Das Jahr 2021 beginnt mit einem gewaltigen Paukenschlag. Die österreichische Power-/Melodic-Metal-Band Dragony, schreibt mit „Viribus Unitis“ nicht nur die Geschichte von ihrem früheren Kaiser Franz Joseph I. neu, sie fügt auch ihrem eigenen Lebenslauf, ein großes und spannendes Kapitel hinzu.

Fans des Genres und harter, österreichischer Rockmusik, ist der Name Dragony, selbstverständlich schon seit Jahren ein Begriff. Dennoch bin ich sehr stark davon überzeugt, dass die Wiener Power-Metal-Institution mit „Viribus Unitis“ ein großer Clou gelungen ist und sie ihren Fankreis damit, um ein vielfaches erweitern werden. Ich habe Dragony eigentlich schon seit ihrem Debüt verfolgt und war immer von ihrer Musik überzeugt und begeistert. Es war auch bei jedem der bisherigen 3 Alben und der „Lords Of The Hunt“ – EP, eine stetige Steigerung zu erkennen. Es wurden stilistisch immer mal wieder ein paar Stellschrauben gedreht aber das Ergebnis von „Viribus Unitis“ ist, trotz aller vorangegangener Meisterwerke, nochmal ein echter Quantensprung. Hier schon mal der erste Glückwunsch an Sänger und Mastermind Siegfried Samer und seine Mannen. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass Dragony bereits im Januar dieses Jahres, die Messlatte für alle Power- und Melodic-Metal-Alben, die in 2021 noch kommen, verdammt hoch gelegt hat. Und ich sag euch auch, da kommen noch verdammt viele. Wie es sich für eine österreichische Metal-Band mit geschichtlichem Interesse gehört, ihr kennt das ja auch von den Kollegen Serenity, haben sich auch Dragony, für ihre neue Scheibe, ein spannendes, historisches Thema ausgesucht, nämlich ihren höchsteigenen Kaiser Franz Joseph I. Ja, das ist der Franz von der Sisi und ja, das ist kein Tippfehler, die Sisi schreibt sich im Ursprung tatsächlich nur mit einem „s“ in der Mitte. Der Monarch, der aus dem Habsburger Geschlecht stammte, lebte von 1830 bis 1916 und hatte einen langen und umtriebigen Lebenslauf. Jedoch war es nun nicht im Interesse von Siegfried Samer und seiner Truppe, die Geschichte einfach so zu vertonen, das wäre ja vergleichsweise, langweilig gewesen. Nein, sie haben die Story einfach ein wenig umgeschrieben und ein paar Figuren der Geschichte hinzugefügt. Mit viel Fantasie, einem Augenzwinkern und ihrem angeborenen Wiener Charme, haben Dragony ein farbenfrohes, ironisches und in höchstem Maße mitreißendes, Metal-Album erschaffen. Schaut euch alleine nur die starken Illustrationen auf dem aufwändig gestalteten Cover (von Dusan Markovic) an, u.a. mit Sisi als Zombie, ich denke jedenfalls, dass sie das sein soll. Also, an alle Geschichtsfreunde und Historiker, bitte nicht zu ernst nehmen, das ist Kunst und zu der kommen wir jetzt auch gleich. Eines aber noch. Der Titel „Viribus Unitis“ hatte in der Geschichte mehrere Bedeutungen. Zum einen war es ein Wahlspruch von Kaiser Franz Joseph I, zum anderen wurde so, auch ein Kriegsschiff-Modell der ungarischen Marine bezeichnet und außerdem, gab es natürlich noch den bekannten Marsch von Johann Strauss, der ebenfalls so hieß. Sucht es euch aus, ich denke aber, der Wahlspruch vom Kaiser, gab den Ausschlag für den Album-Titel.

Dragony kommen als musikalisches Six-Pack daher. Neben Sänger Siegfried Samer, sind an den Gitarren Andreas Poppernitsch und Simon Saito zu hören, der Bass wird von Herbert Glos (auch Visions Of Atlantis) betreut, die Felle vermöbelt Frederic Brünner und Manuel Hartleb haut in die Tasten. Nachdem man sich im Hause Dragony für „Viribus Unitis“ eine ganze Menge vorgenommen hat, wurden auch keine Kosten und Mühen geschont, um sich von ein paar der besten Musiker, Komponisten und Produzenten unterstützen zu lassen. Hier sei an erster Stelle mal Producer und Songwriter Frank Pitters erwähnt, der ja auch bei den letzten Werken von Visions Of Atlantis, maßgeblich mit beteiligt war. Dazu gesellen sich noch Michele Guaitoli (Visions Of Atlantis; Temperance), Alessia Scoletti (Temperance), Georg Neuhauser (Serenity) und Matvei Plekhanov, um nur mal ein paar große Namen zu nennen. Die Musik ist in Gemeinschaftsarbeit entstanden und die Lyrics hat im Wesentlichen, seine Majestät, der Chef höchstpersönlich verfasst, ich meine natürlich Sigi Samer. Oder wie ich ihn unlängst, anlässlich des Albums und seiner Garderobe, mal mit Augenzwinkern betitelt habe, Kaiser Franz Joseph Samer.

Musikalisch gibt es eine opulente Mischung aus Power-Metal, Melodic-Metal und einigen sinfonischen Arrangements. Aber auch die, schon seit einer Weile im Sound von Dragony beheimateten, 80er-Jahre Melodic-Rock-Elemente, finden auf „Viribus Unitis“ wieder gelegentlich, einen Platz.

Stilecht, wie es sich für ein Album vor diesem Hintergrund gehört, starten wir mit einem Wiener Walzer. Um genau zu sein, wird hier Johann Strauss‘ „An Der Schönen Blauen Donau“ („On The Blue Danube“) neu arrangiert und zwar von Lukas Knoebel, der auch ansonsten, einige Orchesterarrangements beigesteuert hat. Mit „Gods Of War“ legen Sigi und seine Jungs dann aber richtig los. Ein sehr flotter Power-Metal-Track. Gitarrenläufe in bester, nein, in allerbester Helloween-Manier, Turbo-Schlagzeug und fette Chöre runden den Song ab. Die Musik stammt hier übrigens aus der Feder von Tommy Johansson (Sabaton, Majestica) und Tomas Svedin (Symphony Of Tragedy), beides Freunde der Band. „Love To Death“ stammt aus der Feder von Michele Guaitoli (VoA, Temperance). Dem Stück liegt ein Hauch von Marsch-Musik zugrunde. Den einen oder anderen, wird das vielleicht ein wenig an das musikalische Grundthema aus dem Film „Die Hard 3“ erinnern, vielleicht geht es aber auch nur mir so. Auf alle Fälle eine rhythmische Hymne mit getragenen, ausdrucksstarken Vocallines, mit ordentlich vielen Arrangements. Eine weitere tolle Nummer! „Magic“ ist so ein bisschen mein heimlicher Favorit auf dem Album. Ein rasanter Powertrack mit ein paar gekonnten Tempowechseln, Siegfried Samer in absoluter Topform am Mikro, ein phänomenaler Refrain. Das ist Champions League meine Herren! Mit der Riff-Hymne „Darkness Within“ geht ein schöner Gruß nach Schweden, zu den Kollegen von Hammerfall. Nebenbei bemerkt, eine solche Prachtnummer haben die Skandinavier schon seit Jahren nicht mehr zustande gebracht aber das nur als kleine Randbemerkung. Hätte ich noch lange Haare, ich wüsste genau was zu tun ist. Das Stück ist neben der knackigen Gitarrenarbeit und den Power-Drums, auch sehr abwechslungsreich. Die üblichen, gewaltigen Chöre, Keyboard-Intermezzi, Double-Bass-Attacken, da passt das gesamte Paket! Bei „A.E.I.O.U.“ muss ich ein klein wenig weiter ausholen. Die Abkürzung steht für die lateinischen Worte „Austriae Est Imperare Orbi Universo“, was so viel bedeutet wie, „Es ist Österreich bestimmt, die Welt zu beherrschen“, ein Wahlspruch aus dem Hause Habsburg, dessen Ursprung mindestens bis ins 15. Jahrhundert zurück geht. Ich wundere mich ja fast, dass man das nicht als Albumtitel verwendet hat aber vielleicht wäre das bei dem einen oder anderen, dem der Blick auf die Geschichte und/oder auch der Sinn für Humor fehlt, etwas falsch angekommen. Nun, um aber die Vormacht-Stellung im österreichischen Power-Metal zu verdeutlichen, steht bei diesem großartigen Song, niemand Geringerer, als Serenity-Frontmann Georg Neuhauser, an der Seite von Siegfried Samer. Die beiden liefern ein sehr starkes Duett ab, was natürlich in allerbester Manier, instrumental begleitet wird. Einer der absoluten Top-Stücke auf Dragony‘s Album Nr. 4. Ich möchte sagen, ein Fall für die Sendung „Melodien…..“, nein, „Hymnen für Millionen“. Orchestral, kraftvoll und bombastisch kommt der Titel-Song „Viribus Unitis“ daher. Auch hier wieder ein weiteres großes Plus, die mega-starken Chöre. Die geben dem Ganzen derart viel Power und Volumen, das ist, als wenn man im Meer, von einer großen Welle überrollt wird. Ein paar folkige Klänge begleiten das folgende „Golden Dawn“. Ein klein wenig gemindertes Grundtempo aber Frederic Brünner mit sehr dominantem Schlagzeugspiel und Herbert Glos mit ausdrucksstarkem, kräftigem Bass. Die folkloristischen Melodiebögen geben dem Stück hier und da, fast schon eine leicht verträumte Attitüde. Gewaltige Orchesterparts liefern wieder mal die Füllung und den Zuckerguss für die Torte. „Made Of Metal (Cyberpunk Joseph)“ beginnt mit einem knackigen Gitarre/Keyboard-Spiel. In bester Melodic-Rock-Qualität. Freilich wird es im Verlauf dann Metal-lastiger, man muss ja auch dem Titel Tribut zollen. Vielleicht der Text mit dem größten Augenzwinkern auf dem Album. Auf alle Fälle eine, mit viel 80er-Pomp versehene Parade-Nummer für die Bühne. „Battle Royal“ verlangt natürlich nach einem opulenten Rahmen. Den gibt es dann freilich auch. Musikalisch vielleicht der ausgefeilteste Song. Eine Monster-Hymne, mit allen Zutaten, die eine „königlich/kaiserliche Schlacht“ so braucht. Neben den weiterhin dominanten Arrangements und Drums, stehen hier auch Andreas Poppernitsch und Simon Saito, einmal mehr, mit grandioser Gitarrenarbeit im Vordergrund. „Legends Never Die“ ist dann schon fast das Ende dieses sensationellen Meisterwerks. Ein rhythmischer, wuchtiger Track mit tollem Refrain aber auch eine neuerliche Spielwiese für Tastengott Manuel Hartleb. Ja, auch Österreich hat seinen Holopainen. Hier sehe ich schon die Interaktion zwischen Band und Publikum, die Lyrics sind dafür prädestiniert. Ganz großes Kino für die Ohren! Zum endgültigen Abschluss von „Viribus Unitis“ werden die 6 Ösis mit einem Bonustrack, nochmal richtig mutig aber das wird auch belohnt. In der Historie von Dragony hat es schon den einen oder anderen Cover-Song gegeben, der vielleicht eher untypisch ist, so dann auch hier geschehen. Passend zum Thema und natürlich ihrer Heimatstadt Wien, haben sich Dragony einen Klassiker von Rainhard Fendrich ausgesucht, der auch weit über die Grenzen Österreichs hinaus, bekannt ist und zumindest im deutschsprachigen Raum, überall ein Hit war. Die Rede ist natürlich von „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen“. Manche würden vielleicht sagen, Blasphemie, ich sage, als Wiener Urgesteine dürfen die das und sie haben es hammermäßig gut gemacht, um nicht zu sagen legendär. Das macht einfach nur Spaß!

Mein lieber Sigi, ich verneige mich und ziehe meinen imaginären Hut. Du hast mit deinen Band-Kollegen von Dragony und allen die mit involviert waren, ein grandioses Album herausgebracht. Ich bin von „Viribus Unitis“ einfach nur restlos begeistert. Glückwunsch an dich und deine Bandmates! Wenn Corona uns alle lässt, hoffentlich bis bald. Bis dahin „Let’s get rocked, not infected“!

 

Band

Siegfried Samer (Gesang)
Andreas Poppernitsch (Gitarre)
Simon Saito (Gitarre)
Herbert Glos (Bass)
Manuel Hartleb (Keyboard)
Frederic Brünner (Schlagzeug)

Titel

 

  1. On The Blue Danube
  2. Gods Of War
  3. Love You After Death
  4. Magic
  5. Darkness Within
  6. A.E.I.O.U. (feat. Georg Neuhauser)
  7. Viribus Unitis
  8. Golden Dawn
  9. Made Of Metal (Cyberpunk Joseph)
  10. Battle Royale
  11. Legends Never Die
  12. Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen? (Bonus)
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