Es gibt wieder aufregende Neuigkeiten aus Mysteryhausen! Tobias Sammet’s Avantasia haben ein weiteres, epochales Meisterstück am Start. „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“ verzaubert und begeistert mit nicht weniger als 11 Top-Hits. Stilistisch, wie gewohnt, eine bunte Mischung aus Symphonic-, Melodic- und Power Metal. 10/10

Was vor über 20 Jahren als Idee und Vision des jungen Edguy Sängers Tobias Sammet begann, ist über die Jahre zu einer festen Institution im Heavy Metal Zirkus geworden. Selbst die üblichen Genre Kritiker müssen immer eingestehen, dass es dem so vielseitig talentierten Mastermind Tobias Sammet, Album für Album gelingt, grandiose Kompositionen zu erschaffen und eine Größe der Metal Szene nach der anderen, für seine Metal Oper Avantasia zu begeistern und zu gewinnen. Wahrlich eine tolle Leistung! Ich habe den Weg von Edguy nahezu vom Start weg verfolgt und somit durfte ich freilich auch Zeuge der Anfänge von Avantasia („The Metal Opera I + II“) sein, von denen ich immer noch über die Maßen begeistert bin. Umso mehr freut es mich, dass Tobias Sammet, trotz der stetigen Weiterentwicklung seines kreativen Schaffens, auf dem neuen Album, auch ein kleines bisschen den Spirit der ersten beiden Werke wieder aufgenommen hat. Der vielseitige Musiker und Songwriter hat sich während der Corona-Zeit wieder einmal in Mysteryhausen verschanzt. So lautet der liebevolle Name seines Heimstudios, wo er sich alle Zeit genommen hat, um an den neuen Stücken zu arbeiten und auch eine interessante und phantasievolle Geschichte für die einzelnen Songs zu schreiben. Wie das bei Herrn Sammet so üblich ist, geht es oft nicht, ohne auch ein kleines bisschen Extravaganz, die für ihn so typisch ist und ihn auch gleichzeitig so unglaublich sympathisch und authentisch wirken lässt. Dies wird dann hier zum Beispiel beim Album-Titel recht deutlich, der mit „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“, wohl kaum „kürzer“ hätte ausfallen können. Marketingtechnisch gesehen, sicher ein Horror aber bei Tobias Sammet geht es immer um die Kunst und darum, sich mit all seinen vielseitigen Fähigkeiten, musikalisch bestmöglich aus zu drücken. Und da spielt dann auch ein XL Album-Titel wohl keine Rolle. Inhaltlich geht es um eine Art fiktive Gesellschaft, eben die „Moonflower Society“, die aus den verschiedensten und phantastischsten Typen und Charakteren besteht. Ein bisschen spiegelt sich dies auch auf dem sehr kunstvoll gestalteten Cover wider, wo eine Auswahl der Figuren auf einer Art Theaterbühne steht. Wem nun eine gewisse, stilistische Ähnlichkeit zum Vorgänger „Moonglow“ auffällt, dem kann man nur beipflichten und verraten, dass in beiden Fällen, Alexander Jansson der Cover-Künstler war. Ich sprach eingangs von 11 Top-Hits. In der Tat, ist hier jeder Song ein Volltreffer. Tobias Sammet hat wieder einmal, ein unglaubliches Gespür bewiesen, sehr facettenreiche Stücke zu erschaffen, die stilistisch viel Abwechslung bieten und auch die unterschiedlichsten Stimmungen, perfekt zum Zuhörer transportieren. Die Liebe zum Detail ist allgegenwärtig, was sich vor allem bei den Arrangements und Melodiebögen bemerkbar macht. Auch die Refrains treffen allesamt direkt ins Schwarze. Unnötige Längen wurden vermieden und so sind die Songs sehr eingängig, mit hohem Wiedererkennungswert. Ein weiteres, großes Talent des Avantasia Masterminds, ist die perfekte Auswahl der jeweiligen Stimmen, die ihn bei seinen Kompositionen begleiten, respektive, als Duett-Partner(-in) fungieren. Die Liste derer, die auf Avantasia Alben schon zu hören waren ist lang und liest sich wie das „who is who“ der Metal-Szene aber ein paar davon, sind schon seit Jahren, regelmäßige Wegbegleiter, sowohl im Studio, wie auch auf der Bühne. Im Fall von Michael Kiske, geht der gemeinsame Weg ja bekanntlich schon zurück bis ganz zu den Anfängen. Der charismatische Helloween-Sänger ist entsprechend auch beim neuen Werk mit dabei. Ebenfalls langjährige Begleiter, wie Bob Catley (Magnum), Eric Martin (Mr. Big), Ronnie Atkins (Pretty Maids; Nordic Union), Jorn Lande (Jorn; Allen/Lande), Geoff Tate (Operation: Mindcrime; ex-Queensryche), sind auch wieder mit an Bord. Wie auf jedem seiner Avantasia Alben, hat Tobias Sammet auch für „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“, wieder neue Gäste mit dabei, die beide, zu den absoluten Top-Größen gehören. Zum einen Primal Fear Frontmann Ralf Scheepers, der zuletzt auch schon live mit Avantasia zu erleben war und zum anderen, niemand geringeres, als Nightwish-Frontlady Floor Jansen. Ihr seht also, Tobi Sammet hat einmal mehr, die High Society des Heavy Metal um sich geschart und sie zu seiner eigenen Moonflower Society gemacht, wenn man das Wortspiel so machen will. Avantasia wäre allerdings nichts ohne ein paar weitere, langjährige Weggefährten, allen voran natürlich Sascha Paeth (Masters Of Ceremony). Der nicht nur der „Soulmate“ und „Partner in Crime“ von Tobias Sammet ist, sondern, wie immer, auch einen Großteil der Gitarren und Bass Parts eingespielt hat und mit ihm zusammen, das Album produziert hat. Auch den Mix hat Sascha übernommen, wie üblich. Gemastert wurde die neue Scheibe von Michael „Miro“ Rodenberg, der ebenfalls schon ewig mit dabei ist und auch ein paar Keyboard-Sequenzen beigetragen hat. Übrigens, den Großteil der Keys und Synths hat Tobias Sammet dieses Mal selbst übernommen, dank Corona, war dafür wohl genug Zeit vorhanden. Das Ergebnis kann sich auf alle Fälle Hören lassen. Am Schlagzeug sitzt, wie gewohnt, Tobi’s Edguy Kollege Felix Bohnke, der übrigens auch bei Sascha Paeth’s Masters Of Ceremony die Felle verhaut. Es bleibt also alles in der gewohnten und bewährten Hand der „Familie“, könnte man wohl sagen.

Nun ist es aber an der Zeit, dass wir uns der Musik widmen und so starten wir auch gleich mit „Welcome To The Shadows“, dem einzigen gesanglichen Solo-Flug von Tobias Sammet. Die Einleitung ist sanft, mit feinen Piano-Klängen. Die Stimmung ist etwas düster, mit mystischer, fast unheilschwangerer Note. Der Spannungsaufbau läuft dezent im Hintergrund, Tobi teilweise, fast in Erzählform agierend. Der opulente Refrain erhebt sich dann förmlich über den Song und gibt ihm was majestätisches, vielleicht sogar hymnisches. Durchaus mit ein paar bekannten, traditionellen Avantasia Klangmustern versehen aber in einen neuen Rahmen und Kontext verpackt. Als instrumentale Begleitung dienen bei diesem starken Opener, vorwiegend die klassischen Arrangements und Keyboard-Klänge, ein paar Chor-Passagen geben dem Stück zusätzliches Volumen. „The Wicked Rule The Night“ war nicht nur die erste Single nebst Video, die vorab veröffentlicht wurde, es ist auch der große Auftritt von Ralf Scheepers. Passend zu seinem üblichen Betätigungsfeld, ist der Track eine gewaltige Power Metal Granate, irgendwo zwischen Primal Fear, Gamma Ray und Judas Priest zu verorten, garniert mit einem Edguy typischen Chorus. Ein ziemliches Kraftpaket, bei dem sich auch Sascha Paeth an den Saiten-Instrumenten und Felix Bohnke hinterm Schlagzeug, bestens auszeichnen und austoben können. Der Song hat bei mir zwar eine ganze Weile gebraucht bis er angekommen ist, mittlerweile finde ich ihn aber richtig klasse. Einer meiner absoluten Top-Favoriten ist das nachfolgende „Kill The Pain Away“, der erste Gastauftritt von Floor Jansen. Grundsätzlich ein rhythmisches Stück, mit teils opulenten klassischen Chören. Der Vers-Teil ist eher etwas ruhiger gehalten, Tobias Sammet macht gesanglich dabei den Anfang, Floor Jansen steigt dann mit ein und gibt eine perfekte Duett-Partnerin ab. Zum Refrain hin, ist eine langsame Steigerung zu spüren, dieser ist dann gewaltig, mitreißend und mit höchstem Ohrwurm-Faktor inszeniert. Das Lied ist brillant auf Floor zugeschnitten und im Besonderen der Chorus, ist zu 100% Nightwish kompatibel. Dieser Song hätte auch ohne weiteres, auf deren vorletzten Album „Endless Forms Most Beautiful“, eine tragende und zentrale Rolle einnehmen können. „The Inmost Light“ verkörpert genau diesen Spagat zu den Frühwerken von Avantasia, den ich eingangs angesprochen habe. Ein geniales Duett zwischen Tobias Sammet und Michael Kiske, ganz im Stil und Klangmuster alter Zeiten. Die Harmonie und Ergänzung beider Stimmen war schon immer fantastisch und gerade beim Chorus, ist das nicht nur episch, das ist pure Magie! Zusätzlich ist hier aber auch die Gitarren-Arbeit, einmal mehr, in den Vordergrund zu stellen, die bei diesem rasanten Stück ein wichtiger Faktor ist. Neben Sascha Paeth ist hier übrigens ein weiterer langjähriger Avantasia Weggefährte zu hören, nämlich Oliver Hartmann, der ein paar Sequenzen Lead-Gitarre beigesteuert hat. „Misplaced Among The Angels“ hat bei mir ebenfalls einen ziemlich hohen Stellenwert. Das Lied ist auch gleichzeitig der zweite Auftritt von Floor Jansen. Der Anfang ist wieder etwas sanfter, mit schönen Piano-Klängen. Das Stück nimmt nur langsam Fahrt auf, entfaltet seine volle Größe und Energie aber dann mit dem zweistimmigen Refrain, der wieder einmal, kaum genialer hätte ausfallen können. Floor Jansen macht dann bei der 2. Strophe gleich solo weiter und bewegt sich stimmlich, durchaus in einer anspruchsvollen, recht tiefen Tonlage, die eher untypisch für sie ist und sicherlich eine gewisse Herausforderung war. Aber dies zeigt nur, wie vielseitig und wie hoch talentiert die Niederländerin ist. „I Tame The Storm“ schraubt das Tempo wieder deutlich nach oben. Sascha Paeth’s Lead Gitarre und die kraftvollen Drums von Felix Bohnke geben die Richtung vor. Tobias Sammet agiert mit recht rockiger Stimme und legt so perfekt für Jorn Lande vor, der wie gewohnt, einen grandiosen Gesangspartner abgibt. Der Song ist sehr kraftvoll und energetisch, auch mit einem gewissen Tiefgang. Der schwere, erhabene Refrain ist dann noch das Sahnehäubchen auf der Torte und das nächste Highlight ist fertig. Auch Ronnie Atkins ist aus dem Avantasia Ensemble kaum mehr weg zu denken. Der Däne war ja zuletzt sehr aktiv mit Veröffentlichungen, sowohl solo, als auch mit Nordic Union. Umso schöner, dass er dennoch wieder die Zeit gefunden hat, einen Song für Avantasia mit ein zu singen. „Paper Plane“ ist ein Mid-Tempo-Hit, mit balladesken Zügen. Nach etwas verhaltenem, vom Keyboard dominiertem Beginn, intensiviert sich der Song nach und nach, getragen von den starken Vocals von Tobias Sammet. Zum wunderschönen und emotionalen Chorus steigt Ronnie Atkins mit ein und entfaltet all seine stimmliche Brillanz, die er dann bei der 2. Strophe, solo, in seiner typischen Manier, grandios zum Ausdruck bringt. Das quasi Titel Stück „The Moonflower Society“ kommt mit ein paar 80er AOR Momenten daher und wandelt ein wenig auf den Spuren des legendären Duos Meat Loaf/Jim Steinman. Der Song ist recht opulent mit tollen Arrangements, die auch ein bisschen Theatralik und Musical Flair versprühen. Fast unnötig zu erwähnen, dass Bob Catley für dieses Lied auserkoren wurde. Mit all seiner Erfahrung, der stimmlichen Vielseitigkeit und Emotionalität, ist der Magnum-Sänger zweifelsfrei, die beste Wahl um diesen großartigen Song an der Seite von Tobias Sammet zu intonieren. Sehr stark ist auch der ziemlich klassisch akzentuierte, instrumentale Mittelteil und das etwas verspielte Finale. Hab ich noch was vergessen? Ja, der Refrain hat absolutes Suchtpotenzial und ist er einmal im Ohr drinnen, kriegst du ihn nicht wieder raus! „Rhyme And Reason“ kommt im ICE-Tempo daher, mit der einen oder anderen Helloween typischen Gitarren-Sequenz. Eigentlich würde man denken, das wäre was für Michi Kiske aber weit gefehlt. Die ganz besondere Note bei diesem Stück liefert Eric Martin. Ich bin immer wieder begeistert, wie sich der Hardrock-Sänger auf einem eigentlich komplett anderen Terrain so gut zurecht findet und den Liedern die er für Avantasia singt, so viel Ausdruck verleiht. Aber das ist eben der beste Beweis, wie vielseitig der Mr. Big Sänger ist. Eine gute Stimme ist und bleibt eben eine gute Stimme. Genre hin, Genre her. Trotz der recht flotten Geschwindigkeit, ist der Song ziemlich abwechslungseich und wartet mit einem großen, instrumentalen Volumen auf. Eric Martin und Tobias Sammet brillieren sowohl solo, als auch zweistimmig und der Chorus ist ohnehin nicht von dieser Welt. Genial! „Scars“ ist dann die große Bühne für Geoff Tate, für den das nun auch schon das 3. Avantasia Album ist, auf dem er seine künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen darf. Etliche Tourneen-Beteiligungen kommen da natürlich noch dazu. „Scars“ ist zum Teil, ein etwas ruhigeres Stück. Man könnte auch von einer Power-Ballade sprechen, die durchaus ihre kraftvolleren und flotteren Momente hat. Der Anfang ist aber recht ruhig, Geoff Tate legt auch gleich direkt los. Der Spannungsaufbau zielt gut auf den Refrain hin, der das Prädikat „Hit-Potenzial“, zweifelsfrei verdient hat. Die instrumentale Begleitung ist sehr vielseitig und gelegentlich ist sogar mal ein bisschen Groove zu spüren, was dem Lied eine ganz spezielle Note verleiht. Wie der Album Titel, so ist auch das Album Finale im XL Format. Das gut 10 minütige „Arabesque“ ist an Facettenreichtum nur schwer zu überbieten. Mit sehr viel Akribie und kompositorischem Geschick, hat Tobais Sammet ein gewaltiges Epos ans Ende gestellt. Der Einstieg ist stimmungsvoll mit britisch/folkigen Klängen, man fühlt sich fast ein wenig an einen Garde-Aufmarsch erinnert. Der Übergang geht dann aber in eine komplett andere Welt, mit deutlichen, orientalischen Nuancen. Klingt komisch, ist aber so. Funktioniert perfekt, ist großartig gelungen und der Song-Titel verlangt das ja auch direkt. Das Stück ist eine Reise durch die verschiedensten Emotionen und Stimmungen. Tobias Sammet, Jorn Lande und Michael Kiske sind die Protagonisten und tragen die Story in stimmlicher Bestform vor. Die Arrangements sind fantastisch gelungen und geben dem Track immer wieder, eine epische Note. Die metallische Instrumentierung ist ebenfalls brillant gelungen, hier und da sogar mal ein bisschen progressiv. Sascha Paeth und Felix Bohnke haben all ihre Fähigkeiten in die Waagschale geworfen, um diesem Song ein druckvolles und variantenreiches Grundgerüst zu verpassen. Vor allem Sascha’s mega Gitarren-Solo im folkigen Stil, ist alleine schon das Eintrittsgeld wert, für diese tolle, abschließende Inszenierung. Einige sehr Avantasia typische Klangmuster runden das Stück perfekt ab und sorgen für den ganz speziellen Wiedererkennungswert.

Ich wiederhole mich gerne, wenn ich sage, dass Tobias Sammet zu den größten, talentiertesten und vielseitigsten Metal-Komponisten unserer Zeit gehört. Es ist immer wieder eine Freude, neue und alte Stücke dieses brillanten Musikers und Songwriters zu hören und zu genießen. Er hat in über 20 Jahren mit Avantasia wirklich großes erschaffen und „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“, ist ein weiterer, gewaltiger Meilenstein in der Bandgeschichte. Herzlichen Glückwunsch an Tobias Sammet und die gesamte Avantasia Familie, zu einem großartigen und beeindruckenden neuen Meisterwerk!

Band

Tobias Sammet (Gesang, Keyboard, Synths, Bass)
Sascha Paeth (Gitarre, Bass)
Felix Bohnke (Schlagzeug)

Gäste

Floor Jansen (Gesang)
Michael Kiske (Gesang)
Jorn Lande (Gesang)
Ronnie Atkins (Gesang)
Bob Catley (Gesang)
Eric Martin (Gesang)
Geoff Tate (Gesang)
Ralf Scheepers (Gesang)
Michael Rodenberg (Keyboard)
Oliver Hartmann (Gitarre, Backing Vocals)
Herbie Langhans (Backing Vocals)
Ina Morgan (Backing Vocals)

Titel

  1. Welcome To The Shadows
  2. The Wicked Rule The Night
  3. Kill The Pain Away
  4. The Inmost Light
  5. Misplaced Among The Angels
  6. I Tame The Storm
  7. Paper Plane
  8. The Moonflower Society
  9. Rhyme And Reason
  10. Scars
  11. Arabesque
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