“ daher. Nach etwas verhaltenem Start wird es schwungvoll, mit treibenden Gitarren von Alberto Melinato und Marco Falanga. Der Chorus reißt gut mit und begeistert mit kraftvoller und rockiger Attitüde. Die feinen Arrangements komplettieren den Genuss und geben dem Stück eine tolle Ausstrahlung. Starke Keys und eine großartige Lead-Gitarre leiten „Kintsugi“ ein. Die Power-Drums von Giulio Capone heben den Zuhörer vom Sitz. Der Song begeistert mit seinen stetigen Tempo-Wechseln und einem großartigen Riffing. Chiara Tricarico ist einmal mehr das Sahnehäubchen auf einer herausragenden Komposition, die hier im Mittelteil das Piano-Intermezzo, mit wundervollem, klassischen Sopran begleitet und das Stück zu einem krachenden Finale hinführt. Das ist mal ein echter Gänsehaut-Moment. Der Titel-Track wird von Cello-Klängen eingeleitet, wunderbare Gitarren sorgen im weiteren für einen guten Groove. „Animus“ hat einen sehr starken Aufbau und ist extrem facettenreich. Begleitet von wunderschönen Streicher-Arrangements, ist hier erneut, die Wandlungsfähigkeit von Chiara im Vordergrund. Ihre Stimme wirkt so vielseitig, dass man gelegentlich den Eindruck gewinnt, sie würde hier mit jemandem ein Duett singen, was natürlich nicht der Fall ist. Und als extra oben drauf, packt sie auch noch ihre finstere Seite aus und liefert ein paar echt starke Growls. MEGA! Beim nachfolgenden „The Thief And The Moon“ kann sich Giulio Capone richtig schön austoben. So wohl sein  filigranes Keyboard-Spiel, als auch sein kraftvolles Schlagzeug-Spiel, sind hier dominante Merkmale. Aber auch Marco Falanga und Alberto Melinato zeigen, warum sie die ideale Besetzung für die Gitarren bei Moonlight Haze sind. Der eine oder andere, dezent progressive Part, setzt dann noch mal einen zusätzlichen Höhepunkt. Genial! Mein aktueller Top-Favorit ist „Midnight Haze“. Ein kleiner Hauch fernöstlicher Klangmuster zum, eher ruhigen Start, begleitet vom herausragenden Bass-Spiel von Alessandro Jacobi. Das Stück ist sehr intensiv von der Ausstrahlung her, Chiara Tricarico mit rockig angerauter Stimme. Vor allem beim Monster-Refrain, einmalig und unschlagbar gut! Ein überragendes Gitarren-Solo leitet ein gewaltiges, extrem mitreißendes Finale ein, bei dem alle Energie freigesetzt wird, ehe der letzte Ausklang mit sanften Piano-Klängen versöhnlich stimmt. Überragend!! „Tonight“ ist recht stimmungsvoll, mit schöner Dramaturgie komponiert, tolle Streicher begleiten diese kraftvolle, variantenreiche Nummer. Ein klein wenig progressiv, dazu eine sehr schöne, getragene Gesangsmelodie. „Never Say Never“ könnte man sich auch gut auf dem vorletzten Nightwish-Album „Endless Forms Most Beautiful“ vorstellen. „Never Say Never“ hat wirklich alles, was man von einem hochklassigen Symphonic Metal – Hit erwartet. Bombastische Arrangements, satte instrumentale Power, eine wundervolle, charakteristische, einprägsame Vocalline, gekrönt von einem Ohrwurm-Refrain. Dazu gibt es immer wieder Tempo-Breaks und als ob das nicht schon genug wäre, gibt es einen unfassbar starken Schluss, der sogar mit einer Melodie-Variante des Refrains begeistert. Die Nummer ist echt von einem anderen Stern, liebe Leser! Chiara Tricarico und Giulio Capone haben ja beide eine Vergangenheit bei Temperance. In diesem musikalischen Fahrwasser befindet sich dann auch „We’ll Be Free“. Ebenfalls ein absolutes Top-Highlight des Albums, mit treibenden Gitarren, etwas moderner Ausrichtung und sehr stimmungsvollem Charisma. Von tollen Streichern untermalt und grandiosem Gesang veredelt, ist das ein richtiger Gute-Laune-Rocker geworden. Einen musikalischen Kurzfilm haben Moonlight Haze dazu übrigens auch schon veröffentlicht. „A Ritual Of Fire“ kommt mit gewaltiger Power ums Eck. Üppige Arrangements, rasante Gitarren-/Bass-Läufe, krachende Drums und ein kompromissloser Highspeed-Chorus, haben fast schon eine typisch finnische Prägung. Eine großartige Nummer! Leider ist unsere Reise durch den Klang-Kosmos von Moonlight Haze schon am Ende angelangt aber nicht, ohne noch eine letzte überragende Rakete! „Horror & Thunder“ wurde als Duett geschrieben. Bassist Alessandro Jacobi gesellt sich an die Seite von Chiara Tricarico und gemeinsam liefen sie hier eine stimmliche Meisterleistung ab. Der Song hat eine sehr düster-spaßige Stimmung, wirkt fast schon ein wenig „creepy“, wie man so schön sagt. Die Gitarren sorgen für einen guten Groove und auch die Keys sind bestens eingefügt, zunächst dominanter, später als Klangteppich, um dem Stück die richtige emotionale Färbung zu geben. Natürlich, wie bei vielen ihrer Lieder, haben die Italiener auch hier, für ein intensives und sattes Finale gesorgt! Sehr, sehr stark!!

Nun, liebe Leser, überzeugt euch bitte selbst davon, wie fantastisch „Animus“ geworden ist. Als Fan der ersten Stunde, habe ich den Weg von Moonlight Haze schon seit 2018 verfolgt und mir war immer klar, dass diese Band zu wirklich Großem berufen ist. „Animus“ ist tatsächlich, nochmal ein gewaltiger Schritt nach vorne und öffnet die Türen an die Genre-Spitze ziemlich weit. Herzlichen Glückwunsch an Moonlight Haze, zu dieser Hammer-Scheibe, die am Ende des Jahres, ganz sicher unter den Top-Alben 2022 zu finden sein wird! Bei mir auf jeden Fall!

Band

Chiara Tricarico (Gesang)
Alberto Melinato (Gitarre)
Marco Falanga (Gitarre)
Alessandro Jacobi (Bass)
Giulio Capone (Keyboard, Schlagzeug)

Titel

  1. The Nothing
  2. It’s Insane
  3. Kintsugi
  4. Animus
  5. The Thief And The Moon
  6. Midnight Haze
  7. Tonight
  8. Never Say Never
  9. We’ll Be Free
  10. A Ritual Of Fire
  11. Horror & Thunder
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