Die in Belgien basierte, international besetzte Band Epinikion, hat vor wenigen Wochen ihr hochklassiges Debüt veröffentlicht. „Inquisition“ ist ein opulentes Konzeptalbum geworden, mit einer sehr spannenden und bildgewaltigen Storyline, verpackt in ein sehr vielseitig komponiertes und aufwändig arrangiertes Symphonic Metal Gewand. 9/10

Epinikion ist die Schöpfung der klassisch ausgebildeten Pianistin und Keyboarderin Renate de Boer und Gitarrist Robert Tangerman. Nach dem Ende ihrer sportlichen Laufbahnen haben die Eheleute nach einem neuen, kreativen Betätigungsfeld gesucht, et voilà, Epinikion wurde geboren. Die Band wurde in 2020 gegründet und als Folge der musikalischen Tendenzen und Vorlieben von Renate de Boer und Robert Tangerman, war es dann fast schon die logische Konsequenz, klassische Musik mit harten Heavy Metal Klängen zu kombinieren. Die beiden kreativen Künstler entwickelten Ideen und erste Songs sind entstanden. Es wurden natürlich noch weitere Mitstreiter gesucht, die dann, nach dem einen oder anderen Wechsel, nun wie folgt, aussehen. Am Mikro ist die wundervolle und unheimlich vielseitige, italienische Sängerin Eleonora Damiano zu finden. Wem der Name bekannt vorkommt, sie ist auch Teil der großen Familie des Vivaldi Metal Projects. Dazu gesellt sich der türkisch stämmige Emre Demir am Bass. Als permanenten Dauer-Gast oder eigentlich fast schon festes Bandmitglied, könnte man den, unter anderem,  in der Türkei verwurzelten Lead-Gitarristen Levent Gasgil bezeichnen, der dem Album mit seinem versierten Spiel, etliche Highlights und Facetten beschert hat. Einen festen Schlagzeuger gibt es noch nicht. Wenn es allerdings auf die Bühne geht, können Epinikion auf niemand geringeres zurückgreifen, als auf Phantom Elite Drummer Joeri Warmerdam. Ansonsten waren unter anderem, Session-Drummer Tirtzah Bego und Vincent Verstrepen gelegentlich involviert. Es gibt noch den einen oder anderen, mitunter sogar sehr namhaften Gast am Mirko zu begrüßen, dazu aber später dann mehr. Das Album wurde Label unabhängig veröffentlicht, das wunderbare Cover-Artwork und auch so manches Promo-Foto, stammt von der großartigen Beatrice Demori, die im Genre ja wahrlich keine Unbekannte ist. Mix und Master lag in der versierten Hand von Yarne Heylen. Renate de Boer und Robert Tangerman haben in ihr Debüt wirklich sehr viel Energie, Kreativität und Herzblut gesteckt. Die Stücke wurden allesamt sehr aufwändig, facettenreich und detailverliebt komponiert. Das ganz große Plus sind die Arrangements und die vielen tollen Keyboard-Parts, die diesem Album so viel Charisma und Volumen geben. Die klassischen Elemente sind unglaublich stark in Szene gesetzt, überladen die Songs aber zu keiner Zeit. Es ist eine sehr filigran abgestimmte Mischung zwischen dem schweren, teils auch progressiv akzentuierten Heavy Metal und den opulenten, wunderschönen Orchester-Arrangements, mit denen es ein ums andere Mal, großartig gelingt, vor allem die Stimmungen und Emotionen der einzelnen Stücke, wunderbar zum Leben zu erwecken und diese auch perfekt zu betonen. Natürlich haben alle Musiker auch vor Epinikion schon ihre Erfahrungen gesammelt aber so ein fein abgestimmtes Werk, wie „Inquisition“, als Debüt vorzulegen, verlangt großen Respekt ab, für alle beteiligten Künstler. Eine interessante Sache möchte ich euch übrigens nicht vorenthalten. Der wundervolle, hochinteressante Bandname stammt aus der griechischen Antike. „Epinikion“ war eine, von Chören gesungene Hymnen, mit der Sieger von sportlichen Wettbewerben geehrt und gefeiert wurden, vor allem bei festlichen Großveranstaltungen, wie beispielsweise den olympischen Spielen. Ich habe eingangs schon erwähnt, dass „Inquisition“ ein Konzept-Album ist, mit einer spannenden und tiefgehenden Geschichte. Hier ein kleiner Einblick. Die Story spielt in einer Zeit, als spanische Inquisitoren in den Niederlanden ihr Unwesen trieben. Die Hauptprotagonistin hier, ist die junge Eleonor, die der Häresie oder man kann auch sagen, der Ketzerei angeklagt wird. Alles aber nur unter dem Vorwand, weil ein spanischer Inquisitor ihr nicht die Liebe zu seinem Sohn Luca erlauben will. Das war damals glaubenstechnisch ein Ding der Unmöglichkeit, wegen der unterschiedlichen religiösen Herkunft. Die beiden wehren sich aber mit aller Kraft und kämpfen um ihre Liebe. Nun, die Zeiten damals und die, für uns heute, nur schwer nachvollziehbaren Ideologien und Werte, liefern die Basis für diese aufregende Geschichte, die aber natürlich, in dem einen oder anderen Moment, auch durchaus Bezug zur Realität haben kann. So manche, schwierige Verstrickung in Beziehungsdingen, wird vermutlich jeder nachempfinden können. Renate de Boer und Robert Tangerman ist es auf jeden Fall gelungen, eine unterhaltsame, dramatische und natürlich auch sehr emotionale Story zu verfassen, die eine ebenso brillante, wie facettenreiche, musikalische Inszenierung bekommen hat. Da bin ich mal wieder bei meiner Vorstellung, eine klassische, opernartige Darbietung, mit einem Heavy Metal Gewand einzukleiden und das Ganze, mit vielen Darstellern, auf einer großen Bühne, zum Leben zu erwecken. Na, irgendwann, wagt sich da bestimmt mal einer dran, so etwas Gewaltiges in die Tat umzusetzen.

Kommen wir aber nun zur Musik und starten mit der klassischen Overture „The Council Of Troubles“, der wunderschönen, schweren, instrumentalen, orchestralen Einleitung von „Inquisition“. Nach sehr gelungener Überleitung ist die Dramatik, die dem Stück inhaltlich zugrunde liegt, förmlich greifbar. Mit schöner Erzählstimme wird der Zuhörer auf die kommenden Ereignisse eingestimmt und instrumental geht es dann auch mit voller Kraft los. Robert Tangerman liefert ein paar starke Riffs ab und auch Eleonora Damiano zeigt gleich von Beginn an, dass sie genau die richtige Sängerin ist, um all diese vielen Facetten der Storyline in Perfektion darzubieten. Die Struktur des Titelstücks ist sehr spannend, mit vielen Wendungen. „Love So Sublime“ startet mit starkem Bass- und Gitarre-Spiel, bei dem sich Emre Demir, Levent Gasgil und Robert Tangerman voll in ihrem Element fühlen dürfen. Die Vocals wirken schwer und getragen, wegen der inhaltlichen Thematik, auch ein wenig melancholisch. Die Stimmung wird perfekt umgesetzt, Garant dafür sicherlich auch das tolle Spiel von Renate de Boer und die grandiosen klassischen Parts, die eine fantastische Basis legen. Immer wieder nimmt der Song Fahrt auf und sorgt so für viel Abwechslung. Ein klasse Video gibt es zu „Welcome To The Wonderful World Of Jealousy“. Der Titel alleine, beschreibt schon gut, um was es in diesem Teil der Geschichte geht. Zu Beginn stehen die Saiten-Instrumente klar im Vordergrund, die üppige klassische Untermalung, macht aus dieser Nummer einen echten Symphonic-Metal-Hit. Beinahe im Galopp treibt das Stück voran, liefert aber auch ein paar epische Momente und Levent Gasgil darf seine Fähigkeiten als Lead-Gitarrist erneut unter Beweis stellen. „Stand Up And Fight“ bereitet die Bühne für Gast-Sänger Loek Verlaan, der hier gesanglich, die Hauptrolle übernimmt. Instrumental ziemlich flott, mit progressiven Elementen. Ein Power-Song mit einer erhabenen Gesangsmelodie. Zu meinen absoluten Top-Favoriten gehört zweifelsfrei „On The Brink Of Despair“. Ein recht rasantes Lied, immer wieder begleitet von tollen Backing-Chören. Eleonora Damiano’s Gesang wirkt fast schon majestätisch und verleiht dem Stück so, eine ganz besondere Ausstrahlung. Die Arrangements sind hier ganz besonders stark und auch am Keyboard, macht Renate de Boer wieder einen ganz herausragenden Job. Ein paar ruhige, emotionale Augenblicke sorgen genauso für gute Abwechslung, wie auch einige orientalische Klangmuster, die dem Song viel Ausdruck und Individualität verleihen. „In The Middle Of The Night“ beginnt relativ ruhig. Schwere und dominante Streicher-Parts stehen im Vordergrund, ehe ein kraftvolles Break den Zuhörer aus der Lethargie holt. Feine Stimmung, super arrangiert, sehr wandlungsfähig und viele Tempowechsel sorgen hier für das richtige Feuer. Als Gastsängerin ist bei diesem Stück Tamara Bouwhuis (Dim Crimson) zu hören, die mit einer richtig starken Gesangsleistung dafür sorgt, dass man dieses Lied, zu den ganz großen Hits dieses Albums zählen darf. Ein weiteres Top-Highlight ist fraglos „Sail Away“. Renate de Boer wie gewohnt, mit großartigem Keyboard-Spiel gleich zu Beginn, dazu tolle Streicher-Sequenzen. Weitere, wunderschöne klassische Arrangements, laden den Zuhörer ein, zu einem opulenten, cineastisch angehauchten Klangerlebnis. Kein Wunder, Renate und Robert sind beide große Fans von Hans Zimmer, dem vielleicht größten Filmmusik-Komponisten. Der Gesang kommt zunächst sanft und schwer rüber, im Weiteren dann erhaben und kraftvoll intensiv. Was bei „Sail Away“ besonders auffällt und genial umgesetzt wurde, ist der langsame Spannungsaufbau, der eigentlich eher im Hintergrund stattfindet aber nach und nach immer stärker wird und die Dramatik wirklich fast bis zum Zerbersten steigert. Das muss man am besten mit Kopfhörern genießen, um das bestmöglich zu erfassen. Sensationell gemacht! Ein paar dezente Growls im Hintergrund, setzen noch ein weiteres Highlight, ein sehr anspruchsvoller, instrumentaler Mittelteil, ist dann das Sahnehäubchen auf der Torte. Unnötig zu erwähnen, dass Epinikion diesem Stück auch ein gewaltiges Finale verpasst haben. MEGA! „False Faced Demon“ ist bereits im letzten Jahr, nebst Video, präsentiert worden und stellt auch gleichzeitig den namhaftesten Gast vor. Als Gastsängerin für ein Album, bei dem es inhaltlich, um Inquisition, Ketzerei etc. geht, hätte man wohl niemand geeigneteren finden können, als Burning Witches‘ Front-Hexe Laura Guldemond höchstpersönlich. Der Song kommt schon ein wenig im Power Metal Stil rüber, was natürlich auch der sehr rockigen Attitüde von Laura Guldemond geschuldet ist, die dem Stück ein schönes, raues Charisma verleiht. Die tolle Metal Sängerin gibt dem Song natürlich auch Ausdrucksstärke und bringt sehr viel Energie mit. Selbstverständlich wird die Nummer auch von einer sehr druckvoll agierenden Saiten-Fraktion begleitet, Robert Tangerman, Levent Gasgil und Emre Demir legen all ihre Power in den Song. Aber auch die gewaltige, orchestrale Begleitung darf man nicht vergessen, die dem Lied ein unglaubliches Volumen verleiht. Nun brauchen wir alle mal eine kleine Verschnaufpause, da kommt dann die wundervolle Ballade „If I Could Turn Back Time“ gerade Recht und nein!, es ist kein Cher-Cover! Renate de Boer begeistert einmal mehr mit ihren wunderbaren Fähigkeiten an den Tasteninstrumenten, sehr schöne Streicher gibt es mit dazu. Eleonora Damiano liefert mit verträumter Stimme die melancholische Ausstrahlung für dieses wundervolle Lied, bei dem die Gedanken und textlichen Emotionen, sehr gut zur Geltung kommen. Dazu gesellen sich als Gäste Monique de Bruin und Debby Zimmermann. Das teils sogar dreistimmig gesungene Stück, ist wirklich ein sehr feiner Höhepunkt auf „Inquisition“. Vom Gesamt-Feeling her, erinnert mich der Song ein klein wenig, an ruhige Lieder von Sacred Groove und Dark Sarah. Mit wuchtiger Instrumentierung geht es dann bei „Strangers In The Dark“ deutlich kraftvoller und temporeicher weiter. Levent Gasgil mit starker Lead-Gitarre, Robert Tangerman man sattem Riffing, dazu druckvolles Schlagzeug und ein weiteres Mal, eine exzellent arrangierte, klassische Begleitung, sind die Zutaten für diese großartige Nummer. Auch Renate de Boer bekommt wieder die Gelegenheit mit einer wunderbaren Keyboard-Passage im Vordergrund zu stehen, einfach toll, was diese begabte Künstlerin alles aus ihrem Instrument heraus zaubert. Mit einem rasanten Endspurt bewegen wir uns dann hin, zum letzten Stück eines mehr als 60-minütigen Meisterwerkes. Den Abschluss dieses denkwürdigen Debüts macht „The Courage To Change“, ein richtig schönes Kraftpaket zum Ende. Der Song kommt im hymnischen Ambiente und opulenter Orchestrierung daher, liefert nochmal alle Facetten von Eleonora Damiano’s wunderschöner Stimme und einer der Herren, liefert dazu auch noch ein paar kraftvolle Growls. „The Courage To Change“ ist ein wirklich würdiges Finale. Auch wenn dies hier natürlich in dem geschichtlichen Kontext der Storyline steht, denke ich aber trotzdem, die Botschaft die in der Titelzeile steckt, darf gerne jeder ein bisschen für sich selbst interpretieren. Den tatsächlichen Mut für Veränderungen haben nicht viele aber er kann einem einige neue Möglichkeiten bieten. Renate de Boer und Robert Tangerman haben eben jenen Mut bewiesen, einen neuen Weg in ihrem Leben eingeschlagen und die wundervolle Band Epinikion gegründet.

Das Album „Inquisition“ ist der beste Beweis dafür, was dabei herauskommt, wenn man mutig, kreativ und einfallsreich seine Ziele verfolgt. In diesem Fall, ein phänomenales Debüt! Herzlichen Glückwunsch an Renate de Boer, Eleonora Damiano, Robert Tangerman, Emre Demir und Levent Gasgil. Den Musikern von Epinikion und all den großartigen, beteiligten Gästen, ist es mit Bravour gelungen, die musikalischen Wurzeln, ihre individuellen Talente und künstlerischen Fähigkeit, auf den Punkt zu fokussieren und ein unglaublich vielseitiges, unterhaltsames und spannendes Album zu veröffentlichen. Epinikion sind momentan sicherlich „noch“ ein Geheim-Tipp, vor allem, für musikalische Feinschmecker im Symphonic Metal Genre. Aber wenn diese wunderbare, sympathische und kreative Band ihren Weg so weiter geht, stehen die Zeichen gut, für eine tolle Zukunft! Ich wünsche es euch sehr!

Band

Eleonora Damiano (Gesang)
Renate de Boer (Keyboard, Piano, Arrangements)
Robert Tangerman (Gitarre)
Levent Gasgil (Gitarre)
Emre Demir (Bass)

Titel

  1. The Council Of Troubles
  2. Inquisition
  3. Love So Sublime
  4. Welcome To The Wonderful World Of Jealousy
  5. Stand Up And Fight
  6. On The Brink Of Despair
  7. In The Middle Of The Night
  8. Sail Away
  9. False Faced Demon
  10. If I Could Turn Back Time
  11. Strangers In The Dark
  12. The Courage To Change
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