Nicht einmal ganz anderthalb Jahre hat sich Norwegens Melodic Rock Queen Issa Zeit gelassen, um ihr nächstes Album fertig zu stellen. „Another World“ ist mittlerweile ihr 8. Werk, das sich nahtlos einreiht, in die lange Liste ihrer erstklassigen Scheiben. 8,5/10

Isabell „Issa“ Øversveen hat 2010 ihre Laufbahn als Solo-Künstlerin begonnen und in all den vielen Jahren, in schöner Regelmäßigkeit, ein Highlight-Album nach dem anderen aus dem Hut gezaubert. Es ist durchaus beeindruckend, mit welcher Beständigkeit die Norwegerin hochklassigste Scheiben veröffentlicht. Andere würden in der gesamten Laufbahn vielleicht nicht mal halb so viele Hit-Alben zusammen bekommen. Natürlich liegt das zu einem hohen Maß an dem unglaublich großen Talent, das Issa zweifelsfrei besitzt. Ein weiterer Faktor ist aber auch ihre Familie, die ihr schon seit vielen Jahren mit höchster Kreativität zur Seite steht. Auch bei „Another World“, haben ihr Ehemann James Martin und sein Bruder Tom Martin, all ihre Kreativität in die Waagschale geworfen, um Issa ein Album auf den Leib zu komponieren, das besser kaum passen könnte. Die Brüder hatten ja bekanntermaßen jahrelang die Geschicke von Vega in ihren Händen und sind nun seit einer Weile fester Bestandteil von Nitrate, mit denen sie im letzten Jahr das Sensations-Album „Feel The Heat“ veröffentlicht hatten. Die Martin Brüder haben inzwischen auch ihre eigene Produktionsfirma, die unter dem Banner Martin Bros Productions läuft. Natürlich lief auch der Produktionsablauf, inklusive der Aufnahmen und dem Mix über ihre Firma. Lediglich gemastert wurde extern und dafür haben Issa und ihr Team einen alten Bekannten zurück ins Boot geholt, nämlich Alessandro del Vecchio, der ja auch früher schon mehrfach für die norwegische Melodic Rock Queen tätig war. Neben Issa an den Vocals, James Martin am Keyboard und Tom Martin an Gitarre und Bass, sind nach bewährter Tradition, auch wieder eine ganze Reihe an Gastmusikern auf „Another World“ zu hören. Unter anderem gehören zu der langen Gästeliste die Bassisten Dennis Butabi Borg (Cruzh) und Josh „Tabbie“ Williams (Midnite City) oder auch die Gitarristen Steve Grocott (Ten), Robert Säll (Work Of Art) und Leon Robert Winteringham (The LRW Project). Und natürlich, nicht zu vergessen, Schlagzeug-Legende Pete Newdeck (u.a. Vega, ex-Nitrate, ex-Midnite City). Das liest sich schon ein bisschen wie das „who is who“ der Melodic Rock Szene aber dieses Album ist eben auch deshalb so gut, weil einige der besten Musiker des Genres ihren Anteil daran haben. Musikalisch gibt es auf dem 8. Album von Issa natürlich Bewährtes zu hören. Melodic Rock/AOR der gehobenen Spitzenklasse, mit vielen Querverweisen zu den mittleren und späten 80er Jahren. Die teilweise etwas kraftvollere Gangart vom 2023er Release „Lights Of Japan“ haben Issa und ihre Truppe aufrecht erhalten. Dennoch gestalten sich die 11 Songs, mit einer Gesamtspielzeit von gut 50 Minuten, wie üblich, sehr abwechslungsreich und emotional geprägt. Einige meiner besonderen Favoriten möchte ich euch nachfolgend kurz vorstellen.

Da hätten wir beispielsweise ein paar wirklich starke Riffrocker im Angebot, wie den grandiosen Opener und ersten Single/Video Release „Armed & Dangerous“, der mit fetter Instrumentierung, eindringlicher und sehr eingängiger Vocalline bestückt ist und über einen tollen Spannungsbogen und eine feine Grundstimmung verfügt. In ähnlichem Fahrwasser kommt auch das Titel-Stück „Another World“ daher, das neben tollem Riff, auch mit einer filigran gespielten Lead-Gitarre und starker, getragener Gesangsmelodie überzeugt. Auch „The Hardest Fight“ zählt zu den kraftvolleren und gitarren-dominierten Songs, der zudem, die vielleicht charismatischste Performance von Goldkehlchen Issa liefert. Sehr genial ist auch „Got A Hold On Me“, das mit starker Bass/Schlagzeug Präsenz punkten kann und eine ordentliche Portion Groove im Gepäck hat. Instrumental vielleicht die facettenreichste Nummer, die eigentlich ein besseres Finale, als ein Fade-Out verdient hätte. Selbstverständlich gibt es auch ruhigere Momente zu erleben, mit den Balladen „A Second Life“ und ganz speziell, dem unglaublich intensiven, düsteren und sehr traurig wirkenden „Only In The Dark“. An dritter Stelle auf dem Album etwas ungewöhnlich platziert, für so eine ruhige Nummer aber mit seiner großen emotionalen Tiefe und der unfassbar starken Ausstrahlung, gehört dieses Lied fraglos zu ganz großen Highlights des Albums. Wenn ihr nun denkt ich wäre mit meinen persönlichen Faves schon am Ende, dann täuscht ihr euch. Es gibt nämlich noch 3 Knaller, die alles andere toppen, 3 absolut überragende Melodic Rock Hymnen, die an Eingängigkeit und Energie kaum zu schlagen sind! Da hätten wir zunächst mal die 2. Single/Video Auskoppelung „All These Wild Nights“. Eine unglaublich energiegeladene Nummer, mit tollem Charisma und aller höchstem Sommer-Hit Potenzial. Inhaltlich auch ein wenig von Melancholie und der Erinnerung an frühere Tage geprägt. Diese authentisch wirkenden Storytelling-Lyrics geben diesem Hit das ganz besondere Etwas. Vielleicht die größte Melodic Rock Rakete die Issa bislang abgefeuert hat trägt den Titel „The Road To Victory“. Am Anfang, mittels der Keyboards, kommt ein bisschen Journey Feeling auf. In der Folge baut sich das Stück dann wunderbar auf und gipfelt in einem erhabenen Ohrwurm-Refrain, der nachhaltiger nicht sein könnte. Eine überragend gesungene Hymne im Stadion-Rock-Format, die auch instrumental eine ganze Menge zu bieten hat, unter anderem auch ein sehr starkes Gitarren-Solo. Der dritte meiner top Favoriten ist dann der Album-Abschluss „Lost & Lonely“. Eine weitere, 80er Jahre typische, Melodic-Rock-Super-Hymne der absoluten Extraklasse, die für den ganz großen Weltruhm, wohl leider 35 Jahre zu spät kommt. Genre Fans werden diesen Song aber dennoch lieben und ihn in ihren Hitlisten weit nach oben setzen. Stilistisch irgendwo zwischen Heart und Vixen angesiedelt, geht einem diese unfassbar eingängige Melodie einfach nicht mehr aus dem Ohr. Der Chorus ist überragend, mit bester Eignung zum Mitsingen bei Konzerten (falls es irgendwann mal welche geben sollte) und auch für einen Radio-Hit, natürlich bestens geeignet. Diese mega Nummer hätte ich mir auch sehr gut auf einem Album von Issa’s Label-Kollegin Chez Kane vorstellen können, was mich einmal mehr auf den Gedanken bringt, wann diese beiden Ladies endlich mal einen Song zusammen aufnehmen!? Na, wie auch immer, „Lost & Lonely“ ist ein perfektes Finale, für dieses großartige, neue Highlight-Werk von Isabell „Issa“ Øversveen.

Die Norwegerin und ihr Team haben wieder mal gezeigt, was sie für begnadete Songwriter und Musiker sind. Das steckt so viel Talent drin, das ist schon eindrucksvoll. Ganz besonderes, wenn man die extrem hohe Frequenz bei Issa’s Veröffentlichungen betrachtet. Herzlichen Glückwunsch zu „Another World“, das zweifelsohne eines der stärksten Alben ist, in Issa’s bisheriger Laufbahn! Dies gilt übrigens auch für das sensationelle Cover-Artwork! Release-Day für „Another World“ ist der 07.06.2024, ein echter Festtag für Melodic Rock/AOR Fans!

Band

Isabell „Issa“ Øversveen (Gesang)
Tom Martin (Gitarre, Bass, Backing Vocals)
James Martin (Keyboard/Synths, Backing Vocals)

Gäste

Leon Robert Winteringham
Melvin Brannon Jr.
Steve Grocott
Dennis Butabi Borg
Josh „Tabbie“ Williams
Robert Sall
Phil O’Dea
Colin Parkinson
Pete Newdeck

Titel

  1. Armed & Dangerous
  2. All These Wild Nights
  3. Only In The Dark
  4. Never Sleep Alone
  5. The Road To Victory
  6. Another World
  7. Kick Of Fire
  8. Got A Hold On Me
  9. A Second Life
  10. The Hardest Fight
  11. Lost & Lonely
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