Fallen Sanctuary bringen frischen Wind in die Melodic-/Power-Metal Szene. Das österreichisch/italienische Quartett stellt mit „Terranova“ ein sagenhaftes, monumentales Debüt vor, von dem viele altgediente Genre Größen, heutzutage nur noch träumen können. 10/10

Die ersten Informationen, dass sich da etwas Großes anbahnen würde, sickerten im Herbst des letzten Jahres durch. Nach und nach wurde die Sache konkreter und die ersten Details über das Fallen Sanctuary Debüt wurden bekannt. Die Veröffentlichung des ersten Songs „Broken Dreams“, war dann ein echter Paukenschlag und jedem, der es mit melodischem Power Metal hält war klar, „Terranova“ wird ein absolutes Schwergewicht, ein bombastischer Knaller, ein sensationelles Album-Highlight, im Jahr 2022 werden. Die neu ins Leben gerufene Band um Serenity/Warkings Frontmann Georg Neuhauser und Temperance Gitarrist und Sänger Marco Pastorino, hat sich auf gemacht, die in den letzten Jahren etwas eingestaubte Power Metal Szene, mal so richtig aufzupolieren, was ihnen mit ihrem Debüt „Terranova“, mit Bravour gelungen ist. Komplettiert wird das schlagkräftige Fallen Sanctuary Quartett von Temperance Schlagzeuger Alfonso Mocerino und Bassist Gabriele Gozzi (der Bass für die Aufnahmen, ist von Marco Pastorino eingespielt worden). Gabriele Gozzi wurde übrigens unlängst auch als neuer Frontmann bei der italienischen Melodic Metal Band Eternal Idol bekannt gegeben! Einen zusätzlichen, starken Sänger mit an Bord zu haben, macht sich vor allem live, sehr positiv bemerkbar und kann auch mal ein wahrer Segen sein. Fans der Band, werden wissen was ich meine. Ihr seht also, auch wenn Fallen Sanctuary eine neu gegründete Truppe ist, so steckt eben doch auch verdammt viel Erfahrung dahinter. Und so ist es dann natürlich keine große Überraschung, dass vor allem die beiden Bandgründer und Songwriter Georg Neuhauser und Marco Pastorino, all ihr Können, ihre Kreativität und kompositorische Versiertheit, in dieses grandiose Erstlingswerk reingepackt haben, um ihren Fans, den höchstmöglichen Hörgenuss zu bieten. Bei einem Album das von Beginn an, sehr eigenständig wirkt und sehr stark auf Ohrwurm-Refrains gepolt ist. Natürlich gibt es auch immer wieder mal Momente, in denen man sich an die Stammbands der beiden erinnert fühlt, was aber freilich nur Gutes bedeutet. Übrigens hat die Idee zu Fallen Sanctuary schon vor ein paar Jahren ihren Ursprung gehabt, als Serenity und Temperance gemeinsam mit Visions Of Atlantis und Dragony auf dem 2. Teil der 2018er Symphonic-Metal-Nights Tour gespielt haben. In vielen langen Gesprächen im Tourbus hat sich bei den beiden Künstlern, ein sehr ähnlicher Musikgeschmack herauskristallisiert und auch die Chemie zwischen Georg Neuhauser und Marco Pastorino stimmte wohl sofort. Also war es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis die beiden Freunde ihre erste gemeinsame Band gründen würden. Nur wenige Jahre später, dürfen wir uns nun, über dieses sensationelle Fallen Sanctuary Debüt freuen, das über so ein riesiges, musikalisches Potenzial verfügt. Geniale Melodien, eingängige Refrains, zwei (drei) grandiose Sänger, kraftvolle Schlagzeug-Power und jede Menge großartige Gitarren-Riffs. Dazu gibt es noch ein paar sehr feine Keyboard- und Piano-Parts, hier hat Gast-Star Michele Guaitoli (Temperance, Visions Of Atlantis) ausgeholfen, der auch einen Teil der Recordings übernommen hat. Auch eine frühere, erfolgreiche Liaison wurde wieder aufgefrischt. So hat Jan Vacik, der ehemalige Serenity Produzent, in den Dreamsound Studios in München, Mix und Master gemacht. Natürlich, wie man das von ihm gewohnt ist, hat er großartige Arbeit geleistet und diesem stimmungsvollen Album, einen tollen Feinschliff verpasst. Eines sei hier aber noch erwähnt, trotz vieler, sehr launiger und mitreißender Stimmungs-Kanonen, sprechen die Lyrics teilweise eine andere Sprache und wirken mitunter eher nachdenklich und durchaus ernst. Ich denke da ganz besonders an das Stück „No Rebirth“, wo man sich offensichtlich über das Haltbarkeitsdatum unseres Planeten Gedanken macht. Die tollen, sehr ansprechenden Cover-Illustrationen, stammen übrigens aus der kreativen Hand von Gustavo Sazes, eine wirklich sehr gelungene Arbeit, wie ich finde. Veröffentlicht wurde „Terranova“ beim deutschen Label AFM, dies noch der Vollständigkeit halber. Kommen wir aber nun zur Musik, die hier fraglos für sich spricht und zum Besten gehört, was in 2022 bislang veröffentlicht wurde.

Ohne Einleitung, ohne Vorspiel, ohne Punkt und ohne Komma geht es gleich mit voller Kraft los und die Musik-Boxen werden einem Härtetest unterzogen. Der Titel-Song „Terranova“ macht somit den Anfang und legt die Latte schon mal ziemlich hoch. Ein Power-Metal Hit der Extraklasse, zu dem es auch bereits ein Video gibt. Geführt von der starken Lead-Gitarre von Marco Pastorino, brennt sich die Nummer von Beginn an, richtig in die Gehörgänge. Gesanglich macht Georg Neuhauser den Anfang, Marco Pastorino übernimmt dann mit einer großartigen Vocal-Bridge. Der epische Refrain, ist dann freilich zweistimmig gesungen. Dazu kommt noch ein wunderbares Gitarren-Solo und auch die gewaltige Schlagzeug-Power von Alfonso Mocerino möchte ich nicht unerwähnt lassen. Er hat sich über die Jahre, zweifelsohne, zu einem der besten Drummer des Genres entwickelt. „Now And Forever“ ist die jüngste Single/Video-Auskoppelung des Fallen Sanctuary Debüts. Der Beginn wirkt modern, insgesamt recht wuchtig, treibt dann gut voran. Die Vocalline kommt erhaben rüber, Marco Pastorino und Gabriele Gozzi dazu mit starken Backings. Die Ausstrahlung der Nummer ist eher nachdenklich. Als zusätzliches Highlight gibt es ein ganz typisches 1a-Helloween-Gitarren-Solo zu bewundern. Der nächste Song wäre wohl alleine schon eine Review wert. Keine Ahnung wie oft ich das Stück mittlerweile gehört hab, 100 Mal?, 200 Mal?, seit es vor ein paar Monaten, als erste Single, nebst bewegtem Bildmaterial, veröffentlicht wurde. Die Rede ist natürlich von „Broken Dreams“, einem Jahrhundert-Hit, einer monumentalen Melodic-Metal-Naturgewalt, gemacht für die Ewigkeit. Wenn überhaupt, so einen Song schreibt man vielleicht nur einmal in seinem Leben, bravo Georg, bravo Marco!! Los geht es mit opulentem, dreistimmigem a cappella Refrain, bei dem auch Gabriele Gozzi wieder involviert ist. Das setzt so unglaublich viel Energie frei und wirkt fast schon majestätisch. Marco Pastorino startet dann durch mit einer weiteren, sehr filigranen Gitarren-Melodie, Alfonso Mocerino gibt den Rhythmus vor. Georg Neuhauser zunächst mit ruhiger Stimme, ehe dann Marco mit seiner Rockröhre, die Einleitung zum Chorus liefert. Der Refrain ist ein Ohrwurm der besten aber auch gleichzeitig der fiesesten Sorte. Du bekommst ihn nicht mehr aus dem Kopf. Einfach unwiderstehlich, mit gesundheitsgefährdendem Suchtpotenzial. Aber gut, ihr kennt diese Nummer sicher alle genauso gut wie ich und wisst sehr gut was ich meine. Genial ist dann noch der ruhige Moment kurz vor dem Finale, mit dem noch mal richtig Spannung aufgebaut wird, um die Boxen zum Zerbersten zu bringen. „Rise Against The World“ steht dem dann kaum in etwas nach, vor allem was die Eingängigkeit beim Chorus angeht. Das Stück ist etwas flotter und stellt Marco Pastorino sowohl mit seinen starken Riffs, als auch mit überragender Lead-Gitarre, einmal mehr ins Rampenlicht. Ein paar progressive Akzente gibt es hier auch zu entdecken. Den ruhigeren Vers-Teil übernimmt Georg Neuhauser, sehr stimmkräftig intoniert, wie wir das von ihm gewohnt sind. Der gute Laune machende Refrain, liefert dann wieder das volle stimmliche Programm und im Besonderen die „ohohoh“-Parts, sind natürlich eine Steilvorlage für die Live-Performance. „To The Top“ fährt das Tempo nun etwas runter. Ruhiger Start, schöne Melodie-Führung. Georg Neuhauser und Marco Pastorino mit großartiger, stimmlicher Brillanz und Vielfalt. Emotional und energiegeladen zu gleich, sehr facettenreich komponiert, mit sich langsam steigernder instrumentaler Begleitung. So wird hier eine echte Hymne geboren, die durchaus auch ein paar Nuancen druckvollen Melodic Rocks‘ offenbart. „Destiny“ gehört fraglos zu meinen absoluten Top-Favoriten, wenngleich das wirklich schwer ist, bei diesem Album irgendwelche Stücke besonders hervorzuheben, da sie ja alle so grandios sind. Musikalische Vorlagen zu diesem Song, sind bei Stratovarius und Sonata Arctica zu finden. Eine geniale und opulente Melodic-Power-Metal-Hymne der höchsten Güteklasse. Ziemlich rasant im Tempo, treibende Gitarren, dazu Alfonso Mocerino’s druckvolles Schlagzeugspiel, gekrönt nur noch, vom überragenden Gesang des österreichisch/italienischen Vocal-Gespanns. Ein überragendes Solo an der Sechs-Saitigen führt das Stück dann hin zu einem sehr kraftvollen Finale. Die wundervolle Ballade „I Can’t Stay“ wird eingeleitet und später auch begleitet, vom tollen Piano Spiel von Gast-Star Michele Guaitoli. Zunächst Georg Neuhauser mit sanfter, gefühlvoller Stimme, zum Refrain hin übernimmt dann Marco Pastorino, mit einer ganz herausragenden Ausdrucksstärke und Intensität, begleitet von seinem eigenen Spiel an der Akustik-Gitarre. Vor allem zu Beginn von „Trail Of Destruction“ wird klar deutlich, dass drei der beteiligten Musiker auch bei Temperance aktiv sind. Die Melodieführung und ganz besonders Michele Guaitoli’s Keyboard-Spiel, ist dafür der hörbare Beweis. Ansonsten kommt das Stück im mittleren Tempo daher, liefert ein paar schöne Riffs, eine ganz starke Vocal-Bridge von Marco und einen Refrain im Stadion-Rock-Format, was insgesamt, ein wenig AOR-Feeling aufkommen lässt. Das ist ganz großes Kino für die Gehörgänge. „No Rebirth“ ist auch einer meiner absoluten Top-Faves des Albums. Gleich zur Einleitung begeistert Marco Pastorino wieder mit brillanter Lead-Gitarre. Eine überragende Melodie-Führung. Es wird in der Folge aber dann schon ziemlich flott und durch das donnernde Schlagzeug-Spiel von Alfonso Mocerino wird richtig Druck aufgebaut. Die beiden Stimmakrobaten zeigen auf sehr charismatische Weise ihr Können, was grundsätzlich beim Chorus, ganz stark zur Geltung kommt und beim genial installierten a cappella Part, mal wieder alle Grenzen sprengt. Das ist einfach nur geil!! Ich kann und mag es nicht anders formulieren. MEGA!! Und munter geht es weiter, bei dem schönen Spiel „welcher Song ist jetzt der größte und beste von allen“? Ja, auch „Bound To Our Legacy“ kann da ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Ein echtes Kraftpaket, ein krachender Power-Metal Thron-Anwärter aus der Champions League. Die treibende Kombi aus Marco’s Lead-Gitarre und Alfonso’s druckvollen Drums, bringt die Nummer gut voran. Georg und Marco, gesanglich im harmonischen, gut abgestimmten Wechsel-Spiel, begleitet von schwerem, teilweise dezent progressiv nuanciertem Riffing. Toller Songaufbau, schöne Dramaturgie und eine grandiose Intensivierung zum Chorus hin. Man kann gut erkennen, hier sind echte Profis am Werk, die genau wissen, wie man einen Super-Hit komponiert und arrangiert, so,  dass er die bestmögliche Ausdruckstärke und Wirksamkeit bekommt. Nun sind wir fast schon am Ende dieses tollen Debüt-Albums angelangt. Ein bisschen was gibt es aber noch obendrauf. „Wait For Me“ ist eine wunderschöne, ich sag mal, ganz typische Georg Neuhauser – Ballade. Im akustischen Gewand, mit melancholischen, sehr emotionalen Vocals. Das Stück nimmt dann aber im Weiteren schon noch etwas Fahrt auf und spätestens wenn Marco Pastorino beim gigantischen Refrain mit einsteigt, weiß jeder, dass dieses Lied ins Live-Programm gehört! Trotzdem, dass „Wait For Me“ eine Ballade ist, liefert sie gerade beim opulenten Chorus, mehr Energie, als es manch andere Band, mit einem Power-Metal-Song erreicht. So, liebe Leser, wenn ihr euch nun denkt, nach 11 Stücken, kann ich die Singerei vom Neuhauser und vom Pastorino nicht mehr hören, dann bitte, dem kann geholfen werden. Als finalen Ausklang gibt es noch 3 Instrumental-Versionen zu bestaunen, „Now And Forever“, Rise Against The World“ und „To The Top“. Also, wenn ihr so mutig seid und denkt ihr könnt es besser, als Georg und Marco, hier habt ihr die Vorlage. Oder aber, ihr genießt einfach mal die instrumentale Brillanz und die kompositorische Vielfalt, die in den drei Stücken steckt, ganz ohne Gesang. Ich bin vor allem von der Stimmung und dem Facettenreichtum von „To The Top“ begeistert. Das kommt hier in der puren, instrumentalen Variante ziemlich gut zum Vorschein.

Tja, was soll ich sagen? Ein neuer Stern ist aufgegangen? Wir erleben die Geburt einer Legende? Ich sag jetzt einfach mal herzlichen Glückwunsch an Georg Neuhauser, Marco Pastorino, Gabriele Gozzi und Alfonso Mocerino. „Terranova“ ist ein geniales und brillantes Debüt, das für viele positive Schlagzeilen sorgen dürfte. Fallen Sanctuary haben aber tatsächlich das Zeug dazu, eine große Nummer im Melodic-Power-Metal Genre zu werden. Vielleicht können sie sogar irgendwann mal Legenden-Status erreichen und einen Stern am Walk Of Fame des Heavy Metal ergattern. Wer weiß!?

Band

Georg Neuhauser (Gesang)
Marco Pastorino (Gitarre, Gesang)
Gabriele Gozzi (Bass, Gesang)
Alfonso Mocerino (Schlagzeug)

Gast

Michele Guaitoli (Piano, Keyboard)

Titel

  1. Terranova
  2. Now And Forever
  3. Broken Dreams
  4. Rise Against The World
  5. To The Top
  6. Destiny
  7. I Can’t Say
  8. Trail Of Destruction
  9. No Rebirth
  10. Bound To Our Legacy
  11. Wait For Me
  12. Now And Forever (instrumental)
  13. Rise Against The World (instrumental)
  14. To The Top (instrumental)
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