Nicht mal ganz 3 Jahre nach dem Jahrhundert-Album „Ghostlights“, präsentiert Tobias Sammet mit Avantasia, sein neues Monumental-Werk „Moonglow“.

Eigentlich, so war zu lesen, wollte sich Tobias Sammet eine kleine Auszeit aus dem Musikbusiness gönnen, um den üblichen Mechanismen der Branche, ein wenig zu entfliehen. Nun, schlussendlich hat die Kreativität aber wieder einmal gesiegt und an Stelle eines neuen Edguy-Albums, was viele erwartet hatten, gibt es ein neues Avantasia-Masterpiece.

Insgesamt würde ich sagen, ist „Moonglow“ ein Stück weit verspielter ausgefallen, als der Vorgänger, was auch dazu geführt hat, dass ich etwas länger gebraucht habe, um alle Facetten des aktuellen Opus, zu erfassen. Tja, was soll ich sagen, Tobi hat es wieder mal geschafft, ein unglaublich vielseitiges und abwechslungsreiches aber natürlich auch genauso unterhaltsames Stück Musikgeschichte, zu komponieren. Ich ziehe meinen Hut, vor einer derart unerschöpflichen Kreativität und das damit einhergehende Gespür, die passenden Gastmusiker, für die jeweiligen Stücke zu finden und diese, dank seines immens hohen Standings im Genre, auch zu bekommen. Die Liste ist freilich wieder lang und eine ganz illustre noch dazu. Viele Weggefährten der letzten Jahre sind wieder mit dabei, wie Jorn Lande, Bob Catley (Magnum), Ronnie Atkins (Pretty Maids; Nordic Union), Eric Martin (Mr. Big), Geoff Tate ( Ex-Queensryche) und natürlich Michael Kiske (endlich wieder Helloween). Auf „Moonglow“ gibt es aber auch ein paar neue Stimmen zu bewundern. Als da wären, Hansi Kürsch (Blind Guardian), mit dem er vor vielen Jahren schon bei Edguy mal zusammengearbeitet hat, Mille Petrozza (Kreator), zu dem auch eine langjährige Freundschaft besteht und last but not least, die bezaubernde Candice Night, die Ehefrau von niemand Geringerem, als Richie Blackmore, mit dem sie ja auch die wunderbare Band Blackmore’s Night betreibt. Avantasia wäre aber natürlich nur die Hälfte wert, ohne das, über viele Jahre, bewährte Team an den Instrumenten. Sascha Paeth zeichnet selbstverständlich wieder verantwortlich für die Saiteninstrumente aber auch für Mix und Produktion. Die Keys liegen, wie gewohnt, in der Hand von Michael Rodenberg und für die Power hinter der Schießbude, ist erneut Edguy-Kollege Felix Bohnke zuständig. Die Liste der vielen Musiker, die sich beim aktuellen Avantasia-Werk sonst noch mit eingebracht haben, ist natürlich noch lang, würde hier aber den Rahmen sprengen.

Wenden wir uns der Musik zu. „Moonglow“ beherbergt 12 grandiose, weitestgehend sehr opulente und verspielte Stücke. Jedes einzelne davon, ein Beleg großer musikalischer Schaffenskunst, veredelt durch die vielen fantastischen Stimmen, die Tobias Sammet begleiten und seine Kompositionen zu den epischen Stücken werden lassen, für die er nun schon seit fast 20 Jahren mit Avantasia bekannt ist.

„Ghost In The Moon“ ist der Opener. Ein knapp 10-minütiges Meisterwerk, irgendwo zwischen Metal-Oper und Musical. Tobias Sammet geht damit endgültig in die Geschichte ein, als Jim Steinman (Hit-Schreiber für Meat Loaf) der Neuzeit. Nur wenige würden sich trauen, ein so langes und vielschichtiges Stück an den Anfang zu stellen, bei Avantasia ist dies aber ein perfekter Start in eine Reise, durch gut 70 Minuten feinsten Hörgenuss. Auch wenn „Moonglow“ nicht direkt verwandt oder verschwägert ist, mit dem 2016er-Album „Ghostlights“, so ist doch bei „Ghost In The Moon“ eine gewisse Verbindung zu „Mystery Of A Blood Red Rose“ vorhanden. Nicht nur durch die Verwendung der Textzeile, auch musikalisch, knüpft der aktuelle Opener, an seinen Vorgänger an. „Book Of Shallows“ ist ein recht flotter Kracher, passend hier auch zur Stimme u.a. von Mille Petrozza. Erinnert etwas an die „Scarecrow“-Zeit. Für mich ein ganz besonderes Highlight auf „Moonglow“, ist der Titeltrack. Das Duett mit der wunderbaren Candice Night, ist einfach nur fantastisch und es gibt auch ein schönes Video dazu. Tolle Gesangsmelodien, verträumte Stimmung und ein hitverdächtiger Refrain. Nur Tobias Sammet schafft es, einen musikalischen Spagat hinzulegen, der irgendwo zwischen „Moonlight Shadow“ (Mike Oldfield) und „Alpenglow“ (Nightwish) liegt und das ganze dabei auch noch authentisch klingen zu lassen. Ich verneige mich, lieber Tobi! „The Raven Child“ war der erste Song, der vom neuen Avantasia-Album veröffentlicht wurde, dazu gibt es auch ein nettes Video. Im Besonderen die Vocals von Hansi Kürsch, lassen dieses Stück zu einem wahren Epos wachsen. Erinnerungen an so manchen Blind Guardian-Hit werden geweckt. „Starlight“ und „Invincible“ sind sehr kurz geratene aber auf den Punkt komponierte Songs. Der zweitgenannte ist jedoch ein wenig, als Einstimmung auf „Alchemy“ zu sehen. Beide Stücke mit einem Geoff Tate in Bestform. Ich kann mir niemand vorstellen, der das besser intonieren könnte. „The Piper At The Gates Of Dawn“ ist ein monumentaler Titel, der ganz besonders für die bevorstehenden Live-Aktivitäten prädestiniert ist. Der Song vereint fast alle beteiligten Sänger und wird die Bühnen ziemlich voll werden lassen. Neben Tobias Sammet, sind hier Ronnie Atkins, Eric Martin, Bob Catley, Jorn Lande und Geoff Tate zu hören. Ein wunderbar abwechslungsreiches aber auch recht flottes Lied. Es gab ja mal mit Edguy auch ein Stück, in dem der „Piper“ eine Hauptolle gespielt hat. Einen musikalischen Querverweis dorthin, finde ich durchaus nicht ganz abwegig. Das folgende „Lavender“ ist ein Parade-Stück für die Stimme vom immer noch sensationellen Bob Catley. Sehr rhythmisch mit fettem Refrain. Toller Song. „Requiem For A Dream“ ist leider der einzige Track, mit Michael Kiske. Nachdem er augenblicklich, logischerweise, sein Hauptaugenmerk auf die wiedervereinten Helloween legt, worüber wir alle natürlich sehr glücklich sind, sei ihm das selbstverständlich verziehen. Dafür ist der Song aber auch wirklich super und ein echter Kiske-Knaller. Seine Duette mit Tobi sind schon immer meine liebsten gewesen. Etwas untypisch für Avantasia aber dennoch stimmig und fantastisch, ist das Flashdance-Cover „Maniac“. Es gibt davon zwar schon etliche Remakes, zuletzt von der, von mir so geschätzten und verehrten, norwegischen Sängerin Minniva, jedoch ist die Avantasia-Version eine ganz besondere und sehr eigenständige. Das Flair des Originals bleibt grundsätzlich erhalten aber die Stimmen von Eric Martin und Tobias Sammet, geben dem doch recht knackig instrumentierten Cover, eine einzigartige Ausstrahlung. Immer noch ein Tanzflächen-Feger, nun aber eher für die Metal-Discos. Das abschließende „Heart“ ist dann nochmal, genau wie der Opener, ein Solo-Stück vom Mastermind himself. Eine schöne Melodic-Metal-Nummer. Sehr hymnisch und mitreißend. Ein würdiges Ende, eines neuerlich überragenden Avantasia-Albums.

Lieber Tobi, wenn deine Auszeiten solche Wunderwerke hervorbringen, dann hast du, wie immer, alles richtig gemacht.

Übrigens, werte Leser, nicht vergessen, dass ab März die „Moonglow“-Tour startet. Etliche Shows sind schon ausverkauft, also wer sich dieses phänomenale Bühnenerlebnis nicht entgehen lassen will, sollte zügig zuschlagen.

Band

Tobias Sammet (Gesang)
Sascha Paeth (Gitarre, Bass)
Michael Rodenberg (Keyboard, Orchestrationen)
Felix Bohnke (Schlagzeug)

 

Gastsänger

Candice Night
Hansi Kürsch
Ronnie Atkins
Jorn Lande
Geoff Tate
Bob Catley
Eric Martin
Mille Petrozza

 

Titel

  1. Ghost In The Moon
  2. Book Of Shallows
  3. Moonglow
  4. The Raven Child
  5. Starlight
  6. Invincible
  7. Alchemy
  8. The Piper At The Gates Of Dawn
  9. Lavender
  10. Requiem For A Dream
  11. Maniac
  12. Heart

 

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