September 2015, Ludwigsburg. Heute hatte ich einmal mehr die Gelegenheit, mit einem der talentiertesten Musiker dieser Tage zu sprechen: Erik Mårtensson.

Eclipse Rockfabrik 2015

Mastermind, Sänger und Gitarrist Erik hat neben eben Eclipse noch zwei weitere Bands: W.E.T. zusammen mit Jeff Scott Soto und Robert Säll, außerdem Ammunition, die vom Ex Wig Wam Sänger Åge Sten Nilsen gegründet wurden. Nicht zu vergessen ist Erik Songwriter und Produzent für zahlreiche Bands und betreibt sein eigenes Studio namens Blowout Productions. Er war beispielsweise beteiligt an meinem Lieblingsalbum seiner Landsleute H.E.A.T. mit dem Titel „Address The Nation“, arbeitete schon mit dem legendären Survivor Sänger Jimi Jamison zusammen, war aktiv für Revolution Saints mit Whitesnake’s Doug Aldrich, dazu reihen sich Arbeiten für Primal Fear, Jaded Heart, Sturm Und Drang, Edenbridge und Issa, um nur ein paar zu nennen.

Hi Erik, schön, dich wieder zu sehen. Wie geht’s Dir heute?

Erik: Mir geht es gut. Ich bin nur etwas müde heute. Wenn eine Tour beginnt, strotzt man nur so vor Energie, doch nach ein paar Tagen wird man irgendwie müde und hofft nur, von irgendwo Energie zurück zu gewinnen, beispielsweise von dem, was die Fans uns geben. Ich muss mich umstellen von meinem normalen Leben zu diesem Zigeunerleben.

Ehrlich gesagt hat es viel zu lange gedauert, bis ich Eclipse endlich das erste Mal live sehen konnte. Im Juni in Tampere war es dann endlich so weit. Es scheint, als wäre dieses T-Shirt mit dem Gewitter-Motiv, das Du damals getragen hast, eines Deiner Lieblingsshirts. Auf den Bühnen dieser Welt hast Du eine Energie, die beinahe mit der eines Gewitters vergleichbar ist. Doch gibt es für Dich einen Grund, das Shirt so oft für Gigs zu tragen?

Erik: Nein, nicht wirklich. Ehrlich gesagt gehe ich nicht gern Klamotten kaufen. Ich spiele lieber Gitarre oder arbeite im Studio. Ich kümmere mich nicht so sehr um mich und wie ich aussehe und außerdem habe ich nicht so viele T-Shirts. Aber für diese Tour muss ich unbedingt neue kaufen. Das mit dem Blitz erinnerte mich an “Thunder And Lightning” von Thin Lizzy. Das ist vielleicht der Grund, warum ich es ausgesucht habe – ich liebe Thin Lizzy und das ist ein tolles Album von ihnen.

Ein Song auf Eurem aktuellen Album “Armageddonize” heißt “Stand On Your Feet” – nicht gerade Dein Ding, solange Du auf der Bühne stehst. Doch was bedeuten Konzerte für Dich?

Erik: Für sind Gigs die Gelegenheit, in direkten Kontakt mit unseren Fans zu treten. Wen man Musik schreibt und aufnimmt, weiß man schon, ob die Sachen gut werden und dass Leute das Album dann kaufen werden. Wir haben einige Tausend CDs von diesem oder jenem Album verkauft. Doch wenn man live spielt, sieht man was die Songs tatsächlich für die Leute bedeuten. Hinter all diesen Verkaufszahlen stehen reale Menschen, die sich für unsere Songs interessieren und mitsingen. Die Lieder mögen teils einen kleinen Einfluss auf ihr Leben haben. Und genau ist das Beste am live spielen. Es geht mir nicht darum, dass Leute auf mich schauen. Ich kümmere mich ehrlich gesagt nicht so sehr darum. Aber zu sehen, dass die Leute die Songs genießen, die wir geschrieben und aufgenommen haben, das ist für mich das Wichtigste. Es ist ein Privileg für uns, dass Leute die Songs hören, die wir erschaffen haben.

In meinen Augen hat jedes Eclipse Album seinen Vorgänger übertroffen. Woher nimmst Du all die Inspiration, die Ideen für Melodien, Lyrics usw.?

Erik: Ich weiß es nicht. Wir machen es einfach. Wir schreiben jede Menge Musik und ich denke, dass wir immer besser werden, desto mehr Musik wir schreiben. Man wird besser, desto öfter man ein und dieselbe Sache macht. Doch natürlich ist es schwer, jedes Album besser hinzubekommen als seinen Vorgänger. Das ist aber ein anderes Problem. Das letzte Album scheint besser zu sein, als sein Vorgänger und um das nächste Problem kümmern wir uns, wenn die Zeit gekommen ist, etwas Neues zu veröffentlichen. *lacht*

Wenn ich durch die Plattenläden laufe, dass sehe ich das Cover von “Armageddonize” schon von Weitem aus der Menge herausstechen. Welche Message hat das Cover aus Deiner Sicht?

Erik: Wir wollten etwas Besonderes haben. Heutzutage benutzen so viele Bands Fantasy-Cover. Es gibt so viel digitale Kunst, ein wildes Zusammenstückeln vieler Bilder in Photoshop. Das ist oft schlicht und einfach sehr bunter Müll. Wir wollten entgegen etwas sehr Einfaches und so wie Du gesagt hast war es uns wichtig, dass man es schon aus einiger Entfernung erkennen kann und sagt: Das ist das neue Eclipse Album. Besonders in dieser Zeit, in der die Leute die Songs auf dem Smartphone oder in I-Tunes hören, braucht man etwas Einfaches und damit Effektives. Offensichtlich haben wir die richtige Wahl getroffen.

Es ist schwer, einen Song auszuwählen, da alle Songs auf “Armageddonize” genial sind. Dennoch denke ich, dass „Blood Enemies“ das Album sehr gut repräsentiert. Kannst Du bitte ein paar Worte zum Song sagen? Andere haben Blutsbrüder, Du singst über Blutsfeinde …

Erik: “Blood Enemies” ist eine Art zusammengewürfelter Song, eine Art Rhythmus-Mosaik. Es ist wirklich schwer, solch einen Song gut hinzubekommen. Man kann so einen Song schreiben, doch klingen sie immer wie die 70er Rock Bands. Sie klingen wie die alten Black Sabbath oder Songs aus jener Zeit. Doch wenn man es geschafft hat, dass so eine Art Song moderner klingt, kann man sehr dankbar sein. Der Song hat eine gute Grundstimmung. „Blood Enemies“ hat keinen politischen Hintergrund – man soll sich einfach gut fühlen, wenn man den Song hört. Ich sehe ihn eher als eine Art Rock Hymne.

Also kein erster Hintergrund hinter diesem so düsteren Songtitel?

Erik: Nein, eigentlich nicht. Es klingt einfach sehr cool. Es gibt eine tiefere Bedeutung hinter vielen Songs, doch nicht bei diesem. Der hat keine erste Bedeutung.

Welcher Song hat eine spezielle Bedeutung für Dich?

Erik: “The Storm” ist ein sehr spezieller Song für mich. Mein Vater verstarb während wir das Album schrieben. Und „The Storm“ ist etwas Besonderes für mich. Bei vielen Songs geht es darum, auf sich selbst zu achten und das eigene Leben zu genießen so oft wie möglich und nicht seine Zeit mit Dingen zu vergeuden, die man nicht mag.

Eclipse hatten mit einigen Line-Up Wechseln zu kämpfen, insbesondere in den frühen Jahren seit 1999. Jetzt ist Euer damaliger Schlagzeuger Magnus Ulfstedt zurück, jedoch am Bass.

Erik: Ja das ist irgendwie witzig. Es ist leider so schwer, gute Leute für die Band zu finden. Es gibt Musiker, die in bis zu fünfzehn Bands spielen. Du brauchst aber Leute, denen die Band wichtig ist, die sich in der Band wie Brüder fühlen und Ziele unter ähnlichen Bedingungen angehen. Und genau diese Art Leute findet man einfach extrem schwer, insbesondere wenn man auf der anderen Seite noch den Anspruch hat, das sie zugleich gute Musiker sind. Manche bekommen Kinder, andere haben dann andere Prioritäten in ihrem Leben. Manchmal passt es einfach auf der persönlichen Ebene nicht. Wie Du schon gesagt hast, wenn man für Tage oder Wochen auf diesem engen Raum im Tourbus zusammen lebt, muss es einfach passen. Du musst im Stande sein, ohne tägliche Kämpfe miteinander zu leben.

Ist dies auch der Grund, warum Ihr derzeit keinen Live-Keyboarder habt?

Erik: Ja stimmt, derzeit haben wir keinen Keyboarder, der mit uns tourt. Er ist auf einem Mac, sozusagen ein Back Track. Unser Keyboarder ist ein super Musiker und er hat gleichzeitig noch seine eigene, sehr erfolgreiche Firma. Er ist jedes Jahr gut 150 Tage unterwegs. Außerdem hat er zwei Kinder, seine eigene Familie neben der Firma und alles funktioniert halt nicht. Anfänglich war er für ein paar Gigs dabei, dann wieder nicht. Letztlich haben wir entschieden, dass es für alle das Einfachste ist, wenn er sich auf die Studioaufnahmen konzentriert.

Ammunition Rockingham 2015

Du und Robban Bäck spielt auch bei W.E.T. und Ammunition. Es gibt Abende, an denen ihr mit beiden Bands spielt, also Eclipse und Ammunition. Wie bereitet ihr Euch auf so einen intensiven Abend vor?

Erik: Nun, es ist schlicht weg harte Arbeit, zwei Gigs an einem Abend zu haben. Ich singe glücklicherweise nur in einer Band und in der anderen spiele ich Gitarre. Müsste ich bei beiden Bands singen, wäre dies deutlich schlechter. In dem Fall hätte ich nach zwei Tagen keine Stimme mehr. Solche Abende sind ermüdend für uns aber es ist ok. Wir hatten solche Tage nur ein paar Mal bislang und es werden wohl noch ein paar dazu kommen.

Apropos Ammunition und W.E.T.: Du bist ein grandioser Sänger und Entertainer, doch für diese beiden Bands gibst Du das Mikro an andere. Wo liegen für Dich die Unterschiede zwischen der Rolle des Sängers und der des Gitarristen?

Erik: Der Gitarrist macht eigentlich nur ein Zehntel der Arbeit. Es lastet ein so hoher Druck auf dem Sänger. Du musst Deinen Körper und Deine Stimme in Form halten, Du musst der große Entertainer sein, Du musst die Leute glücklich machen, ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern und nicht zu vergessen, Du musst das Chaos auf der Bühne organisieren. Wenn der Sänger einen schlechten Tag hat, wird es ein schlechtes Konzert werden. Doch falls der Gitarrist mal einen schlechten Tag erwischt, stellt er sich einfach auf die Bühne und spielt, ob er einen Kater hat oder grummelig ist spielt da keine so große Rolle. Er kann den Gig immer noch meistern. Das Glück hast Du als Sänger nicht. Ich bin dafür, dass der Sänger das dreifache Geld bekommen. *lacht* Doch niemand hat mich bisher erhört.

In wieweit beeinflusst das Leben in Stockholm Deine Arbeit als Musiker und Produzent?

Erik: Es war großartig doch bin ich wieder von Stockholm zurück aufs Land gezogen. Ich lebe jetzt zirka 200km entfernt von Stockholm. Vor einigen Jahren bin ich aus einer Kleinstadt nach Stockholm gezogen, um mir das richtige Netzwerk im Musikbusiness aufzubauen, um Leute zu finden, die ambitioniert in einer richtigen Band spielen wollen. Tatsächlich kenne ich keinen Musiker, der direkt in Stockholm geboren ist. Es gibt so viele Leute aus bäuerlichen Familien, die vom Land in die Stadt ziehen. Der Gitarrist der Band Work Of Art, den wir auch bei W.E.T. dabei haben, er ist der einzige, den ich kenne, der gebürtig aus Stockholm kommt. Ehrlich, das ist schon unglaublich. All die Leute, die vom Land umzogen, haben sich schließlich gefunden. Doch heutzutage verfüge ich über all die Kontakte, die ich im Musikbusiness brauche. Deshalb bin ich zusammen mit meiner Familie zurück aufs Land gezogen. Ich habe zwei Kinder und es ist besser, wenn die Kinder in ruhiger Umgebung, mit weniger Autos und Straßen aufwachsen können.

Während der Sommermonate scheint die Sonne in Schweden fast 24 Stunden. Aber im Ernst, ich muss mich wundern, wie viele Stunden Dein Tag haben muss. Neben Deinen „Hauptbands“ arbeitest Du als Produzent für einige Musiker.

Erik: Ich arbeite schnell, das mag der Grund sein, all das bewältigen zu können. Ich erledige Dinge sehr schnell und normalerweise kommen sie gut raus. Und ich arbeite Vollzeit, da ich das zum Leben mache.

Du hast auch ein Solo-Album mit Legende Jimi Jamison aufgenommen. Was ist Dir aus dieser Zeit im Gedächtnis geblieben?

Erik: Ich bin wirklich stolz auf das Album. Ich denke, dass es fantastisch klingt. Wenn ich daran denke, wie alt er war, als wir das Album aufnahmen, er war 62 … und seine Stimme klang noch genau, wie als er 20 Jahre alt war. Ja ich bin sehr stolz darauf und es sollte eigentlich auch ein Nachfolgealbum geben, aber dazu sollte es leider niemals kommen. Er starb nur eine Woche nachdem mein Vater starb. Das war eine sehr dunkle Zeit für mich. Wir waren keine engen Freunde, wir haben halt zusammen gearbeitet. Er war schlicht ein toller Mensch und niemand konnte seinen Tod ahnen.

Als Eclipse 1999 gegründet wurde, stand Magnus Henriksson neben Dir an der Gitarre und Anders Berlin an den Drums und am Keyboard. Zu dieser Zeit waren Eclipse die jüngste Hard Rock Band. Sechzehn Jahre später seid Ihr immer noch sehr jung und könnt bereits auf eine eindrucksvolle Diskographie zurückblicken. Wie reifte die Entscheidung in Dir, die Motorrad-Karriere gegen die Gitarre und das Mikrofon einzutauschen und professioneller Musiker und Produzent zu werden?

Erik: Zu dieser Zeit war Motocross meine Leidenschaft und die Sache, mit der ich mich verwirklichen wollte. Ich wollte eigentlich meinen Lebensunterhalt damit finanzieren. Doch war ich nicht sonderlich erfolgreich, eher ein annehmbarer Fahrer. Ich hatte großes Interesse am Motocross und verbrachte einen Haufen Zeit damit. Mit den Gitarren hatte ich mich damals nur nebenbei beschäftigt, nicht wirklich ernsthaft. Als ich 18 oder 19 Jahre alt war hatte ich einen recht üblen Crash, bei dem ich mir meinen Fuß und mein Bein gebrochen hatte. Mein Fuß war voller Schrauben. Ich musste wochenlang im Krankenhaus bleiben und konnte lange Zeit nicht laufen. Damit war die Saison gelaufen. Da ich nichts anderes machen konnte, saß ich da und spielte Gitarre. Zu dieser Zeit entwickelte ich meine Leidenschaft fürs Gitarre spielen. Ich fuhr auch weiterhin Motocross, aber das lief doch aus und ich betrieb Musik immer ernsthafter. Ich hatte niemals den Plan, von der Musik zu leben – das passierte einfach. Ehrlich gesagt habe ich immer noch einen Plan, es passiert.

Der erste Song auf Eurem vorherigen Album “Bleed And Scream” heißt “Wake Me Up” und erzählt davon, aus einem Albtraum aufzuwachen. Denken wir mal an das Gegenteil, einen wunderschönen Traum. Wie sieht Dein persönlicher Traum aus, aus dem Du am liebsten nicht geweckt werden möchtest?

Erik: Ein wirklich schöner Traum für mich ist, Zeit mit der Familie zu verbringen, ein glückliches und gesundes Familienleben, gemeinsam die Welt erkunden. Was kann man mehr vom Leben erwarten?

Möchtest Du noch etwas ergänzen?

Erik: Nein, nicht wirklich. Danke für die Fragen zu all den Themen.

Vielen Dank für Deine Zeit. Es war mir eine Freude.

Eclipse Rockfabrik 2015

Info:

Erik Mårtensson
http://www.blowoutproductions.com/
https://www.facebook.com/erik.martensson.18

Eclipse
http://www.eclipsemania.com/
https://www.facebook.com/EclipseSweden

W.E.T.
https://www.facebook.com/TheBandWET
http://jeffscottsoto.com/news/

Åge Sten Nilsen’s Ammunition
https://www.facebook.com/ammunitionmusic
http://www.agestennilsen.com/en/

Eclipse Rockfabrik 2015

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