Exit Eden präsentieren mit „Rhapsodies In Black“ ihr Debüt-Album. Ein Symphonic-Metal-Highlight, das in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Stück Musikgeschichte geworden ist. Lest selbst.

Das die meisten Symphonic-Metal-Bands „female-fronted“ sind, wie man heutzutage gerne sagt, ist sicher nichts Außergewöhnliches, das ist klar. Wenn man das ganze aber mal 4 nimmt, dann sicherlich schon. Exit Eden besteht in erster Linie aus vier ganz großartigen Sängerinnen, verschiedenster Herkunft und mit den unterschiedlichsten Lebensläufen. Vier tolle Frauen, die eines eint. Sie sind mit ganz viel Charisma und fantastischen Stimmen ausgestattet. Das sind zum einen die wunderbare Amanda Somerville (Avantasia; Kiske/Somerville) und die bezaubernde Clémentine Delauney (Visions Of Atlantis; Ex-Serenity), zum anderen die bislang noch weniger bekannte, am Mikro bärenstarke, Brasilianerin Marina La Torraca (Phantom Elite), die als Live-Gast aber auch schon bei Avantasia gesungen hat und als vierte im Bunde, Anna Brunner. Eine aufstrebende, hochtalentierte und sehr emotionale Vollblut-Sängerin, die mit ihrer grandiosen Rock-Röhre den Songs das ganz besondere Etwas verleiht. Das ist zwar soweit schon sehr außergewöhnlich aber noch lange nicht alles. „Rhapsodies In Black“ ist vom Grundsatz her ein reines Cover-Album, allerdings eines der absoluten Deluxe-Kategorie. Cover werdet ihr euch fragen? Echt jetzt? Ja aber nicht so wie man das normalerweise kennt. Bei Exit Eden werden die Stücke nicht einfach nur so nachgespielt. Nein, ganz bestimmt nicht! 11 weltweit bekannte Pop-/R&B-/Rock-Songs erleben hier quasi eine Metamorphose (der positiven Art natürlich) und werden zu sensationellen Symphonic-Metal-Hymnen. Federführend verantwortlich und bei der überragenden Qualität auch wenig überraschend, ist die Hitschmiede von Elephant-Music, unter der Leitung von Hardy Krech und Mark Nissen. Die, wie viele von euch sicher wissen, auch schon die beiden bisherigen Hit-Alben von Beyond The Black zu großen Teilen mit erschaffen haben. Wie bei BTB sind auch bei Exit Eden natürlich Hannes Braun (Kissin‘ Dynamite) und Sascha Paeth (Avantasia) mit von der Partie. Die Herren an der Kreativ-Front, haben die Songs so phänomenal um arrangiert, dass es eigentlich fast nicht mehr als Cover-Album durchgeht. Das Symphonic-Gewand gibt den meisten Stücken eine völlig andere Stimmung und Wirkung, was für mich an sich, die größte Leistung ist. Ein Cover ist nur dann ein gutes Cover, wenn das Original zwar so grade noch erkennbar ist, es aber eben nicht einfach nur nachgespeilt ist. (Ja, ich weiß, das sind 5,–€ ins Phrasen-Schwein) An dieser Stelle meine Gratulation. 11 Mal ins Schwarze getroffen, meine Damen und Herren.

Die vier wunderbaren Ladies, sorgen mit ihren großartigen Stimmen, häufig mehrstimmig gesungen, dafür, dass „Rhapsodies In Black“ ein unumgängliches Muss für jeden melodisch und sinfonisch orientierten Metal-Fan, geworden ist.

Kommen wir zu den Songs: Der Opener „A Question Of Time“, ein Depeche Mode-Klassiker der frühen Jahre, weckt in der Exit Eden-Version, Erinnerungen an das Phantom Der Oper. Der Rihanna-Song „Unfaithful“, ist ein wahres Symphonic-Monster geworden, einer meiner Favoriten der Scheibe. Hört euch hier, als Beispiel, mal Anna Brunner in der zweiten Strophe an! Unglaublich! Tja und wer hätte jemals geglaubt, ich würde mir freiwillig einen Backstreet Boys-Song anhören? Die Ladies schaffen das mit „Incomplete“ ganz mühelos. Bravissimo! „Impossible“ macht in meinen Augen die größte Veränderung zum Original durch und ist für mich nicht nur „das“ Lied des Albums, sondern auch einer der stärksten Songs des bisherigen Jahres 2017. Was für eine Hymne die hier aus einer netten, traurig anmutenden R&B-Ballade von Shontelle, entstanden ist. Der absolute Wahnsinn!! Zu den vier Hauptakteurinnen, gesellen sich noch zwei hochkarätige Gäste. Madonnas‘ „Frozen“ und Adeles‘ Bond-Song „Skyfall“ werden von der großartigen Simone Simons (Epica) veredelt und bei Bonnie Tylers‘ „Total Eclipse Of The Heart“ gesellt sich Rick Altzi (Masterplan; At Vance), als männliche Unterstützung dazu. Was für eine herausragende Version dieser großartigen Jim Steinman-Komposition. Gänsehaut-Faktor hoch 10! Bei Bryan Adams‘ „Heaven“ hatte ich vor dem ersten Hörgenuss etwas Bedenken, ist das Original doch eine der schönsten Rockballaden aller Zeiten und eigentlich nicht verbesserungsfähig oder veränderbar aber weit gefehlt. Nicht besser, nein, natürlich nicht aber auf Exit Eden-Art um arrangiert, eines der größten Cover die ich je gehört habe. Chapeau!! Natürlich darf hier auch ein Song von Lady Gaga nicht fehlen. An der „Paparazzi“-Version von Exit Eden hätte sie selbst sicher auch ihren Spaß, ist sie in ihrem tiefsten Inneren doch eine kleine Rockerin. Das bringt mich gleich zu einem Tipp an die Produzenten. Sollte es in dieser Richtung mal ein weiteres Album geben, so würde ich dringend empfehlen, eben von Lady Gaga den Song „The Edge Of Glory“ um zu arrangieren. Von der Songstruktur und der Melodieführung schreit er förmlich nach einem metallischen Sound-Gewand. Ähnliches gilt auch für Barclay James Harvests‘ „Hymn“. Zwei Songs die im Exit Eden-Gewand bestimmt ganz großartig klingen würden.
Gut, das sind nun ein paar Wünsche für die Zukunft. Nun erfreuen wir uns erst mal an „Rhapsodies In Black“, dem vielleicht spannendsten, interessantesten und mit großer Sicherheit, ungewöhnlichsten Cover-Album der Musik-Geschichte.

Ich als Hobby-Journalist und Metal-Fan kann nur sagen: Kauft das Teil und erlebt wie große Songs zu echten Monster-Songs werden!!!

Line up:

Amanda Somerville – Vocals
Clementine Delauney – Vocals
Marina La Torraca – Vocals
Anna Brunner – Vocals

Gastsänger:

Simone Simons (Epica)
Rick Altzi (Masterplan; At Vance)
Hannes Braun (Kissin’ Dynamite)

 

Tracklist:

  1. Question Of Time (Depeche Mode Cover)
  2. Unfaithful (Rihanna Cover)
  3. Incomplete (Backstreet Boys Cover)
  4. Impossible (Shontelle Cover)
  5. Frozen (Madonna Cover)
  6. Heaven (Bryan Adams Cover)
  7. Firework (Katy Perry Cover)
  8. Skyfall (Adele Cover)
  9. Total Eclipse From The Heart (Bonnie Tyler Cover)
  10. Paparazzi (Lady Gaga Cover)
  11. Fade To Grey (Visage Cover)

 

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