„Manifest“ ist nun bereits das 6. Album der schwedischen Megaseller Amaranthe. Auch mit ihrem aktuellen Meisterwerk, gehen die Skandinavier ihren eingeschlagenen Weg konsequent weiter und liefern eine grandiose Hit-Kollektion ab, die ihres gleichen sucht.

In 9 Jahren, 6 Alben zu veröffentlichen, ist eine starke Leistung, im Besonderen, weil jedes einzelne, ein musikalischer Meilenstein geworden ist. Das neueste Werk „Manifest“, ist aber tatsächlich, der bisherige Gipfel der Schaffenskunst von Amaranthe, wie ich finde. Noch nie war die Hitdichte größer und die Punktlandung bei den Refrains genauer. Goldkehlchen Elize Ryd und Gitarrengott Olof Mörck haben den wesentlichen Teil der Kompositionen zu verantworten und den beiden fliegen die Ideen offenbar nur so zu. Wie gewohnt legen die Schweden einen mutigen Spagat, zwischen hartem Metal und poppigen, bis teilweise fast schon techno-artigen Soundelementen hin. Auch bei „Manifest“ gibt es die üblichen zwiespältigen Kritiken seitens der Printmedien, …es würde sich doch hier nicht mehr um Metal handeln…, blablabla. Also, ich kann das langsam nicht mehr hören und auch nicht nachvollziehen. Wer entscheidet, ob etwas mehr Metal oder weniger Metal ist? Und vor allem, wen interessiert das? Den Fan bestimmt nicht. Der mag diese Art von Musik oder eben nicht. Amaranthe haben in all den Jahren ihres Bestehens, in sehr konsequenter Weise, ihren Weg gefunden und einen höchst eigenen Stil geprägt, man könnte ihn vielleicht sogar den „Amaranthe-Metal“ nennen. Wenn man das nicht als absolut authentisch bezeichnen kann, was, bitte schön, dann? Man sollte Musik nicht so engstirnig betrachten, sondern der Kunst und den Künstlern freien Lauf lassen. Genau das machen Amaranthe mit „Manifest“ nun schon zum 6. Mal. Ich finde es einfach nur großartig und der stetig wachsende Kreis an Fans, gibt den Skandinaviern absolut Recht, in dem was sie tun. Daumen hoch, für eine Hammer-Scheibe! Über die musikalischen Fähigkeiten, brauch ich euch wohl nichts mehr zu erzählen. Neben den oben schon genannten Hauptkomponisten Elize Ryd (Gesang) und Olof Mörck (Gitarre; Keyboard), sind ebenfalls weiterhin mit dabei, Nils Molin (singt übrigens auch bei Dynazty!) mit dem Klargesang, Henrik „GG6“ Englund mit den Growls/Screams, Johan Andreassen am Bass und Morten Løwe hinterm Schlagzeug. Die Produktion von „Manifest“ haben Amaranthe, selbstverständlich, wieder in die bewährten Hände von Jacob Hansen gelegt, der wie gewohnt, eine Meisterleistung hinter den Reglern vollbracht hat. Dieses Mal sind auch ein paar namhafte Gäste mit von der Partie, dazu aber im Folgenden dann mehr.

Die Standard-Version von „Manifest“ beinhaltet 12 Stücke. Alle, wie üblich, kurz und knackig auf den Punkt komponiert, ausdrucksstark und ohne unnötige Längen.

Den Anfang macht „Fearless“. Für mich schon jetzt ein Band-Classic und auf Dauer ein Muss, in der Setlist. Mit unbändiger Kraft und drei herausragenden Stimmen, einer meiner Lieblingssongs auf „Manifest“. Mega! „Make It Better“ kommt etwas wuchtiger und rifflastiger rüber, Henrik „GG6“ Englund verleiht dem Lied, mit seinen starken Growls, einen ziemlich düsteren Charakter. „Scream My Name“ lässt mich sofort ans Debüt denken. Das Stück hätte da auch gut drauf gepasst. Ein wilder Power-Track, mit einigen technischen Spielereien und einem fantastischen Refrain. Well done! Auch „Viral“ würde ich als sehr typischen Amaranthe-Song bezeichnen. Rhythmisch, eigentlich schon fast stampfend, ein Party-Garant für die Bühne und zumindest vom Titel her, auch zeitgemäß. „Adrenaline“ beginnt mit dominantem Synthi-/Keyboardspiel von Olof Mörck und feinen Vocals von Elize Ryd. Insgesamt ein sehr stimmungsvoller Song, mit leicht angezogener Handbremse, der aber auch ein ganz anderes Gesicht haben kann, dazu dann später noch mehr. „Strong“ ist eines der ganz großen Highlights des Albums. Mit deutlich reduziertem Tempo ist „Strong“ so etwas wie das Motivations- oder „Kopf hoch, es wird irgendwie weiter gehen“-Lied. Dazu haben sich Amaranthe einen tollen Gast eingeladen. Ich sage es hier auch ganz deutlich, meine Lieblings-Sängerin Noora Louhimo von Battle Beast. Ein Hintergrund für das Duett zwischen Elize und Noora war sicher die geplante, gemeinsame US-Tour, die ja, aus den allseits bekannten Gründen, vorerst, nicht stattfinden kann. Es wäre aber tatsächlich ein Vergnügen zu erleben, wie die beiden charismatischen jungen Damen, diesen außergewöhnlichen Song, gemeinsam auf der Bühne performen. Bei „The Game“ wird das Tempo wieder ordentlich hochgeschraubt. Eine Hymne par excellence, mit treibendem Schlagzeug von Morten Løwe und perfektem Zusammenspiel der drei Stimmen. „Crystalline“ ist die Ballade des Albums. Wie man das schon seit „Amaranthine“ vom Debüt kennt, haben die Schweden auch für die ruhigen Stücke, ein ganz besonderes Händchen. „Crystalline“ ist ein Duett zwischen Elize Ryd und Nils Molin. Das Lied fügt sich nahtlos ein, in eine Reihe vieler emotionaler Momente, die es auf allen bisherigen Amaranthe-Alben gab. „Archangel“ hat vom instrumentalen Grundgerüst her, fast ein bisschen was von Rammstein, …als die noch richtig gut waren… . Toller Rhythmus und starke Power. Auch ein Top-Highlight! Bei „BOOM!1“ wird es dann ziemlich wild. GG6 steht hier mit seinen Growls klar im Vordergrund und liefert einige ausdrucksstarke Death-Metal-Momente ab, jedoch verfügt auch „BOOM1!“, über einen sehr melodischen und mitreißenden Refrain, den hier Nils übernimmt. Coole Nummer! Beim folgenden „Die And Wake Up“ darf die bezaubernde Elize Ryd wieder die Hauptrolle übernehmen. Ein knackiger und wuchtiger Song, der auch die Rhythmus-Abteilung um Morten Løwe und Johan Andreassen zur vollen Entfaltung kommen lässt. Bei „Do Or Die“ ist als Gast Jeff Loomis (Arch Enemy; ex-Nevermore) an der Gitarre mit dabei und wertet den Song durch sein Spiel, noch ein bisschen weiter auf. Gleichzeitig ist das Stück auch das würdige Finale eines sensationellen Albums. Allerdings, wer sich für die Mediabook-Version von „Manifest“ entscheidet, bekommt neben einem aufwändig gestalteten Artwork und Booklet, auch noch ganze 4! Bonus-Tracks dazu, die es alle in sich haben. Da wäre zum einen das Sabaton-Cover „82nd All The Way“. Ein starker Song, der auch im Amaranthe-Style eine hervorragende Figur abgibt. Dann gibt es noch die Alternativ-Version von „Do Or Die“ mit der einzigartigen Angela Gossow (ex-Arch Enemy, jetzt Management), die hier natürlich die Growls übernimmt. Das war übrigens vor ein paar Monaten, das erste Lebenszeichen von „Manifest“. Des Weiteren begeistert eine akustische Variante von „Adrenaline“. Instrumental im spanischen Stil dargeboten. Als Duett zwischen Elize und Nils gesungen, gibt diese Version dem Stück, einen vollkommen anderen Ausdruck und wird dann auch passender Weise, spanisch, „Adrenalina“ getauft. Irgendwie ziemlich mitreißend. Zum tatsächlichen Ende, verwöhnen uns die sechs Schweden noch mit einer orchestralen Alternative von „Crystalline“. Vorwiegend Streichinstrumente begleiten dabei Elize Ryd und Nils Molin und lassen das Lied noch etwas emotionaler rüberkommen. Ich glaub mir gefällt diese Variante sogar noch besser, als das Original.

Zum Abschluss möchte ich meine Gratulation zu einem fantastischen Album aussprechen. Erneut ist Amaranthe der Spagat, weit über alle Genre-Grenzen hinaus, perfekt gelungen. Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Manifest“ und freue mich auf die Tour, gemeinsam mit Beyond The Black, im kommenden Jahr, hoffentlich… .

„Let’s get rocked, not infected!“

 

 

Band

Elize Ryd (Gesang)
Nils Molin (Gesang)
Henrik „GG6“ Englund (Growls; Screams)
Olof Mörck (Gitarre; Keyboard)
Johan Andreassen (Bass)
Morten Løwe (Schlagzeug)

Titel

  1. Fearless
  2. Make It Better
  3. Scream My Name
  4. Viral
  5. Adrenaline
  6. Strong (feat. Noora Louhimo)
  7. The Game
  8. Crystalline
  9. Archangel
  10. Boom1!
  11. Die And Wake Up
  12. Do Or Die (feat. Jeff Loomis)
  13. 82nd All The Way
  14. Do Or Die (feat. Angela Gossow)
  15. Adrenalina (acoustic)
  16. Crystalline (orchestral)
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